Wie eine Weddingerin Krebspatienten Mut macht

2

Das Lachen der ande­rencropped-header ist wich­tig, wenn es einem selbst gera­de elend geht. Das ist etwas, was Judy die ver­gan­ge­nen Jah­re gelernt hat. Im Herbst 2013, fan­den Ärz­te in der Brust der heu­te 28-Jäh­ri­gen ein Sar­kom, eine sel­te­ne Tumor­art. Heu­te, mehr als zwei Jah­re spä­ter, schreibt die Wed­din­ge­rin in ihrem Blog Krebs­tier­chen über die Krank­heit – und dar­über, wie sie wie­der gesund wur­de. Denn das habe ihr wäh­rend der Krank­heit selbst beson­ders gehol­fen:  Die Geschich­ten von ande­ren Pati­en­ten, denen es schon wie­der etwas bes­ser geht. “Es war zum Bei­spiel gut, im Kran­ken­haus Leu­te zu sehen, die zur Nach­sor­ge kamen, wie­der Haa­re hat­ten, lau­fen konn­te, ohne zu jap­sen”, erzählt die Frau mit den kur­zen blon­den Haaren.

Heu­te tele­fo­niert Judy selbst manch­mal mit Krebs­pa­ti­en­ten: “Ich mer­ke, dass es ihnen hilft, am ande­ren Ende ein­fach mal ein Lachen zu hören.” Sie habe Spaß dar­an, das was sie erlebt habe, wei­ter­zu­ge­ben, sagt sie. Die Idee zu ihrem Blog hat­te sie rela­tiv früh – ein­fach des­we­gen, weil sie ihre Krank­heit gegoo­gelt hat, und dar­über im Inter­net nur wenig fand. “Mein Freund hat gesagt: Dann muss Du eben die Ers­te sein, die dar­über schreibt!” Also mach­te sie sich Tag für Tag Noti­zen. Nach Ende der Behand­lung setz­te sie das Blog auf und berich­tet seit­dem rück­bli­ckend über die Krank­heit, von der Dia­gno­se bis zur Therapie.

„Wir müs­sen Ihnen schnellst­mög­lich die gan­ze Brust abneh­men”: Mit die­sen Wor­ten begann Judys Leben als Krebs­pa­ti­en­tin. “Die Fahrt nach Hau­se kommt mir wie eine Ewig­keit vor. Da sit­ze ich, in der Bahn, von den ande­ren kaum wahr­ge­nom­men. Jeder ist – wie immer – mit sich selbst beschäf­tigt. Ich beob­ach­te die Men­schen um mich her­um mit gesenk­tem Blick. Ich bin über­rascht, wie sie so ein­fach mit ihrem All­tag fort­fah­ren kön­nen”, schreibt sie in einem der ers­ten Ein­trä­ge. “Ich kom­me mir vor, als ob ich ein Schild mit der Auf­schrift ‘Krebs­pa­ti­ent’ um den Hals tra­gen wür­de und ich des­halb ein wenig Ruhe und Betrof­fen­heit ihrer­seits erwar­ten dürf­te. Aber sie wis­sen ja von nichts. Auf sie wir­ke ich wie eine ‘Nor­ma­le’.”

Der Umgang mit der Krank­heit fällt vie­len Freun­den schwer

Judy schreibt auch dar­über, wie schwie­rig den Bekann­ten, Freun­den und der Fami­lie der Umgang mit ihrer Dia­gno­se fällt. Zwar ohne Namen zu nen­nen, aber doch sehr offen. “Die Reak­tio­nen waren sehr unter­schied­lich: man­che haben es ange­spro­chen, man­che ein­fach so getan, als wäre nichts und man­che haben mich sogar gemie­den”, erzählt sie heu­te. Klar, nicht jeder kann mit so einer Krank­heit umge­hen. “Ich hat­te aller­dings Glück, dass mein Freund von Anfang an hin­ter mir stand und auch mein Arbeit­ge­ber ver­ständ­nis­voll war.” Vie­le Pati­en­tin­nen, die sie ken­nen­ge­lernt habe, hät­ten Pro­ble­me in ihrer Bezie­hung bekom­men, sei­en sogar von ihren Part­nern ver­las­sen wor­den. Ande­re hät­ten ihre Jobs verloren.

Dazu kom­men die Schmer­zen der Behand­lung, die Ver­än­de­rung des Äuße­ren, die vie­len Pati­en­tin­nen beson­ders zu schaf­fen mache. “Eini­ge haben sogar auf der Sta­ti­on im Kran­ken­haus ihre Perü­cken auf­ge­setzt”, sagt Judy. Ihr selbst habe es auch gehol­fen, sich zu schmin­ken – auch wenn sie auf eine Perü­cke ver­zich­te­te. “Für mich war der Haar­aus­fall nicht das Schlimms­te an der Krank­heit, für vie­le ande­ren aber schon. Ich ticke da wohl ein wenig anders”, sagt sie. Auch das ist eine Bot­schaft ihres Blogs: Jede Pati­en­tin, jeder Pati­ent, muss ihren oder sei­nen eige­nen Weg fin­den. Judy berich­tet davon, wie sie die Ampu­ta­ti­on ihrer Brust emp­fand und auch von einer wich­ti­gen Ent­schei­dung, die sie zu tref­fen hat­te: Soll sie sich Eizel­len ein­frie­ren las­sen, für den Fall, dass die Che­mo­the­ra­pie sie angreift?

Raus aus dem Hamsterrad!

Auch nach der Krank­heit hat sich für sie eini­ges ver­än­dert. “Ich hat­te immer einen Fahr­plan für mein Leben”, erzählt Judy, “Abitur, Stu­di­um, Kar­rie­re, eine Fami­lie grün­den – so unge­fähr.” Bis zur Dia­gno­se lief es auch wie geplant Judy stu­dier­te Tier­me­di­zin, hat­te eine fes­te Bezie­hung. Doch dann durch­kreuz­te die Dia­gno­se ihre Plä­ne. Die 28-Jäh­ri­ge will das nicht nur nega­tiv sehen. “Ich neh­me das Leben heu­te ganz anders wahr. Manch­mal sehe ich mir die Men­schen in mei­ner Umge­bung an, wie sie sich im Job auf­op­fern, durch ihr Leben het­zen und den­ke: Ihr merkt gar nicht, was hier pas­siert. Ihr müsst drin­gend mal raus aus dem Hamsterrad.”

Für sie sei die Zeit nach der Krank­heit auch ein Neu­start gewe­sen. Sie enga­giert sich heu­te in meh­re­ren Ver­ei­nen, die Krebs­pa­ti­en­tin­nen und ‑Pati­en­ten unter­stüt­zen. Bis vor kur­zem pen­del­te sie noch zwi­schen Ber­lin, wo ihr Freund wohn­te, und Göt­tin­gen, wo sie arbei­te­te. Inzwi­schen ist sie ganz zu ihrem Freund in den Wed­ding gezo­gen. Die bei­den suchen inzwi­schen eine neue, grö­ße­re Woh­nung. Ins Hams­ter­rad, das weiß Judy, will sie jeden­falls nicht zurück. Denn das Leben ist dafür viel zu kurz.

Blog: www.krebstierchen.de, Foto: Wheels of Stil, www.wheelsofstil.de

2 Comments

  1. Freue mich mit Dir Judy und wenn es Dir bald immer bes­ser geht – ver­giss nicht, dass Du Dir vor­ge­nom­men hast JETZT zu leben! Auch wenn die ande­ren dann lang­sam mei­nen, “naja, jetzt ist mal gut, komm mal wie­der run­ter..” sagt Dir eine Krebskollegin.

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.