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Raus aus dem Wedding:
Wunderbar wanderbar! Auf Schusters Rappen durchs Eiszeitland

Neuer Fernwanderweg durch den Naturpark Barnim und das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin

Foto: Frank Günther

Coro­na lockt die Men­schen scha­ren­wei­se ins Grü­ne. Gera­de das Wan­dern erlebt durch die Pan­de­mie einen Boom. Immer mehr Ber­li­ner schnü­ren ihr fes­tes Schuh­werk und machen sich auf nach Brandenburg.

Die Pan­de­mie setzt Erho­lungs­su­chen­den und Rei­se­lus­ti­gen Gren­zen. Aber war­um in die Fer­ne schwei­fen, wenn das Gute, sprich die Schorf­hei­de, so nah liegt? Wie wäre es, an einem ver­län­ger­ten Wochen­en­de oder in den Som­mer­fe­ri­en ein­mal 135 Kilo­me­ter rund um die Schorf­hei­de zu wan­dern? Wem die Stre­cke zu hap­pig erscheint – kei­ne Ban­ge, etap­pen­wei­se gelangt man ans Ziel.

Wan­dern hat Kon­junk­tur und gemein­sam haben die Stadt Ebers­wal­de, das Amt Biesen­thal-Bar­nim, die Gemein­de Schorf­hei­de, das Amt Britz-Cho­rin-Oder­berg und das Amt Joa­chims­thal seit eini­gen Jah­ren dar­an gear­bei­tet, einen Rund­wan­der­weg für (Mehrtages)touristen im Bar­nim ein­zu­rich­ten. Die Wan­der­weg­kon­zep­ti­on ist von der Aube Tou­ris­mus­be­ra­tung GmbH erar­bei­tet worden.

Aube-Geschäfts­füh­rer ist Rolf Spitt­ler. Der deutsch­land­weit renom­mier­te Umwelt‑, Wald- und Wan­derex­per­te hat­te zwei Punk­te im Blick: Die geplan­te Rou­te kön­ne laut Spitt­ler vom Deut­schen Wan­der­ver­band nicht als soge­nann­ter „Qua­li­täts­wan­der­weg“ zer­ti­fi­ziert wer­den. Eini­ge Weg­stre­cken führ­ten über Asphalt und his­to­ri­sches Kopf­stein­pflas­ter. Es sei ein höhe­rer Anteil auf Natur­we­gen zwin­gend vor­ge­schrie­ben. Gleich­zei­tig über­zeug­ten ihn jedoch die Poten­zia­le des Weges. Schließ­lich wur­de ein Kon­zept ent­wi­ckelt, wel­ches im Rah­men des Lea­der-Pro­gramms der Euro­päi­schen Uni­on geför­dert wurde.

Neuentdeckung der Langsamkeit

Die Pro­jekt­part­ner haben sich als Kenn­zei­chen für den blau­en Baum ent­schie­den: Der Baum – für den Wald, der die Land­schaft prägt und das Blau – die Far­be für über­re­gio­na­le Wanderwege.

Der Rund­weg zeich­net sich ins­be­son­de­re dadurch aus, dass er durch unter­schied­li­che, aber den­noch zusam­men­hän­gen­de Natur­räu­me führt. Los geht’s in der Wald­stadt Ebers­wal­de. Ange­reist wer­den kann mit der Bahn.

Vom Bahn­hof aus führt die ers­te Etap­pe über den Ort Biesen­thal durch den Natur­park Bar­nim. Hier kön­nen Groß­städ­ter ent­schleu­ni­gen, wenn die Wan­de­rer den Natur­park Bar­nim betre­ten und sich auf die Neu­ent­de­ckung der Lang­sam­keit des genüss­lich vor sich hin­plät­schern­den Non­nen­fließ‘ einlassen.

Rund um die Natur­park­stadt Biesen­thal möch­te man dann am liebs­ten bar­fuß durch den Eis­zeit­sand mit „Kari­bik­f­lair“ schlen­dern. Dann geht es wei­ter in Rich­tung Eich­horst durch die kilo­me­ter­lan­gen lau­schi­gen Natur­pfa­de ent­lang des Wer­bell­inka­nals im Bio­sphä­ren­re­ser­vat Schorfheide-Chorin.

Abstecher in die Eiszeit

Apro­pos Genuss: Die Etap­pen sind mit Stre­cken­län­gen zwi­schen 15 und 27 Kilo­me­tern so geschnit­ten, dass für Hof­lä­den, regio­na­le Küche und jede Men­ge Kul­tur ent­lang der Stre­cke genü­gend Zeit bleibt. Und wer mag, kann die Etap­pen auch ein­zeln erlau­fen. Am Anfang und Ende jeder Etap­pe gibt es Anschluss an öffent­li­che Verkehrsmittel.

Zurück zu Weg­stre­cke: Auf der Bio­ra­ma-Aus­sichts­platt­form in Joa­chims­thal kön­nen Inter­es­sier­te in einem 360-Grad-Pan­ora­ma die von der letz­ten Eis­zeit gepräg­te Land­schaft überblicken.

Mam­mut im Geo­park Foto: S. Orsenne

Im Geo­park­zen­trum in Groß Zie­then gibt es einen Abste­cher in die Eis­zeit. Mit Model­len und inter­ak­ti­ver Tech­nik bie­tet die Aus­stel­lung „erfah­rung eis­zeit“ die Mög­lich­keit, vie­les über die Eis­zeit und den Kampf ums Über­le­ben zu erfah­ren. Ein rie­si­ges Mam­mut samt Mam­mut­ba­by, ein Säbel­zahn­ti­ger sowie ein nach­ge­bil­de­ter Glet­scher­tun­nel sor­gen nicht nur bei klei­nen Besu­chern für Begeisterung.

Kurz hin­ter Joa­chims­thal streift der Wan­de­rer dann das UNESCO-Welt­na­tur­er­be Buchen­wald Grum­sin, bevor er High­lights wie das Öko­dorf Bro­do­win, das Klos­ter Cho­rin sowie die bei­den Schiffs­he­be­wer­ke Nie­der­fi­now bei Oder­berg ent­deckt, bevor der Weg, teils am Finow­ka­nal, zurück nach Ebers­wal­de führt.

Mehr Infos

Text: Anja Jönsson

Die­ser Text erschien zuerst im neu­en RAZ Maga­zin. Denn ab sofort gibt es für Nord­ber­lin und Umge­bung – auch für den Wed­ding – ein neu­es Medi­um: Der RAZ Ver­lag bringt das RAZ MAGAZIN an den Start.

Gastautor

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