real-Hypermarkt kollabiert

GesundbrunnenCenter - Foto: Richardfabi, Wikipedia, CC BY-SA 3.0.
GesundbrunnenCenter – Foto: Richardfabi, Wikipedia, CC BY-SA 3.0.

Real hat auf das Gesundbrunnen-Center keinen Bock mehr. Als schlechter Stil dürfte unter Business-Leuten allerdings gelten, dass der größte Mieter im Einkaufszentrum dem Vermieter ECE seine Unlust über die Presse mitteilt. Am 16. September verschickte die Zentrale von Real in Mönchengladbach die wohlklingende Nachricht: „Real setzt Portfoliooptimierung weiter konsequent fort„. Gemeint war: acht Standorte in Deutschland sollen schließen. Auch in der Badstraße im Gesundbrunnen will Real zum 30. September 2016 dicht machen.

In der Pressemitteilung lobt Real zunächst seinen Standort in Essen. Wer sich im Einzelhandel nicht auskennt, muss erst einmal recherchieren, warum Real dann immer von einem „Hypermarkt“ spricht. Wikipedia verrät, dass ein Supermarkt mit mehr als 5.000 Quadratmetern so genannt wird. Im Gesundbrunnen-Center hatte Real zwei Etagen angemietet, die fast ein Drittel der jeweiligen Stockwerksfläche einnehmen. Wieder was gelernt, es handelte sich nicht um einen schlichten Supermarkt, sondern um einen Hypermarkt. Nun bricht das Konzept des Hyper, Hyper zusammen – Real macht schlapp.

Bemerkenswert ist, dass Center-Leiterin Anna Reinhardt auf Anfrage bekennt: „Wir haben ebenfalls erst gestern (16.09.) von der geplanten Schließung erfahren“. Zu vermuten ist: aus der Presse. Die Mitarbeiter bei Real wissen nun auch Bescheid. Eine Nachfrage an der Kasse führt zu einer gedrückten Antwort: „Ja, unser Chef hat gesagt, zum 30. September sind wir raus“. Hinweisschilder für die Kundschaft finden sich allerdings noch nicht.

Oder kommt es vielleicht gar nicht zur Schließung? Anna Reinhardt ist sich sicher: „Die Betreibung wird somit ganz normal weitergehen“. Ihr Trumpf ist der gültige Mietvertrag. Die Frage ist nur: Wird wirklich die Betreibung oder nur die Mietzahlung weitergehen? Auf die Frage, wie das Gesundbrunnen-Center mit dem Verlust ihres Ankermieters umgehen will, geht sie gar nicht erst ein. Ankermieter sind laut Wikipedia nicht nur einfach die großen Mieter, sondern sind große Flächennutzer, die obendrein Kunden für die anderen Geschäfte anziehen.

Friedhof und Schillerparkcenter
Im Schillerparkcenter gibt es eine weitere Real-Filiale

Die Leute auf der Straße äußern Vermutungen wie: „Nun geht es mit der Brunnenstraße noch weiter bergab. Aldi schließt. Kaisers schließt. Und nu‘ eben Real.“ So düster dürfte die Lage für die Brunnenstraße allerdings nicht aussehen, immerhin hat im frisch eröffneten Bahnhof mit „Denns“ ein Bio-Supermarkt eröffnet. Und an der Neubau an der Ecke Stralsunder Straße, in dem bislang Kaiser’s den Kiez mit einem breiteren Lebensmittelangebot als Norma und Lidl versorgte, wird es sehr wahrscheinlich auch wieder Fläche für Einzelhandel geben. Und die Leute im Brunnenviertel haben ja noch Kaufland – auch ein Hypermarkt.

Es gibt auch Leute, die glauben, nicht der bestehende Mietvertrag, sondern eben die Konkurrenz mit Kaufland wird am Ende Real dazu bewegen, in den Standort Badstraße sogar zu investieren. Wie hatte der Real-Chef aus Mönchengladbach in der Pressemitteilung gesagt? „Wir setzen unseren Repositionierungskurs konsequent fort. Dazu gehören der weitere Rollout unseres neuen Konzepts sowie die Sicherung erfolgreicher Standorte.“ Angeblich hat die Badstraße ja gar keine Verluste eingefahren, wie die Presse kolportiert. Auf Anfrage reagierte die Presseabteilung in Mönchengladbach bis jetzt nicht. Vielleicht macht der Überraschungsangriff auf das Management des Gesundbrunnen-Centers so Sinn – Real will nur die Miete drücken?

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Berliner Zeitung kennt Insider

real erklärt in einer Pressemitteilung warum auch die Badstraße schließen soll

 

Autor: Andrei Schnell

3 Kommentare
  1. […] zurück. Im August 2015 war ein Reporter des Weddingweisers vor Ort an der Info-Theke des reals im Gesundbrunnen Center. […]

  2. Laut Pressemitteilung schließen die Märkte zum 30. September _2016_

    Hinweisschilder wären da a bisserl früh.

    1. Das war missverständlich. Wir haben das ergänzt.

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