Für Umme mit dem Leihrad

Leihrad der Firma ofo. Foto: Hensel
Zwei Leihräder stehen in der Brunnenstraße. Als das Foto entstand, sind zwei Kids schnell noch aus dem Bild gesprungen. Offenbar wollten sie gerade los. Foto: Hensel

Meinung Die Weddinger Jugend hat das Radfahren entdeckt. Wer hätte gedacht, dass gerade die Nachwuchs-Gangster, die sonst niemals mit dem Fahrrad gesehen wurden, breitbeinig und mit natürlich nur einer Hand radelnd im Wedding unterwegs sind. Kaum einen Meter legen sie noch zu Fuß zurück. Kein Wunder: Eine freundliche Firma aus dem fernen China hat ihnen kostenlose Leihräder geschickt. Die Kids aus der Nachbarschaft nehmen das Geschenk dankend an.

So manch ein Erwachsener hat sich sicher schon gefragt, woher die Kids die Kohle oder die Kreditkarte für die Leihräder haben, mit denen derzeit alle unterwegs sind. Es ist ganz einfach: Sie haben sie nicht. Sie kennen stattdessen die Zahlenkombis, mit denen man die Räder für Umme, also für umsonst, nutzen kann. Ganz offen trägt der Weddinger Jugendliche seinen Triumph zur Schau, die Technik überlisten zu können. Besonders leicht scheint es ihnen dieser noch neue Anbieter mit den quietschgelben Rädern zu machen. Die sind im Wedding im Moment fest in der Hand der Kids. Und so wird kräftig gespart. 80 Cent für 20 Minuten müssten sie laut Anbieterseite für die Nutzung eigentlich bezahlen. Aber cooler ist wohl, man zahlt das nicht.

Wer ein wenig im Internet sucht, der findet leicht die Erklärung für die Umgehung der Bezahlsperre (wir verbreiten das wegen bestimmter Bedenken jetzt mal nicht weiter). Offenbar haben auch die Weddinger Kids diese Seite gefunden. Ob der Leihradanbieter aus dem fernen Peking dem Treiben bald ein Ende macht? Wer weiß! Derweilen fahren sie in Gelb zur Schule – vor den Toren stapeln sich die Räder. Sie fahren damit zu Dings und Bums und auch zum Park, zum Sport, zum Abhängen nach Irgendwo. Keinen Meter laufen die Weddinger Kids mehr, keinen Meter, Alter.

Keine Senatsverwaltung könnte sich ein schöneres Aktivierungsprojekt ausdenken oder mehr für die sportliche Ertüchtigung der angeblich zu dicken Weddinger Kids tun. So viel Bewegung wie gerade jetzt hatten die Nachwuchs-Gangster noch nie. Vielleicht telefoniert mal jemand aus dem Senat mit Peking und überweist diskret eine mittlere Summe – und verschafft dem Weddinger Jugendlichen damit eine legale Dauerflat fürs Leihrad.


Dominique Hensel ist noch nie mit einem Leihrad gefahren, aber mit dem eigenen Rad ist sie oft in der Stadt unterwegs. Dabei hat sie sich über die Kids auf den gelben Leihrädern gewundert, die ihr überall begegneten. 


19 Kommentare
  1. Ich wurde gerade von drei Zehnjährigen angesprochen, die mich baten, die ofo-App für sie herunterzuladen. Dann hätte man einen ganzen Tag lang freie Fahrt und das würden viele so machen, sagten sie.

    1. Mit der App kann man entsperren und das kostet dann 0,80 Cent für 20 min die du dann bezahlen müsstest oh je die wissen das ganz genau die Jungs

      1. Nein das stimmt nicht. Wenn man die App neu runterlädt ist die erste Fahrt immer kostenlos. Da die Nutzung der App aber laut AGB erst ab 18 möglich ist UND man vermutlich dafür haften muss wenn während der kostenlosen Fahrt etwas mit dem Rad (oder Kind auf dem Rad?) passiert, sollte man da wohl besser von Abstand nehmen.

  2. Ich hab ein Fahrrad das ich selbst bezahlt habe und mir ist das scheiß egal sollen sie doch die kaputt machen ofo weis das auch also sollen die sich darum kümmern ich hab besseres zu tun

  3. Das waren die jungen die auch damit gefahren sind die mutwillig die kaputt gemacht haben und stehen doch überall neue so können sie Nas nächste nehmen aber wenn die weiter die kaputt treten dann sind bald keine mehr da Pech

    1. Ach so. Haben Sie dafür Beweise? Dann wenden Sie sich bitte an die nächste Polizeidienststelle und erstatten Anzeige wegen Sachbeschädigung. Ansonsten finde ich das eher armselig wie Sie hier als Erwachsene gegen Jugendliche stänkern. Da kann ich nur mit dem Kopfschütteln.

      1. Das ist meine Meinung dazu, aber wenn die Jugendlichen mutwillig Sachen zerstören die ihnen nicht gehören dann finde ich das nicht ok da fehlt jeglicher Respekt

  4. Also ich sehe nur Jungs auf dem Fahrrad und wenn sie damit normal umgehen würden wäre es mir auch egal wenn sie die Illegal nutzen. Aber die mutwillig zerstören ist nicht OK. Gehört ihnen ja nicht und hat ja auch kein Geld gekostet ne das ist nicht ok

    1. Also ich hab erst gestern 5 Mädels auf den gelben Dingern an meinem Haus vorbeifahren sehen. Gehen die denn davon kaputt, wenn man sie kostenlos fährt oder wieso sollten es genau diese Kids sein, die die Räder mutwillig zerstören? Bei mir vorm Haus stand auch schon ein Bike von einer anderen (Supermarkt-)Kette. Das war auch nach einer Nacht zertrümmert. Die Jungs (oder Mädels) werden ja wohl kaum so dämlich sein die Räder kaputt zu machen, wenn sie sie umsonst fahren können? Ich versteh die ganze Aufregung nicht so recht.

      1. Es scheint so als hätte Ofo jetzt den Wedding aus dem Bereich genommen in dem man die Räder ausleihen kann – vor 2 Tagen wurde die Grenze auf jeden Fall noch weiter nördlich in der App angezeigt als jetzt ….

  5. Wegen euch gejz es nicht mehr bin 15

  6. Meiner Meinung nach die genialste Werbemaßnahme von der ich je gehört hab. Die Kids fahren für das Unternehmen fleißig durch die Gegend und bringen so jeden fahrradlosen Anwohner (auch mich) auf die Idee mir auch mal so ein Ding zu leihen. Der Verlust fürs Unternehmen (80ct für 20 Minuten) ist dabei doch weitaus geringer als jede großangelegte PR-Aktion.

    1. Gerüchteweise hab ich gehört, dass das Geschäftsmodell von ofo das Generieren von Bewegungsprofilen ist. Der Mietpreis ist also nur so eine Art Schutzgebühr, Geld verdient man mit den Daten.

  7. Wie kann man ernsthaft etwas dagegen haben, wenn unterprivilegierte Jugendliche etwas Spaß haben? Nach der Petzerei hier, wird das wohl bald nicht mehr möglich sein. Schade.

    1. Das glaube ich kaum, dass wegen eines Beitrags auf einem Stadtteilblog der Trick nicht mehr funktioniert. Ich glaube, da überschätzt Du unseren Einfluss. Aber. Viele Medien haben bereits darüber berichtet. Und angeblich weiß die betreffende Firma auch schon länger von dem Problem.

  8. Diese Fahrräder sind zum Mieten kosten 0,80cent 20 min frage mich wie ofo das sieht denn in der Togostraße wurden die hin und her geschmissen Fahrrad Ständer abgetreten landeten danach im Gebüsch ich finde sowas nicht ok

  9. Es ist total schade, dass die Weddinger Jugendlichen, die sicher nicht alle den Luxus eines privilegierten Elternhauses haben, dass das Geld hat ein Fahrrad zu kaufen oder das als wichtige Anschaffung zu sehen, hier als „Nachwuchs Gangster“ abgewertet werden. Will ich damit den Fahrradbetrug gutheissen? Nein, ganz sicher nicht, das ist nicht in Ordnung. Aber in einem Land wo erwiesenermaßen -Studien dazu gibt es en Masse- Schüler mit Migrationshintergrund schlechter bewertet werden, mehr Bewerbungen schreiben müssen, weniger Bildungschancen bekommen und es viele Vorurteile gegen ‚Türken‘ gibt (die Anführungszeichen sind ironisch gesetzt; auch in 2018 verstehen viele Menschen nicht dass man auch mit Migrationshintergrund oder anderer Hautfarbe deutsch sein kann) sollte man sich fragen ob so ein Artikel nicht zu dem Problem beiträgt. Heisser Tipp: ja tut er. Schade, vom Weddingweiser hätte ich mehr Reflektion erwartet.

    1. Ich denke nicht, dass der Beitrag zum Problem beiträgt. Er schildert eine Beobachtung. Der Ton ist flapsig, ja, das kann man kritisieren. Ich stehe trotzdem zu dem Stilmittel der Zuspitzung. Was aber nicht von der Hand zu weisen ist (oder zumindest an anderer Stelle bleeuchtet werden könnte) ist die Frage, ob die wegen dem fehlenden privilegierten Elternhaus, das Du erwähnst, fehlende Nutzung von kostenpflichtigen Leihrädern zu irgendwelchen Nachteilen bei den Kindern und Jugendlichen führt … Meine Kinder fahren auch nicht Leihrad. Wie ist das bei ihnen?

      Ich sehe noch einen anderen Aspekt, der mir per Mail von einer Leserin berichtet wurde. Die Mädchen in ihrem Haus, türkischer Migrationshintergrund, freuen sich total über die neue Möglichkeit. Ihre Eltern kaufen ihnen aus religiösen Gründen kein Rad. Dass Mädchen Radfahren ist ja nicht überall selbstverständlich. Nun können sie, meist ja ohnehin kaum beaufsichtigt, trotzdem Radfahren. Heimlich.

      Es gibt viele Aspekte zu dem Thema. Meine Glosse sollte die Diskussion darüber eröffnen. Offenbar hat sie das getan.

  10. Ich gebe mal eine offline gegebene Ergänzung von Paul weiter: Die Idee hat Potential. Man sollte Mathebücher zum Klauen in der Stadt verteilen. Und für mich bitte Leihautos. 😉

Wichtige Ergänzung? Konstruktiver Kommentar? Gerne:

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