Happy Birthday Bibliothek am Luisenbad!

Die Bibliothek am Luisenbad in der Travemünder Straße. Foto: Andrei Schnell
Die Bibliothek am Luisenbad in der Travemünder Straße. Foto: Andrei Schnell

Im offiziellen Jahrestagkalender des Weddingweisers ist für Sonntag ein Termin eingetragen: Vor 20 Jahren, also am 1. November 1995 eröffnete die Bibliothek am Luisenbad für kleine Leseratten aus Wedding und Gesundbrunnen. Die Bibliothek in der Travemünder Straße befindet sich in einem Haus, das früher zum Vergnügungsviertel rund um die einstige Heilquelle entstanden ist. Der mit Backsteinen in der Bibliotheksfassade gebildete Schriftzug “Kafé Küche” zeugt noch heute von der Geschichte des Hauses. 1995 entstand der moderne, überwiegend unterirdisch angelegte Neubau der Architekten Chestnut und Niess, wobei Teile das alten Gebäudes erhalten geblieben sind. Dazu gehört der Puttensaal im ersten Obergeschoss, der heute als stilvoller Veranstaltungssaal dient. Anlässlich des 20. Geburtstages, das von der Bibliothek offenbar ganz bescheiden übergangen wird, freuen wir uns über einen Artikel aus dem Kiezmagazin Soldiner.

Bücherreihen in der Bibliothek am Luisenbad. Foto: Hensel
Bücherreihen in der Bibliothek am Luisenbad. Foto: Hensel

Es war einmal eine Zeit, in der es keine Handys, keine Rechner und keine CDs gab, in der sich keiner die zukünftige Allgegenwärtigkeit des Internet überhaupt vorstellen konnte, in der Konzepte wie 3D-Kino nur in den mutigsten Zukunftsromanen zu finden waren. Diese Zeit scheint so weit weg zu liegen, dass es beinahe unglaubwürdig vorkommt, dass noch vor weniger als 20 Jahren die Bandbreite an Medien und Technologien von heute nur eine Wunschvorstellung war. Zu dieser Zeit bin auch ich geboren – auf einem breiten Fensterbrett mit einem Buch im Schoß sitzend, ließ ich mich als kleines Kind von den virtuellen Fantasiewelten der Bücher entführen. Zu der Zeit zählten die Hauptfiguren meiner Lieblingsgeschichten zu meinen engsten Bücherfreunden.

Rückgabeautomat in historischer Fassade an der Bibliothek am Luisenbad. Foto: Hensel
Rückgabeautomat in historischer Fassade an der Bibliothek am Luisenbad. Foto: Hensel

Neulich durfte ich mich wieder entführen lassen – von einer Geschichte über Nisse, einem schwedischen Jungen, der eine neue Mütze hat. In der Bibliothek am Luisenbad war an diesem Vormittag vieles los – eine Kita-Gruppe erschien zur regelmäßigen Sprach- und Leseförderungsstunde. Interessiert und etwas aufgeregt hörten die 17 Kinder auf die Geschichte, begleitet von einem Bilderbuch-Kino zum Buch. Sarah Wildeisen, eine Mitarbeiterin der Kinderbibliotheksabteilung, erzählte über Nisses Abenteuer und stellte nebenbei Fragen an die Kinder. Sie erkennen sehr gut das, was auf dem Bildschirm zu sehen ist – alle wollen mitmachen, kommentieren, zu Wort kommen. Nach der Vorlesung geht es weiter mit Basteln – und schon in einigen Minuten sind schicke bunte Mützen zum Mitnehmen fertig.

Bücher in 40 Sprachen sind am Luisenbad heute erhältllich. Foto: Mardan
Bücher in 40 Sprachen sind am Luisenbad heute erhältllich. Foto: Mardan

Wir verabschieden uns von der Gruppe, und Sarah Wildeisen mit Kollegin führt mich weiter durch die Bibliothek. Auf den Regalen sind nicht nur Kinderbücher in 40 Sprachen – von A wie Arabisch bis V wie Vietnamesisch – zu finden, sondern auch Tischspiele, DVDs, Comics, Konsolenspiele und vieles mehr. Meine Gesprächspartnerinnen erzählen mir, dass die Bibliotheken von heute zu kleinen Entdeckungs-, Wissens- und Informationstempeln geworden sind. Moderne Medien, bezirksübergreifende Vernetzung, Illustratoren- und Autorenworkshops, Weiterbildung für ehrenamtlich und fachlich Engagierte und sogar Forschung – all dies und vieles mehr sind eine Selbstverständlichkeit in einer modernen Kinderbibliothek. Als ich mich auf den Weg nach Hause mache, scheint es mir, dass ich wieder in einem spannenden Bilderbuch zu Besuch war.

Bibliothek am Luisenbad, Travemünder Straße 2, Telefon: (030) 9 01 84 56 10, geöffnet Montag bis Freitag 10 bis 19.30 Uhr, Samstag 10 bis 14 Uhr

Text: Elizabeth Mardan (veröffentlicht im Kiezmagazin Soldiner), Fotos: Mardan, Schnell, Hensel

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