BAYER am Nordhafen: Nehme Straße, schenke Park

Nordhafen Park gesperrtDer Arzneimittelriese Bayer, der einzige Konzern mit Sitz im Wedding, hat dem Bezirk die Straße Am Nordhafen abgekauft. Dafür bezahlt das Pharmaunternehmen die Neugestaltung der Parkanlage am Schiffahrtskanal, die an Stelle des früheren Nordhafens in den 1950ern entstanden ist.

Uferweg-Benutzer müssen auf die Straße ausweichen

Seit kurzem ist die öffentliche Straße eine Privatstraße der Bayer AG. Der schmale Uferweg, der Teil des Radfernwegs Berlin-Kopenhagen ist und gern von Fußgängern und Radfahrern genutzt wird, ist bis mindestens Oktober 2015 ebenfalls gesperrt. Fußgänger und Radfahrer werden auf die Straße „Am Nordhafen“ umgeleitet, für Autofahrer bleibt die Straße gesperrt. Später wird die überflüssig gewordene Straßenfläche in die Grünanlage einbezogen. Dafür wird der Uferweg zukünftig auf vier Meter verbreitert. Die Planung des neuen Parks hat übrigens das gleiche Büro übernommen, das auch die Uferzone der zukünftigen „Europa-City“ Heidestraße gestalten wird. Die Grünflächen werden ausgelichtet und landschaftsplanerisch überarbeitet, schreibt die Berliner Woche, die den Landschaftsplaner Heck befragt hat: „Drei Landschaftstreppen“ sollen die Spaziergänger vom oberen Weg an der Bayer-Grenze zum Ufer führen. Dort sind Bänke und 40 Meter breite Sitzlinien aus Granit geplant. Die Uferterrassen aus den ersten Plänen wird es nicht geben, weil am Beckenrand eine Schiffsanlegestelle ist. Drei sogenannte Bastionen – Relikte aus der Zeit, als im Nordhafen Schiffe per Kran mit Baumaterial beladen wurde – werden zu Aussichtsplattformen umgestaltet¹.

Hintergrund:

Aussicht Park am Nordhafen.jpgDie Parkgestaltung ist Teil des Bayer-Masterplans. Der Konzern wollte sein 18 Hektar großes Gelände zwischen Nordhafen, Sellerstraße, Müllerstraße und Bahntrasse ursprünglich zu einem „Pharma Campus“ entwickeln. Dazu gehören ein 80 Meter hoher Büroturm und drei weitere Gebäude für Mitarbeiter-Restaurant und Konferenzzentrum. Wann diese Pläne umgesetzt werden, ist allerdings derzeit noch unklar.

Der klamme Bezirk Berlin-Mitte freut sich jedenfalls, eine Grünanlage abgetreten zu haben, deren Umgestaltung überfällig war und die nicht zur schicken neuen Europa-City an der Heidestraße gepasst hätte. Da traf es sich gut, dass mit der benachbarten Bayer AG ein Partner zur Verfügung steht, der das nötige Geld mitbringt und im Gegenzug einen neuen Bebauungsplan² für sein in die Jahre gekommenes Werksgelände mitten in Berlin erhalten hat.

 

¹ Quelle: Berliner Woche
² Quelle: berlin.de

13 comments

  1. anna

    Dieser Park war klein und wunderschön. Nah am Wasser mit vielen alten Bäumen und sehr ruhig. Ich wohne um die Ecke und bin oft mit dem Kinderwagen hier unterwegs. Ich habe noch nie Spritzen, Junkies oder sonstige Fantasieergüsse des dramabesessenen Redakteurs hier gesehen.
    Was für ein erbärmlicher Artikel, abgesehen von der noch erbärmlicheren Tatsache, dass viele alte Bäume und ein natürliches Biotop zerstört wurden. Typisch BAYER!
    Was hier verwirklicht wird ist ein unnötiges Projekt ohne Seele, Herz und Verstand. Eine Schande für alle Beteiligten!

  2. Thomas Behling

    Für mich war deser Park eine Oase, die zum Verweilen einlud – und das trotz der umgebenden stark befahrenen Straßen! Das war nur möglich, weil das umgebende Gebüsch den kleinen Park gut abschirmte. Der Park war sehr beliebt: wer dort einmal an einem lauen Sommerabend war, weiss das sehr gut: Leute haben Decken ausgebreitet, es wurde Musik gemacht, getanzt…. Und wie oft habe ich dort dem Gesang des „Sprossers“ gelauscht, der dem der Nachtigall so ähnelt!
    Das ist jetzt vorbei.
    Aber einem gebe ich recht: tatsächlich wird dort der Müll nicht mehr in der Natur rum liegen können. Der Müll wird dann wohl einfach ohne Natur rumliegen müssen, in einem Stück gesichtsloser Grünanlage – wie überall. Schön schick.

  3. dot

    „Die Neugestaltung der öffentlichen Grünanlage Am Nordhafen sowie erforderliche Pflege- und
    Unterhaltungsmaßnahmen bis 3 Jahre nach Fertigstellung werden durch die Bayer Pharma AG
    finanziert. Im städtebaulichen Vertrag zwischen der Bayer Pharma AG und dem Land Berlin
    wird hierfür ein Höchstwert vereinbart. Die sich daran anschließende normale Pflege der Grünanlage
    obliegt – wie bisher – dem Land Berlin. Dem Land Berlin entstehen bei Einhaltung der
    Kostenobergrenze keine zusätzlichen Ausgaben.“

    Das weckt immerhin die Hoffnung, dass es ab Oktober 2018 wieder wuchern darf.

  4. Helmut

    Wieviele Fehler i.S. Private Partnership müssen noch gemacht werden. Verlierer ist IMMER die Stadt – bestenfalls werden die Fehler der Vergangenheit durch teure investionen wieder rückgängig gemacht und der Bürger zahlt.
    Was, wenn die neue GF von Bayer beschließt, doch die Planung über den Haufen zu werfen? ist ja schließlich bei der Bebauung auch schon passiert. Dann ist die Straße weg und der Uferstreifen ebenfalls. Wer pflegt das Ufer eigentlich NACH der Umgestaltung (und warum nicht schon jetzt?)

  5. dot

    Was für ein hanebüchener Unsinn. Dass an der Stelle Müll lag, kann kaum an den Bäumen gelegen haben, die jetzt umgehauen, äh, „ausgelichtet“ wurden. Die Sperrung bis Oktober 2015 (!) wird aber natürlich helfen, weil so richtig ordentlich ist eine Grünfläche ja bekanntlich nur, wenn da niemand drauf darf. Aber schön, dass sich das Ufer dann besser einpasst. Der Charme von Berlin liegt bekanntlich in seiner Homogenität. Well done.

    • Moritz

      hier in berlin werden fehler halt erst lokal 100x wiederholt, bis daraus ne konsequenz für die ganze stadt gezogen wird…

  6. Moritz Berger

    Wieviel ist denn bei dem Deal an Puseratzen geflossen?

    Konkret: wieviel Euro/m2 kostet die Straße, wieviel Euro/m2 kostet die Uferfläche? Und was kostet so ein neuer Bebauungsplan?

  7. Susanne Haun

    Ich war gerade in der Uferregion und hoffe auf jeden Fall, dass weniger Müll in der Natur zu finden ist, wenn die Uferregion sarniert ist. Mal schauen, wie die neue Uferregion ausehen wird, ich freue mich darauf.

  8. Helmut

    Aha – eine schönsten und weitestgehend naturbelassenen Uferregionen in der Gegend passt also nicht ins Umfeld
    „… deren Umgestaltung überfällig war und die nicht zur schicken neuen Europa-City an der Heidestraße gepasst hätte …“
    Da möchte ich ja jetzt schon gar nicht mehr wissen, was noch alles auf uns zu kommt !
    🙁

      • Moritz

        ok, dann halt 1x die woche zwei reinigungskräfte durchschicken. mit den umgestaltungskosten sicher für die nächsten 30 jahre zu finanzieren.
        erinnert mich an die umgestaltung des monbijouparks. prenzelbergisierung4thewin.

Wichtige Ergänzung? Konstruktiver Kommentar? Gerne: