Neues Wohnen in der Lynarstraße: Unser Haus aus Holz

Das Holzhaus Lynarstraße kurz vor der Fertigstellung. Foto: Hensel
Das Holzhaus Lynarstraße kurz vor der Fertigstellung. Foto: Hensel

Wenn man aus dem Fenster schaut, sieht man die Ringbahn. Zum Greifen nahe fährt sie direkt am Haus in der Lynarstraße vorbei, alle fünf bis zehn Minuten. Im Haus hört man das kaum, dafür ist der Blick einfach toll. Der Bahnhof Wedding ist nur ein paar Meter entfernt. Wer hier wohnt, das merkt man sofort, wohnt besonders. Und das nicht nur, weil das Haus aus Holz gebaut wurde und somit einen, wie die Marketingleute es nennen, minimalen ökologischen Fußabdruck hat.

In der Lynarstraße ist im vergangenen Jahr eines der größten Holzhäuser Deutschlands entstanden. Von Bauweise und vor allem vom Wohnkonzept ist das Gebäude innovativ. Zunächst ist es schneller gewachsen als andere Neubauten.  „Die Elemente werden fertig geliefert und vor Ort montiert. Wir schaffen so eine Etage pro Woche“, erklärte Felix Hiller von der Schäferwenninger GmbH bei einer Baustellenbesichtigung im vergangenen Jahr. Die Gesellschaft wurde vom Bauherren, der Wohnungsbaugenossenschaft „Am Ostseeplatz“ e.G., mit dem Bau beauftragt.

Das Holzhaus steht direkt an der Ringbahn, links ist die Schallschutzwand zu sehen. Foto: Hensel
Das Holzhaus steht direkt an der Ringbahn, links ist die Schallschutzwand zu sehen. Foto: Hensel

Praktisch bedeutet das: Am Montag kamen die Sattelschlepper mit den fertigen Holzelementen, am Freitag hatten vier Monteure das komplette Stockwerk errichtet. „Wir bauen 98 Wohnungen und sieben Gewerbeeinheiten, insgesamt 6600 Quadratmeter nutzbaren Raum“, sagte Felix Hiller, „und ab dem ersten Obergeschoss ist bis auf die verbindenden Treppen alles aus Holz“. Begeistert schwärmte er vom Baustoff Holz und der kurzen Bauzeit. Inzwischen sind die drei Gebäudeteile, aus denen das Haus bestehen wird, fertig. Nur ein knappes Jahr hat die Bauzeit am Ende gedauert. Die ersten Mieter sind im Spätherbst eingezogen.

„Insgesamt verbauen wir 3700 Kubikmeter Holz, vor allem Fichte und Douglasie aus Deutschland und Österreich“, erklärte Felix Hiller. Alle tragenden Balken, die Fußböden und Decken sind in Holzoptik, der Baustoff wird die Bewohner stets begleiten, auch an der Fassade wird der Baustoff erkennbar bleiben. Lediglich die Trockenbauwände sind aus Gipskarton.

Regelmäßig gab es während der Bauphase Baustellenbesichtigungen. Sie waren stets gut besucht. Foto: Hensel
Regelmäßig gab es während der Bauphase Baustellenbesichtigungen. Sie waren stets gut besucht. Foto: Hensel

Um das Haus aus Holz bauen zu können, wurden noch eine Sondergenehmigung und damit aufwändige Abstimmungen mit der Feuerwehr wegen des Brandschutzes benötigt. Doch Holz entwickelt sich zu einem Standard-Baustoff, der Brandschutz ist beim heutigen Stand der Technik kein Problem mehr und mit einer Lebenszeit von 80 bis 100 Jahren steht ein Holzhaus einem Massivhaus kaum etwas nach. Anfang 2018 hatte das Abgeordnetenhaus die Berliner Bauordnung geändert und das Bauen von mehrgeschossigen Häusern aus Holz grundsätzlich erleichtert.

Besonders an dem Neubau war auch, dass die künftigen Mieter ihr Haus mitgestalten und bei der Entstehung beobachten konnten. Regelmäßig gab es für sie Baustellenbesichtigungen.  Sehr viele kamen, nicht nur künftige Mieter – Genossenschaftsmitglieder, Architekten, Nachbarn, Mietinteressenten, Journalisten. Für die Mietinteressenten allerdings war es da schon lange zu spät, das Haus war schnell komplett vermietet. Das ist kein Wunder, nicht nur wegen der schönen Holzfassade und dem angenehmen Raumklima. Auch der Preis hat viele angezogen. Die Hälfte der Wohnungen wurde an Mieter mit Wohnberechtigungsschein für 6,50 Euro pro Quadratmeter netto kalt vermietet. Die anderen Wohnungen kosten acht bis neun Euro pro Quadratmeter. Nur die Bewohner im obersten Geschoss zahlen 12 bis 13,50 Euro pro Quadratmeter.

Auf der Baustelle im Holzhaus Lynarstraße. Foto: Hensel
Auf der Baustelle. Foto: Hensel

Die niedrigen Mieten sind möglich, weil der Bauherr 2,5 Millionen Euro Fördermittel aus dem Senatsprogramm „Experimenteller Geschosswohnungsbau“ im Rahmen des Sondervermögens Infrastruktur der wachsenden Stadt (SIWA) bekommen hat. Außerdem war der Baugrund sehr günstig. Das Gewerbegrundstück in der Lynarstraße galt viele Jahre als unverwertbar, denn es liegt direkt an der S-Bahntrasse. Doch die Wohnungsbaugenossenschaft „Am Ostseeplatz“ e.G. kaufte das unattraktive Grundstück, um dort das Holzhaus zu errichten.

Der Bestand der Genossenschaft vergrößerte sich mit dem Neubau erheblich. Bisher hatte sie 425 Wohnungen und 15 Gewerbeeinheiten im Prenzlauer Berg, in Kreuzberg und im Friedrichshain. Mit der Fertigstellung in der Lynarstraße befinden sich 523 Wohnungen und 22 Gewerbeflächen im Bestand der Genossenschaft. Die Mieter lobten die Initiative der Genossenschaft immer wieder, werde so ein Grundstück im begehrten Sprengelkiez der Spekulation entzogen.

Auf den Plänen ist zu sehen, wie die die sogenannte Wohn-Cluster im Holzhaus Lynarstraße aufgeteilt sind. Foto: Hensel
Auf den Plänen ist zu sehen, wie die die sogenannte Wohn-Cluster aufgeteilt sind. Foto: Hensel

Auch die Art des Zusammenwohnens ist besonders. Im Holzhaus verschwindet niemand in seiner Wohnung, die Mieter wohnen zusammen, gemeinschaftlich. Wer im Holzhaus wohnen wollte, musste Lust auf eine Wohngemeinschaft haben. Die Genossenschaft hat im Vorfeld Mieter gesucht und zusammengebracht. Es entstanden Gruppen, an die dann eine ganze Etage vergeben wurde. Die Etagen sind in sogenannte Wohn-Cluster eingeteilt. Sie umfassen mehrere Wohneinheiten mit eigenen Bädern und kleinen Küchen sowie gemeinschaftliche Bereiche mit einer großen Küche, Gemeinschaftsräumen und sehr großzügigen Wohnfluren. Auf den Etagen haben die jeweils gemeinsam entschieden, wie viel Privatraum und wie viel Gemeinschaftsfläche sie haben möchten.

Zum Gemeinschaftswohnen gehört im Holzhaus Lynarstraße aber mehr als Mieter-Wohngemeinschaften. Sozial ist das Haus auch darüber hinaus. Eine Demenz-WG soll unter den Mietern sein, einige Geflüchtete werden ein neues Heim finden. Proberäume für Musiker sind ebenso geplant wie eine Essensausgabe für Obdachlose. Im Haus soll auch eine Kita Platz finden.

Infos über das Holzhaus gibt es auf der Seite der Wohnungsbaugenossenschaft „Am Ostseeplatz“ eG: www.am-ostseeplatz.de oder auf der Projektseite: www.neunzehnminuten.de


2 Kommentare
  1. besonders schön ist die aussicht im 1. und 2. stock nach hinten quasi die Mauer im Blickfeld aber dafür werden diese wohnungen bestimmt für das hartz v buget ausreichen…

    1. Ich weiß nicht, ob das bei allen Wohnungen so ist, aber bei der Person, die ich für den Artikel interviewt habe (wohnt unten), ist es so: Sie haben Fenstern nach hinten zur Bahn (Schallschutzwand) und nach vorn zur Lynarstraße.

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