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Zum Würfel II: Frank Zanders Imbiss ist so Berlin

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Vor ein paar Wochen tauch­te plötz­lich ein Farb­tup­fer auf der ver­nach­läs­sig­ten Grün­an­la­ge vor der Mau­er der Juli­us-Leber-Kaser­ne auf, ein quietsch­gel­ber Con­tai­ner. Dabei han­delt es sich aber nicht nur um die ers­te Ver­än­de­rung die­ses men­schen­feind­li­chen Lebens­raums; nein, auch die Geschich­te, die hin­ter die­ser Cur­ry­wurst­bu­de steckt, hat mit Frank Zan­der zu tun. Und die­se Geschich­te ist so typisch für die­se Stadt.

Ur-Berlinisch

Im neu­en Con­tai­ner befin­det sich ein Imbiss, der „Zum Wür­fel II“ heißt. Ein­ge­rahmt vom Sta­chel­draht­zaun der Start- und Lan­de­bahn am Flug­ha­fen Tegel und der grau­en Mau­er der eben­so grau­en Juli­us-Leber-Kaser­ne rauscht pau­sen­los der Ver­kehr, doch jetzt kommt neu­es Leben in die Gegend. Auto­fah­rer sche­ren aus dem Ver­kehrs­strom aus, hal­ten an und keh­ren auf eine Cur­ry­wurst in der Bude ein.

Hin­ter dem Imbiss-Pro­jekt ste­hen Olaf Schenk und der Sän­ger Frank Zan­der. Der Ur-Ber­li­ner ist bekannt für Songs wie „Hier kommt Kurt“ oder die Her­tha-Hym­ne „Nur nach Hau­se“, dank Zan­ders rau­er Stim­me sofort erkenn­ba­re Lieder.

Frank Zan­der ist so etwas wie ein Reprä­sen­tant der klei­nen Leu­te, vor allem sein jähr­li­ches Weih­nachts­es­sen mit Obdach­lo­sen ist legen­där. Und wenn die­ser Pro­mi etwas Gas­tro­no­mi­sches eröff­net, dann ist es kein Ster­ne-Restau­rant, son­dern eben ein Imbiss. Das passt gut zu Ber­lin, wo Fern­seh­se­ri­en wie „Drei Damen vom Grill“ spie­len, das passt aber auch gut zum Wed­ding, an des­sen Gren­ze zu Rei­ni­cken­dorf der „Wür­fel II“ liegt. Zwar steht der Sän­ger nicht selbst hin­term Tre­sen, hat aber sei­ne eige­ne Cur­ry­wurst­so­ße kre­iert. In der B.Z. erklär­te er, dass ihm bis­he­ri­ge Soßen ein­fach nicht geschmeckt hät­ten.  Als Spe­zi­al­me­nü gibt’s für 5,90 Euro zwei Cur­ry­würs­te mit einer Schul­le. Oder statt Bier „für die Damen“ ein Glas Pic­co­lo-Sekt, mit einem Frank-Zan­der-Foto als Eti­kett – das Gan­ze für 7,90 Euro.

Schmeckt’s?

Die Cur­ry­wurst ohne Darm mit fei­nem Brät hat einen unauf­dring­li­chen Geschmack; mit Darm ist es eine herz­haf­te fes­te­re Cur­ry­wurst mit lecke­rer Soße mit Ore­ga­no-Note, die sehr fruch­tig, süß mit leich­ter Schär­fe und sehr cre­mi­ger Kon­sis­tenz ist. Kein Wun­der: Es sind Apfel­mus und Honig drin.

Das alles ist stim­mig, das Team ist schnell und freund­lich und der Imbiss kommt ohne Gla­mour-Fak­tor aus. Der “Wür­fel II” wirkt wie ein Ufo, das zufäl­lig genau an der Stra­ßen­kan­te neben einem Baum an die­sem Nicht-Ort gelan­det ist. Doch er steht auch für das alte West­ber­lin, das zu ver­schwin­den droht, das man allen­falls in Rei­ni­cken­dorf ver­mu­tet (die Pres­se ver­or­te­te den Imbiss auch falsch in die­sem Bezirk). Tat­säch­lich befin­det sich “Zum Wür­fel I” auch am Nord­gra­ben in Rei­ni­cken­dorf. Kurz: Frank Zan­ders gel­ber Imbiss­wür­fel, man kann es ganz ein­fach sagen, ist 100 Pro­zent Ber­lin. Und ein Para­dies für Currywurst-Freunde.

Imbiss Zum Wür­fel II, Kurt-Schu­ma­cher ‑Damm 123, rund um die Uhr geöff­net, vie­le Park­plät­ze vor­han­den, Face­book­sei­te

Video von der Eröff­nung mit Frank Zander

 

Joachim Faust

hat 2011 den Blog gegründet. Heute leitet er das Projekt Weddingweiser. Mag die Ortsteile Wedding und Gesundbrunnen gleichermaßen.

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