Wiesenburg “vorsichtig zuversichtlich”

Dirk Feistel
Dirk Feis­tel unter­schreibt die Koope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­rung im Namen des Wie­sen­burg e.V. Foto: And­rei Schnell

06.07.2020 Es ist ein wei­te­rer Schritt auf dem Weg zur künf­ti­gen Wie­sen­burg. Am 17. Juni haben alle Betei­lig­ten fei­er­lich eine Koope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­rung unter­schrie­ben. Dirk Feis­tel vom Vor­stand des Wie­sen­burg e.V. ist an die­sem Tag “vor­sich­tig zuver­sicht­lich”. Es könn­te nun klap­pen, dass die Wie­sen­burg zu einem Modell wird “für urba­ne, selbst­be­stimm­te Räu­me in unse­rer Stadt”. Nun soll bis zum Herbst über kon­kre­te Details zur Zukunft des ehe­ma­li­gen Obdach­lo­sen­asyls ver­han­delt werden.

Senatorin Katrin Lompscher
Sena­to­rin Kat­rin Lomp­scher zeigt den Koope­ra­ti­ons­ver­trag. Im Hin­ter­grund Susan­ne Walz von der LIST GmbH. Foto: And­rei Schnell

Zur Zere­mo­nie kam die Sena­to­rin für Stadt­ent­wick­lung Kat­rin Lomp­scher. Für sie kann die Wie­sen­burg ein “Vor­bild für gemein­wohl­ori­en­tier­ter Stadt­ent­wick­lung” sein. So sei­en neue Woh­nun­gen nötig. Damit spielt sie auf den im Roh­bau fer­ti­gen Neu­bau für mehr als 100 Woh­nun­gen im Hin­ter­hof der Wie­sen­burg an. Aber auch der Erhalt der “Oase Wie­sen­burg” sei wich­tig. Bei­de Zie­le müss­ten zusam­men­ge­bracht werden.

Die unter­zeich­ne­te Ver­ein­ba­rung regelt nun Ver­fah­ren, Zeit­plan und Regeln der Zusam­men­ar­beit. Der Ver­trag ist wich­tig, weil sich die Betei­lig­ten von Senat und Bezirk über Eigen­tü­me­rin Dege­wo bis Quar­tiers­ma­nage­ment und nicht zuletzt dem Ver­ein Wie­sen­burg zwar grund­sätz­lich einig sind. Die his­to­ri­schen Gebäu­de sol­len als Kul­tur­stand­ort ent­wi­ckelt wer­den. Doch im Detail gibt es hin­ter den Kulis­sen unter­schied­li­che Mei­nun­gen. Die Unter­schrif­ten haben offen­bar soweit das Ver­trau­en geschaf­fen, dass der „ers­te Pro­jekt­bau­stein“ begin­nen kann. Das ist die „Erar­bei­tung eines Nut­zungs­kon­zep­tes“, wie der Senat mit­teilt. Dis­ku­tiert wird nun über „Nut­zun­gen in Gebäu­den und Frei­raum“, über „Nut­zungs­sze­na­ri­en“ und das eigent­li­che „Nut­zungs­kon­zept“.

Workshop Wiesenburg
Unter­schied­li­che Zie­le der Betei­lig­ten sol­len unter einen Hut gebracht wer­den. Foto: And­rei Schnell

Die Künst­ler und Mie­ter haben zu letz­te­rem kon­kre­te Vor­schlä­ge. „Der Ver­ein hat ein eige­nes Nut­zungs­kon­zept ‚Gewer­be- und Krea­tiv­kon­zept‘ ein­ge­reicht“, sagt Vor­stand Dirk Feis­tel. Der Ver­ein habe sich „bereits mit ver­schie­de­nen Inter­es­sen­ten aus dem Kultur‑, Kreativ‑, Sozi­al­be­reich aus­ein­an­der­ge­setzt und Zusam­men­ar­beit ver­ein­bart.“ Zen­tra­les Anlie­gen der Wiesnbur­ger: „Wir for­dern die­sen Ort mit sei­nem beson­de­ren Zau­ber in sei­ner fast ursprüng­li­chen Erschei­nung zu erhalten.“

Ein wei­te­rer Betei­lig­ter ist das Quar­tiers­ma­nam­gent Pankstra­ße. Für des­sen Team­lei­te­rin Sükran Altunk­aynak ist es wich­tig, dass die Wie­sen­burg „auch ein Ort der Bil­dung bleibt“. Als Bei­spiel nennt sie das grü­ne Klas­sen­zim­mer. Die­ses sol­le als „ein natur­na­her außer­schu­li­scher Bil­dungs­ort aus­ge­baut wer­den“. So steht es in einem Kon­zept (IHEK) des Quartiersmanagements.

Neubau Wiesenburg
Der Neu­bau hin­ter der alten Wie­sen­burg. Foto: And­rei Schnell

Wei­te­re Betei­lig­te sind der Senat und der Bezirk. Ephraim Gothe, Stadt­rat für Stadt­ent­wick­lung in Mit­te, weist dar­auf­hin, dass im Neu­bau im Erd­ge­schoss “Ate­lier­woh­nun­gen gebaut wer­den. “Das war Bedin­gung für ein zusätz­li­ches Geschoss.” Denn: “Die Idee ist, dass sich auch im Neu­bau hand­werk­li­che, viel­leicht kunst­af­fi­ne Miet­par­tei­en ansie­deln.” Aus sei­ner Sicht ist das ein wich­ti­ger Bau­stein, damit sich der freie Platz zwi­schen den his­to­ri­schen Gebäu­den und dem Neu­bau zu einem “kom­mu­ni­ka­ti­ven Ort” entwickelt.

Eigen­tü­mer der Anla­ge, und damit eben­falls Teil­neh­mer der Ver­hand­lun­gen, ist die lan­des­ei­ge­ne Woh­nungs­baus­ge­sell­schaft Dege­wo. Für Vor­stän­din San­dra Wehr­mann ist obers­tes Ziel, die Wie­sen­burg zu einem Ort für “über­re­gio­na­le Begeg­nung” zu entwickeln.

Beteiligte Wiesenburg
Die Unter­zeich­ner von links: Susan­ne Walz (LIST GmbH), San­dra Wehr­mann (Dege­wo), Sükran Altunk­aynak (LIST GmbH), Kat­rin Lomp­scher (Die Lin­ke), Dirk Feis­tel (Wie­sen­burg), im Vor­der­grund mit Cap­puc­ci­no Stadt­rat Ephraim Gothe. Foto: And­rei Schnell

Grund für die Unter­zeich­nung des Koope­ra­ti­ons­ver­tra­ges ist, dass die Wie­sen­burg es geschafft hat, „Natio­na­les Pro­jekt des Städ­te­baus“ zu wer­den. Damit ste­hen in Sum­me 12,5 Mil­lio­nen Euro zur denk­mal­ge­rech­ten Sanie­rung bereit.

Die Wie­sen­burg nimmt eine Flä­che von 6.887 Qua­drat­me­tern ein. Ab 1983 stand die Anla­ge befris­tet unter Denk­mal­schutz, seit dem 7. Mai 1995 dau­er­haft. 2014 wur­de das Gelän­de nach einem Rechts­streit an die Dege­wo über­ge­ben. Die drin­gend not­wen­di­ge Sanie­rung der lang­sam ver­fal­len­den Häu­ser soll bis 2023 erfol­gen. Herz­stück der künf­ti­gen Nut­zung soll die vor­ma­li­ge Sam­mel­hal­le werden.

 

 

Autorenfoto Andrei SchnellAnd­rei Schnell hofft das Bes­te für die Wiesenburg.


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