Kakadu: Restaurant ohne eigenen Koch

Das Kakadu in der Soldiner Straße. Foto: Sulamith Sallmann.
Das Kakadu in der Soldiner Straße. Foto: Sulamith Sallmann.

Wenn Essen die neue Popmusik ist, dann wäre das Restaurant Kakadu in der Soldiner Straße 13 eine unbekannte Indieband. Denn das Konzept Community Kitchen des Kakadu ist noch neu und gewiss nicht Mainstream. Der Kakadu betreibt eine neue, eine unvertraute Art von Restaurant. Wobei vielleicht die Schublade Restaurant bereits falsch ist. Kurz nach der Eröffnung ist derzeit noch nichts festgelegt. Was in dem Laden passieren wird, bestimmen Gäste, Köche, Freunde, Macher.„Was hörst du so (für Musik)?“, war bis in die 1990er Jahre unter jungen Leute die Frage, die in etwa das Selbe bedeutete wie die heutige Frage: „Bist du Veganer?“ Wäre der Kakadu eine Musikband, dann wäre es eine ohne Label. Wobei an dieser Stelle das Wort Label nicht Plattenfirma meint. Das Wort Label meint ja auch die Schublade im Kopf, in die Musikfans Bands einsortieren.

Fest steht: Frühstück am Wochenende. Foto: Samuel Orsenne.
Fest steht: Frühstück am Wochenende. Foto: Samuel Orsenne.

Community Kitchen

Der Begriff Community Kitchen beschreibt eigentlich am besten, was wir machen wollen“, sagt Jessica Schmidt. Sie hat Anfang Februar in der Soldiner Straße 13 das Restaurant Kakadu eröffnet. In der Mitte des vorderen Raumes steht ein langer Tisch wie er in vielen WG-Küchen steht. „Auf Partys treffen sich die Leute auch in der Küche“, sagt Jessica Schmidt. Der ungefähre Plan für die Community Kitchen im Kakadu sieht vor, dass der Kakadu eine Art Plattform wird für Leute, die etwas ausprobieren wollen, die nicht gleich einen eigenen Laden eröffnen wollen. Es soll ums Kochen gehen, um gemeinsames Kochen, um Kochen nach Themen, um persönliches Kochen. Konsequent ist deshalb, dass im Kakadu kein Koch angestellt ist. „Es ist noch alles offen.“ Es ist also nicht ausgeschlossen, dass sich das Konzept durchsetzt, dass der Gast seinen Koch mitbringt. Wichtig ist Jessica Schmidt der Nachbarschaftsgedanke. Die Gäste, am besten die Nachbarschaft, sollen sich im Kakadu treffen, finden, aber auch wiederfinden. Sie strahlt, als sie sagt:  „Hier war drin ja der erste Dönerhersteller in Berlin, Kaplan-Döner. Der wohnt hier im Kiez und hat uns schon besucht, weil er wissen wollte, was nun mit dem Laden passiert.“ Das heißt nicht, dass sie vorhat, einen Döner oder eine Pizzeria aufzumachen.

Jessica Schmidt ist ehemalige Handball-Profispielerin, hat Ethnologie studiert und ihre ersten Gastroerfahrungen in der Kugelbahn in der Grüntaler Straße gesammelt. Gestartet hat sie den Kakadu mit Themenabenden. „Wir wollen Essen und Kultur zusammenbringen“, sagt sie. Auf den Themenabenden gab es bisher Filme oder Bands oder Tanz. Fest im Programm ist bisher das Frühstück am Wochenende. Wobei die Betonung nicht auf „früh“ liegt.  Fest steht auch, dass die Künstlervereinigung Kolonie Wedding an einem Abend im Monat  den Kakadu nutzen wird. Die nächsten Themenabende im Kakadu und die Öffnungszeiten stehen auf der Webseite kakadu.berlin-basement.de. Dort kann ein Newsletter abonniert werden.

Ein Restaurant mit Programm statt einer Speisekarte. Grafik: Kakadu.
Ein Restaurant mit Programm statt einer Speisekarte. Grafik: Kakadu.

Text: Andrei Schnell, Fotos: Sulamith Salmann.

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