Wie lange dauert es noch mit der „Dauerkolonie Togo“?

Die Dauerkolonie Togo wurde "wild" umbenannt

Sie wirken befremdlich, aus der Zeit geraten und führen immer wieder zu Nachfragen: die weißen Tafeln mit der Aufschrift „Dauerkolonie Togo e.V.“. Für die afrikanische Community Berlins sowie einige Initiativen ist der Text sogar eine unhaltbare Provokation. Mit einem offenen Brief fordert der Verein Berlin Postkolonial e.V. daher nun Bezirksbürgermeister Dr. Christian Hanke auf, die Schilder entfernen zu lassen. „Wie die Kleingartenkolonie Kamerun in Berlin-Wedding e.V. trägt der 1939 benannte Kleingartenverein Togo e.V. die koloniale bzw. imperiale Ideologie des Afrikanischen Viertels seit seiner Gründung im Namen. Noch explizierter als bei den charakteristischen Straßennamen im Kiez ging es bei diesen Benennungen um die Reinszenierung von gewaltsamen Inbesitznahmen bzw. um die aktive Propagierung von Rückeroberungen einstiger deutscher Kolonien, die – analog zum Kolonisieren von Gartenland – als Beitrag zur ‚Kultivierung‘ einer angeblich unbewohnten ‚Wildnis‘ gepriesen wurden“, so der Verein Berlin Postkolonial.

Die Tage der Schilder sind gezählt

Dabei verweisen die Schilder nicht einmal auf den aktuellen Namen des Kleingartenvereins. Dieser hatte sich zwar am 16.4.1961 den Namen „Dauerkolonie Togo e.V.“ zugelegt, diesen jedoch in den 1980er Jahren in „Kleingartenverein Togo e.V.“ geändert. Die Afrikanische Community findet es daher verstörend, dass die Doppeldeutigkeit des Begriffs „Kolonie“ – Kleingartenanlage oder Fremdherrschaft über afrikanische Gebiete – auf den Schildern noch immer ihren Ausdruck findet. Doch zeichnet sich ab, dass die Schilder bald im Museum landen werden. Nach einem Stadtrundgang Anfang Juni 2014 sicherten SPD-Politiker aller Ebenen (Bund, Land und Bezirk) zu, eine baldige Entfernung der vier Tafeln aus eigener Tasche finanzieren zu wollen.

Erneut wird in dem offenen Brief eine Umbenennung des Nachtigalplatzes, der Petersallee und der Lüderitzstraße nach afrikanischen Persönlichkeiten gefordert: „Ohne diese Maßnahmen wird der „Lern- und Erinnerungsort Afrikanisches Viertel“, in dem die kriminellen Begründer der deutschen Kolonien in Afrika bis heute geehrt werden, ein kolonialer Gedenkort bleiben“, fürchtet der Verein, der regelmäßig Führungen durch das Afrikanische Viertel organisiert. Doch neue Straßennamen gegen den Willen der Anwohner durchzusetzen, nur um auch den kolonialen Widerstand zu würdigen – davor schrecken Lokalpolitiker zu Recht zurück. Dabei könnte eine relativ kostengünstige Maßnahme sehr schnell sehr viel bewirken: es würde sicher schon viel ändern, wenn Zusatzschilder die Widmung der bisherigen Straßennamen erläutern und eine historische Einordnung der Namensgebung erlauben.

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2 Kommentare
  1. […] und Plätzen. Nur um ein – immer noch – aktuelles Beispiel herauszugreifen, sei der Streit um die kolonialen Namen im Wedding (Afrikanisches Viertel) […]

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