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“Brombeerkind”:
Weddingroman für Buchliebhaber

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Lieb­ha­ber ist so ein schö­nes alt­mo­di­sches, mehr­deu­ti­ges Wort, dass nicht mit „mein Freund‟ in die heu­ti­ge Zeit über­setzt wer­den kann. Für Wal­traud Schwabs ers­ten Roman „Brom­beer­kind‟ müss­te das Publi­kum Lieb­ha­ber­prei­se zah­len. Aber das Leben da drau­ßen funk­tio­niert nach eige­nen Regeln. Eigen – schon wie­der so ein Wort, das nicht für die Whats­App-Kom­mu­ni­ka­ti­on taugt, in der alles Dop­pel­bö­di­ge getilgt wer­den muss. Wegen der dro­hen­den Miss­ver­ständ­nis­se. „Brom­beer­kind‟ führt eine Kunst vor, die man unter­ge­gan­gen glaub­te. Die Kunst der Wortwahl.

Die Jour­na­lis­tin sucht Wor­te, ver­traut auf die Kraft, die die Wör­ter von allein mit­brin­gen. Da gibt es kei­nen Pau­ken­schlag und kei­nen Pop. Es ist ein stil­les Buch, eine stil­le Geschich­te, die behut­sam Fahrt auf­nimmt. Der Leser muss sich ein­las­sen. Auf das Buch und auf die …., die Haupt­per­son. Kön­nen wir das heu­te über­haupt noch? Uns auf Leu­te ein­las­sen, die lei­se sind? Die sich nicht mit dem paus­bä­cki­gen Insta­gram wohlfühlen?

Maria F ist eine Außen­sei­te­rin. Viel­leicht eine Ver­rück­te. Immer­hin stellt sie sich Men­schen vor, die nicht vor­han­den sind. Spricht mit ihnen. Schleicht sich in das Leben von einer Teen­age­rin ein. Zum Glück nur in Gedan­ken. Oder ist gera­de das so anders­ar­tig, unar­tig, abartig?

Die Geschich­te spielt im Wed­ding. Togo­stra­ße, Park­deck des alten real-Super­mark­tes, Mül­ler­stra­ße. Die Orte sind genau bezeich­net. Gleich­zei­tig spielt die Geschich­te nur im Kopf von xxx.

Wal­traud Schwab: Brom­beer­kind. 192 Sei­ten. ISBN 978–3‑89741–450‑1. Erschie­nen im Ulri­ke Hel­mer Ver­lag. Das Buch kos­tet 16 Euro.

Andrei Schnell

Meine Feinde besitzen ein Stück der Wahrheit, das mir fehlt.

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