Wie gefährlich ist der neue Zeppi?

Kinderspielplatz Zeppelinplatz mit Liegewiese
Kinderspielplatz Zeppelinplatz mit Liegewiese
Sind Hunde wirklich ein Problem auf dem neuen Zeppelinplatz? Folgt man Leserbriefschreiber Stephan Colin, dann ja. Doch ist das tatsächlich so? »Wir hatten bisher noch überhaupt keine Schwierigkeiten mit Hunden«, stellt eine Erzieherin einer Kita aus der Antwerpener Straße fest, die wir auf dem Spielplatz ansprachen. Sie ist mit den Kitakindern häufig vormittags oder am frühen Nachmittag vor Ort, kann also nicht sagen, ob sich am späteren Nachmittag Hundehalter vielleicht über die neuen Regeln hinwegsetzen. Allerdings hört man aus der Stadtteilvertretung mensch.müller, dass dem nicht so sei – zur Überraschung der meisten, die im Wedding nicht damit gerechnet hatten, dass verordnete Regeln so umgehend befolgt werden würden.

Vielleicht sind es aber auch nicht in erster Linie die Verbotsschilder, die die Hundehalter vom Zeppi fernhalten. Es sind eher die vielen Kinder, die den Spielplatz und die ohne Zaun direkt angrenzende Liegewiese beleben: Mit etwas gesundem Menschenverstand kann man sich nämlich gut vorstellen, dass es zu Konflikten kommt, wenn man mit seinem Hund dort hindurch spaziert!

Mehr Probleme dagegen haben die Kitagruppen mit der niedrigen Steinmauer um den Buddelplatz herum: »Die hat schon zu etlichen Schürfwunden geführt.« Die Gefahrenpunkte sind jedoch weniger die scharfen Kanten der dort vermauerten, teilweise herausragenden Backsteine, die aus Erwachsenenperspektive gefährlich wirken. Wenn Kinder auf sie fallen, tun sie sich meist aber nichts, weil deren Fallhöhe und -wucht deutlich geringer ist als die von Erwachsenen. Das Problem ist vielmehr die unregelmäßige Höhe der Mauer. Viele Kinder springen beim Toben auf sie oder über sie hinweg und bleiben dabei an herausragenden Steinen hängen. Die Schürfwunden holen sie sich dann auf der gegenüberliegenden Seite am Boden.

Tunnel auf dem Zeppi Spielplatz
Tunnel auf dem Zeppi Spielplatz
Das »Mäuerchen« auf dem Zeppi entspricht eben nicht der Konvention eines glatten Mäuerchens, auf dem auch Kleinkinder mühelos herum balancieren können. Andererseits können Kinder hier wertvolle Erfahrungen sammeln, indem sie lernen, Gefahren eigenständig abzuschätzen, wozu sie in einer ganz auf Sicherheit fixierten Umgebung kaum in der Lage wären. Geringe Gefahrenmomente auf Spielplätzen sind in Deutschland deshalb auch zulässig.

US-amerikanische Kollegen auf Besuch in Berlin sind jedenfalls oft begeistert von der Vielfalt und der guten Bespielbarkeit der hiesigen Spielplätze, berichtet Birgit Teichmann, die Landschaftsarchitektin des Zeppi. Denn in den USA drohen den Planern empfindliche Schmerzensgelder, wenn sich Kinder auf öffentlichen Spielplätzen verletzen. Entsprechend langweilig sehen die dann auch aus.

 

Text: Christof Schaffelder
Bilder: Tobias Weber

Der Artikel ist zuerst in der “ecke Müllerstraße, Nr.5 – Aug/Sep 2016”, der kostenfreien Zeitung für das ‘Aktive Zentrum’ und Sanierungsgebiet Müllerstraße erschienen. Vielen Dank für die freundliche Unterstützung.


5 Kommentare
  1. @robo
    wie wäre es damit:
    http://www.gratispinkeln.de/

  2. Berlin hat grundsätzlich zu wenige öffentliche Toiletten….. aber wir haben ja noch die Cafe Achtecks ……äh die Männer.

  3. Hört sich blöd an aber: Sich zu verletzen ist pädagogisch wertvoll.
    Kannste jeden fragen, der mit Entwicklung und Psychologie von Kindern zu tun hat.
    Insofern ist der Zepf durch und durch gelungen.

    1. Hatten nicht die beteiligten Bürger eine Toilette für die Kitakinder gefordert ??

      Soviel zu durch und durch gelungen 🙂

      1. eine toilette brauchen anscheinend erwachsene viel dringender, sieht man doch tgl erwachsene in den büschen ihr geschäft verrichten – großes geschäft.

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