Eine Rarität: Sekt aus dem Humboldthain

Horst Riewendt bei der Weinlese. Er hat den Weinberg im Humbolthain als Revierleiter anlegen lassen. Foto: Hensel
Horst Rie­wendt bei der Wein­le­se. Er hat den Wein­berg im Hum­bol­thain als Revier­lei­ter anle­gen las­sen. Foto: Hensel

Seit 1987 gibt es im Hum­boldt­hain einen Wein­berg. Er liegt etwas ver­steckt auf Flä­chen des Grün­flä­chen­am­tes an der Wie­sen­stra­ße. Aus den Trau­ben wird der Hum­boldt­hai­ner Haupt­stadt­sekt gewon­nen. Am Mitt­woch (4.10.2017) fin­det die dies­jäh­ri­ge Wein­le­se statt. Es wer­de­net­wa 200 Kilo­gramm Trau­ben geern­tet. Dar­aus kön­nen etwa 100 Fla­schen Haupt­stadt­sekt gewon­nen wer­den. Ver­sek­tet wer­den sie seit jeher in Ach­kar­ren im Kaiserstuhl.

Auf dem klei­nen Wein­berg in der Wie­sen­stra­ße 1c pfle­gen die Mit­ar­bei­ter des Grün­flä­chen­am­tes 185 Reb­stö­cke, an denen bis zur Wein­le­se im September/Oktober die Trau­ben der Sor­ten Grau­er Bur­gun­der und Mül­ler Thur­gau wach­sen. Das Wein­pro­jekt und sei­ne inter­es­san­te Geschich­te sind selbst vie­len Anwoh­nern des Volks­parks unbe­kannt. Denn der unver­käuf­li­che Sekt, der im Wein­kel­ler des Bezir­kes Mit­te für beson­de­re Anläs­se lagert, hat einen wei­ten Weg hin­ter sich.

Wal­de­mar Ise­le arbei­tet in der wärms­ten Ecke Deutsch­lands, in Ach­kar­ren im Kai­ser­stuhl in Baden-Wür­tem­berg. Er ist 800 Kilo­me­ter vom Hum­boldt­hain ent­fernt. Doch mit den Trau­ben aus dem Wed­ding sind Ise­le und sei­ne Win­zer eng ver­bun­den. Die Win­zer­ge­mein­schaft Ach­kar­ren hat die Reb­stö­cke im Hum­boldt­hain gepflanzt und unter­stützt das Pro­jekt bis heu­te. Sie holt die gele­se­nen Trau­ben in Ber­lin ab, ver­ar­bei­tet sie zu Wein, den sie dann ver­sek­tet, lagert und nach etwa einem Jahr als fein­per­li­gen, tro­cke­nen Sekt in die Haupt­stadt lie­fert. Alles kos­ten­los. “Der Hum­boldt­hai­ner Haupt­stadt­sekt liegt uns sehr am Her­zen. Wenn man ein sol­ches Pro­jekt in die Wege lei­tet, dann hängt man auch dar­an”, erklärt der Geschäfts­füh­rer. Für die Win­zer­ge­mein­schaft bedeu­tet der beson­de­re Sekt gute Kon­tak­te nach Ber­lin und natür­lich auch Werbung.

Weinlese in der Wiesenstraße. Foto: Hensel
Wein­le­se in der Wie­sen­stra­ße. Foto: Hensel

Bernd Her­zig, Win­zer der Win­zer­ge­mein­schaft, kann sich noch genau an den Tag erin­nern, an dem die ers­ten Pflan­zen im Hum­boldt­hain gesetzt wur­den: “Am 15. Mai 1987 haben wir 99 Reb­stö­cke gepflanzt. Bei Schnee­ge­stö­ber”. 1990 wur­den dann die ers­ten Früch­te gele­sen. Den Kon­takt zwi­schen den Win­zern im Kai­ser­stuhl und dem Grün­flä­chen­amt im Wed­ding hat­te der Bezirks­ver­ord­ne­te Edwin Feld­ner her­ge­stellt. “Er war hier bei uns im Kai­ser­stuhl im Urlaub, hat­te die Idee und hat das Pro­jekt ange­sto­ßen”, erzählt Herzig.

Unter Feder­füh­rung des dama­li­gen Revier­lei­ters Horst Rie­wendt begann die Zusam­men­ar­beit. Wenn sich die Win­zer vom ande­ren Ende Deutsch­lands jetzt auf den Weg machen, um die Trau­ben für den soge­nann­ten Aus­bau abzu­ho­len, wer­den sie den neu­en “Hum­boldt­hai­ner Haupt­stadt­sekt” im Gepäck haben und das 27. Jahr einer unge­wöhn­li­chen Zusam­men­ar­beit wird voll­endet sein.

Eine Flasche "Humboldthainer Hauptstadtsekt". Er ist begehrt, aber unverkäufllich. Foto: Hensel
Eine Fla­sche “Hum­boldt­hai­ner Haupt­stadt­sekt”. Er ist begehrt, aber unver­käuf­llich. Foto: Hensel

Der Hum­boldt­hai­ner Haupt­stadt­sekt ist jedoch nicht für den Otto Nor­mal­ver­brau­cher. Die Fla­schen mit dem Haupt­stadt­sekts sind näm­lich unver­käuf­lich. Sie lagern im Wein­kel­ler der Bezirks Mit­te. Der Bezirks­bür­ger­meis­ter ver­schenkt den beson­de­ren Sekt aus dem Hum­boldt­hain bei offi­zi­el­len Anläs­sen – zu Dienst­ju­bi­lä­en, Ver­ab­schie­dun­gen, für Aus­zeich­nun­gen ver­dien­ter Bür­ger des Bezirks Mit­te und als Gast­ge­schenk für Besu­che im Rah­men der Städtepartnerschaften.

Text und Fotos: Domi­ni­que Hensel

Dominique Hensel lebt und schreibt im Wedding. Sonntags gibt sie hier den Newsüberblick für den Stadtteil, fotografiert dort für unseren Instagram-Kanal (Freitag) und hat hier und da einen aktuellen Text für uns - gern zum Thema Stadtgärten, Kultur, Nachbarschaft und Soziales. Hyperlokal hat sie es auf jeden Fall am liebsten und beim Weddingweiser ist sie fast schon immer.

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