//

Clarissa Meier: Big Mama im Soldiner Kiez

Clarissa Meier steht vor dem Schriftzug Hotel Big Mama
Cla­ris­sa Mei­er vor ihrem Hotel Big Mama in der Kolo­nie­stra­ße. Foto: And­rei Schnell

Cla­ris­sa Mei­er ist Unter­neh­me­rin und setzt sich gleich­zei­tig für ihren Kiez in der Kolo­nie­stra­ße ein. Sie sieht dar­in kei­nen Gegen­satz. Denn ihr Lebens­mot­to lau­tet: „Wer Ver­ant­wor­tung über­neh­men kann, der muss es auch.“ Ver­ant­wor­tung zu tra­gen bedeu­tet für Cla­ris­sa Mei­er, einer­seits im Sol­di­ner Kiez das „Senio­ren­do­mi­zil an der Pan­ke“, das Hotel „Big Mama“ und das Café „La Tor­tu­ga“ wirt­schaft­lich auf Erfolgs­kurs zu hal­ten. Und ande­rer­seits bedeu­tet die­ser Lebens­spruch für sie, dass sie auch ein klein wenig Ver­ant­wor­tung für ihr Umfeld über­nimmt. Ihre Bedin­gung: Wenn kon­kre­te, mess­ba­re Erfol­ge zu erwar­ten sind, dann hilft sie. „Ich bin Lebens­prak­ti­ke­rin“, sagt sie erklärend.

Etwas zurückgeben

Clarissa Meier
Cla­ris­sa Mei­er vor dem Senio­ren­do­mi­zil. Foto: And­rei Schnell

Cla­ris­sa Mei­er hat in ihrem Leben Höhen und Tie­fen erlebt. „Ich habe ver­ant­wor­tungs­vol­le Men­schen in mei­nem Leben getrof­fen“, sagt sie über die Zei­ten, in denen sie es schwer hat­te. Sie hat damals die von die­sen Men­schen gebo­te­nen Chan­cen genutzt. Nun ist sie in der Posi­ti­on, ande­ren Men­schen Chan­cen zu geben. Und das tut sie. So ist es noch nicht lan­ge her, da waren in Ber­lin Aus­bil­dungs­plät­ze für Jugend­li­che knapp. Cla­ris­sa Mei­er bil­de­te zu die­ser Zeit Jugend­li­che aus dem Sol­di­ner Kiez aus, „weil damals bestimm­te Adres­sen sofort dazu führ­ten, bei Bewer­bun­gen aus­sor­tiert zu wer­den“. Sie bil­de­te aus in der Pfle­ge, in der Küche, in der Ver­wal­tung. Sie unter­stütz­te die Grup­pe der Senio­ren-Cheer­lea­der. Sie hat sich ver­pflich­tet, zehn Jah­re lang die öffent­li­che Beleuch­tung eines dunk­len Weges von der Kolo­nie­stra­ße zur Pan­ke zu bezah­len. Ein im Wort­sinn sicht­ba­rer Bei­trag, den sie damit leistet.

Die 49-jäh­ri­ge nimmt sich Zeit, um sich im Kiez ehren­amt­lich zu enga­gie­ren. So ist sie seit fast 20 Jah­ren im Quar­tiers­rat Sol­di­ner Kiez aktiv. Wenn bei die­ser ehren­amt­li­chen Arbeit über Pro­jek­te dis­ku­tiert wird, denkt sie prak­tisch: „Es muss auch etwas her­aus­kom­men“, sagt sie. Etwas Kon­kre­tes, etwas Mess­ba­res. So theo­rie­ge­la­den ein Pro­jekt­an­trag auch sein mag, für sie bleibt ent­schei­dend, dass prak­ti­sche Ergeb­nis­se zu erwar­ten sind. Eine Klet­ter­wand, ein sanier­ter Spiel­platz, ein Kiez­fest. Das sei­en hand­fes­te Ver­bes­se­run­gen für den Kiez.

Das Thema Müll

Mülleimer
Dan­ke sagen gehört zum freund­li­chen Ton von Cla­ris­sa Mei­er – Foto: And­rei Schnell

Auch beim Müll auf der Stra­ße, ein The­ma das sie stark beschäf­tigt, geht Cla­ris­sa Mei­er lebens­prak­tisch vor. Sie weiß, dass es nichts bringt, wenn sich alle auf­re­gen, wenn ein Kind wie­der ein­mal eine lee­re Süßig­kei­ten­tü­te fal­len lässt. „Da gehe ich hin und rede freund­lich mit dem Kind“, sagt sie. Alles ande­re hel­fe doch nichts und brin­ge nichts, ist sie überzeugt.

Noch ein Bei­spiel, wie sie die Sache mit dem Müll prak­tisch angeht: Dass so vie­le Ber­li­ner ein schlech­tes Bild vom Sol­di­ner Kiez haben, dar­an kön­ne sie wenig ändern. „Aber es muss nicht sein, dass Besu­cher von außen in der Kolo­nie­stra­ße zuerst Müll sehen!“ Ihre Lösung ist: ein­fach han­deln. So ruft sie bei der BSR an. Immer wie­der. Sie spricht auch mal die oran­ge­nen Jungs an, wenn die­se durch die Stra­ße brau­sen, ohne den Geh­weg wirk­lich geputzt zu haben.

Dass Cla­ris­sa Mei­er lebens­prak­tisch ist, zeigt recht gut eine Anek­do­te. Als sie das Hotel auf­mach­te, stand die Fra­ge nach einem Namen an. „Ich wuss­te, dass mei­ne Mit­ar­bei­ter sich gegen­sei­tig warn­ten, wenn ich auf den Hof fuhr: Ach­tung, Big Mama kommt.“ So ein­fach war der Name vor fünf Jah­ren gefun­den. Ohne viel Grübelei.

Text und Fotos:  And­rei Schnell

 

 

Andrei Schnell

Man hat mir versichert, es gäbe keine Vorschrift zu gendern und ich sei in dieser Frage frei, nicht wahr? Mein Hintergrund ist ostdeutsch, das beruht auf Erlebnissen. Politik sehe ich mir an wie den Sport. Wenn ich ein Buch lese, möchte ich es gleich besprechen. Ich mag Geschichten und Geschichte. Mister Gum möchte ich noch erwähnen.

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.