Wie geht es dem City Kino Wedding in der Krise?

Kinobetreiberin Anne Lakeberg im leeren City Kino Wedding.
Allein im Kino: Betreiberin Anne Lakeberg im leeren City Kino Wedding. Foto: Hensel

Im City Kino Wedding sollte gerade das Arabische Filmfest laufen. Nach der Berlinale wäre das der nächste Höhepunkt im Programmkino in der Müllerstraße 74 gewesen. Im Winter und im Frühling, also jetzt, verdient das Kino sein Geld für den Sommer, in dem alle verreisen oder lieber ins Freilichtkino gehen und das Kino im Centre Francais deshalb Sommerpause macht. Eigentlich. Das Coronavirus hat einen Strich durch die Pläne von Kinobetreiberin Anne Lakeberg gemacht. Wie geht es nun weiter, jetzt und später und wie kann der Wedding seinem Programmkino über die Krise helfen?

Allein im Kino

„Ich habe manchmal richtig Sehnsucht“, sagt Anne Lakeberg, die wie alle nun Zuhause auf das Ende der Krise wartet. Regelmäßig radelt sie zum leeren Kinosaal, schaut nach dem Rechten. „Ich mach‘ dann mal den Projektor an und schaue, ob nichts kaputtgegangen ist“, sagt sie. Doch so richtig viel kann sie im Moment nicht tun. Auf Facebook postet sie die Höhepunkte der letzten Jahre, überlegt, welche Veranstaltungen sie machen möchte, sobald es wieder losgeht. Ansonsten gibt es wirklich wenig zu tun: das Kino-Homeoffice aufräumen, die Steuererklärung machen, Anträge auf Unterstützung stellen…

Während andere Kultureinrichtungen sich aufs Internet verlegen, haben die Programmkinos nicht diese Chance auf Kompensation. „Filme streamen aus dem Kino, das wurde mir schon von Stammgästen vorgeschlagen, aber das geht halt einfach nicht“, sagt sie. Überhaupt trifft die aktuelle Krise mit seinem Social Distancing die Programmkinos mitten ins Herz: „Wir haben ja versucht, die kleinen Kinos gerade auch als soziale Treffpunkte zu etablieren. Was wir nun haben, ist für die Kinos deshalb wirklich schlimm.“

Hilfe vom Medienbord

Kleine Lichtblicke gibt es fürs City Kino Wedding aber auch in dieser Zeit der zwangsweisen Schließung. Anne Lakeberg als Selbständige konnte einen Zuschuss vom Senat beantragen, das Kino bekommt darüber hinaus vom Medienboard Berlin-Brandenburg eine Unterstützung. Alle Kinos, die sich in diesem Jahr für den Kinoprogrammpreis beworben hatten, erhalten jetzt eine Art Vorschuss auf das Preisgeld. Das kommt 69 Kinos zugute, auch dem City Kino Wedding. Doch auch das reicht nicht ewig. „Ich möchte meine Miete fürs Kino weiterzahlen solange es geht, um das Centre Francais zu unterstützen. Auch die haben es jetzt nicht leicht“, sagt Anne Lakeberg.

Hilfe von Gutschein-Käufern

Kinobesucher, die dem City Kino Wedding helfen möchten, können online über den Anbieter Kinoheld jetzt Kinogutscheine kaufen, die sie später einlösen. Auch sehr am Herzen liegt Anne Lakeberg aber die gemeinsame Startnext-Kampagne der Berliner Programmkinos. Unter dem Kampagnennamen „Fortsetzung:Folgt“ kann noch bis zum 24. Juni für eine bunte Kinolandschaft in Berlin gespendet werden (www.startnext.com/fortsetzungfolgt).

Hilfskampagne für Programmkinos

„Es geht hier um die Vielfalt der Berliner Programmkinos. Ich finde die Kampagne wirklich schön. Ich fänd‘ es schlimm, wenn jetzt ein Kino deswegen schließen müsste“, sagt Anne Lakeberg. Wer bei Startnext spendet, unterstützt alle 36 Programmkinos, die bei der Kampagne mitmachen. „Das Geld, das gesammelt wird, wird auf jeden Fall ausgezahlt und nach Leinwand aufgeteilt“, erklärt Anne Lakeberg. Bis gestern (11.4.) hatten schon über 1600 Unterstützer insgesamt 72.000 Euro gespendet. Wenn 730.000 Euro zusammenkommen sollten, so der Plan, dann erhält jede Leinwand 10.000 Euro.

„Ich glaube, die Leute kommen wieder“, sagt Anne Lakeberg zuversichtlich. Doch wann das sein wird, weiß sie natürlich nicht. Im Moment ist vieles einfach nur unsicher. „Schwer zu sagen, wie gefährdet wir und andere Programmkinos sind, weil man nicht sagen kann, wie lange das alles dauert“, sagt sie. Jetzt muss das Kino in der nördlichen Müllerstraße erst Mal die Krise überstehen. Vielleicht wird es in diesem Jahr auch gar keine Sommerpause geben im City Kino Wedding. Wie es nach dem Ende der Corona-Beschränkungen weitergeht, ist offen.

Video: Stop Motion Trailer von Regisseur Erik Schmitt, Grafikdesignerin Priscille Schmitt & Sound Designer Paul Rischer zur Berliner Programmkino Kampagne


1 Kommentar
  1. Wir denken an euch und kommen sicher wieder. Ich habe schon eine Reihe an „Events“ im Kopf, die ich nach Öffnung von „allem“ wieder besuchen möchte, dazu gehört das City Kino und das Prime Time Theater. Und Kaffee trinke ich mit einem riesigen Stück Torte in der kleinen Mensa!

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