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Wedding braucht beides: Safe Hub und Himmelbeet!

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Ein Motiv aus dem Himmelbeet, das derzeit bei der Freiluftausstellung in der Müllerstraße gezeigt wird. Foto: Hensel
Lie­ber Frei­raum … Ein Motiv aus dem Him­mel­beet, das der­zeit bei der Frei­luft­aus­stel­lung in der Mül­ler­stra­ße gezeigt wird. Foto: Hensel

Mei­nung Es klingt zu schön, um wahr zu sein. Im Wed­ding ent­steht mit dem Safe Hub ein beson­de­res Pro­jekt, das es so bis jetzt nur in Süd­afri­ka gibt. Der Bezirk ver­pach­tet ein Grund­stück für 30 Jah­re, der Trä­ger Aman­dla betreibt gemein­nüt­zig ein Bil­dungs­zen­trum für benach­tei­lig­te Kin­der mit drei Fuß­ball­plät­zen, auf denen auch Schu­len und Ver­ei­ne trai­nie­ren kön­nen. Der Haken: Dum­mer­wei­se ist das betrof­fe­ne Grund­stück die Flä­che des Gar­ten­pro­jekts Him­mel­beet. Gut, dass jetzt der Bezirks­bür­ger­meis­ter bei der Suche nach einem Ersatz­stand­ort hel­fen will. 

Das Händlerfrühstück der StandortGemeinschaft Müllerstraße im Himmelbeet. Foto: Susanne Haun
Immer viel lost im Him­mel­beet. Hier tra­fen sich Händ­ler aus der Mül­ler­stra­ße zum Früh­stück der Stand­ort­Ge­mein­schaft Mül­ler­stra­ße. Foto: Susan­ne Haun

Nicht nur durch den Gar­ten mit Hun­der­ten Pacht­bee­ten, auch durch sei­ne nach­bar­schaft­li­chen Pro­jek­te mit brei­ter Wir­kung in die umlie­gen­den Kieze hin­ein hat sich das Him­mel­beet einen her­vor­ra­gen­den Ruf erar­bei­tet. Zwar darf es bis zum Ende der Gar­ten­sai­son 2019 noch blei­ben, doch hat sich die Suche nach einer Ersatz­flä­che als schwie­rig erwie­sen. Die Him­mel­beet­ler haben noch nichts gefunden.

Die bezirk­li­chen Fachäm­ter waren kei­ne Hil­fe: Das Stra­ßen- und Grün­flä­chen­amt fühlt sich nur für klas­si­sche Grün­an­la­gen zustän­dig. Das Schul- und Sport­amt sieht sich eben­falls nicht in der Pflicht, da der Gemein­schafts­gar­ten weder eine Schu­le noch eine Sport­flä­che ist. Bei­de Ämter sind jedoch sehr wohl für die weni­gen frei­en öffent­li­chen Flä­chen im Wed­ding ver­ant­wort­lich. Nun zie­hen die Him­mel­beet-Betrei­ber sogar pri­va­te Flä­chen in Betracht.

Auf der Suche nach einer Ersatzfläche

Ämter­frust bei den Him­mel­beet-Betrei­bern, Kri­tik am Ver­hal­ten des Bezirks nun auch aus dem Bezirks­par­la­ment – jetzt hat sich der Bezirks­bür­ger­meis­ter Ste­phan von Das­sel ein­ge­schal­tet und über­nimmt die Suche nach einem Aus­weich­quar­tier selbst. Das scheint mir ein kla­res Bekennt­nis zu sein, dass zwei gute sozia­le Pro­jek­te nicht gegen­ein­an­der aus­ge­spielt wer­den sol­len. Außer­dem steht es einem Poli­ti­ker der Grü­nen auch gut zu Gesicht, die­se Gar­ten-Oase im dicht bebau­ten Wed­ding zu erhal­ten. Denk­bar wäre die Flä­che der ehe­ma­li­gen Pas­sier­schein­stel­le gegen­über an der Schul‑, Ecke Max­stra­ße, mel­det die Ber­li­ner Woche. So beant­wor­tet Umwelt­staats­se­kre­tär Ste­fan Tidow eine Anfra­ge des Lin­ke-Abge­ord­ne­ten Tobi­as Schulze.

Erfindungsreich bei der Suche sein

Lange Nacht der Wissenschaften 2018 in der Beuth Hochschule für Technik. Foto: Hensel
Toma­ten in einem Gewächs­haus der Beuth-Hoch­schu­le. Auch im Him­mel­beet wach­sen Toma­ten. Passt da viel­leicht was zusam­men? Foto: Hensel

Doch auch wei­te­re Flä­chen wären über­le­gens­wert. Könn­te die Beuth-Hoch­schu­le mit ihrem Gar­ten­bau-Stu­di­en­gang hel­fen? Die Schu­le soll ja irgend­wann sowie­so teil­wei­se auf den Flug­ha­fen Tegel zie­hen und dar­über hin­aus wür­de das auch eine deut­li­che Öff­nung der Hoch­schu­le bedeu­ten. Oder viel­leicht wäre doch ein Dach eine Lösung, zum Bei­spiel das von Kar­stadt. Auch arbei­te­te das Him­mel­beet in der Ver­gan­gen­heit bereits sehr gut mit dem städ­ti­schen Woh­nungs­bau­un­ter­neh­men Dege­wo zusam­men. Ein mög­li­cher Part­ner? Bezirks­bür­ger­meis­ter Ste­phan von Das­sel kann nun bewei­sen, wie erfin­dungs­reich er ist und wie viel ihm an die­sem wich­ti­gen Wed­din­ger Pro­jekt liegt.


Joa­chim Faust gärt­nert lie­ber als dass er Fuß­ball spielt. Trotz­dem fin­det er: Für bei­de Pro­jek­te soll­te es im Wed­ding mit etwas gutem Wil­len einen Platz geben.

Joachim Faust

hat 2011 den Blog gegründet. Heute leitet er das Projekt Weddingweiser. Mag die Ortsteile Wedding und Gesundbrunnen gleichermaßen.

3 Comments

  1. Wenn ich auch selbst sehr ger­ne ins Him­mel­beet gehe zu Ver­an­stal­tun­gen und auch mal so auf einen Kaf­fe und sel­ber mit Fuss­ball nicht viel anfan­gen kann und lie­ber gärt­ne­re, bin ich froh dass der Bezirk so ent­schie­den hat. Nie­der­schwel­li­ge Pro­jek­te für Kin­der und Jugend­li­che gera­de aus migran­ti­schen Fami­li­en wer­den hier wirk­lich drin­gend gebraucht. Das Him­mel­beet ist nett und macht gute Sachen, kan z.B Iso­la­ti­on ent­ge­gen­wir­ken, aber sei­en wir ehr­lich, ange­spro­chen wird vor allem ein links­grü­nes rela­tiv, pri­vi­le­gier­tes Bil­dungs­bür­ger­mil­lieu. Ich füh­le mich da sehr wohl, aber ich glau­be vie­len ist gar nicht klar wie ver­schlos­sen die­ses Mil­lieu für ande­re ist. Für die “Isch bin auch Wed­ding”- Frak­ti­on z.B gibt es dort kei­ne Anknüp­fungs­punk­te, die trau­en sich da nicht hin, weil dort klar wird, dass sie viel­leicht nicht so gut lesen kön­nen etc.“ungebildet spre­chen”. Wer schon mal mit migran­ti­schen Jugend­li­chen gear­bei­tet hat, weiß wie schüch­tern die plötz­lich wer­den kön­nen, wenns nur drum geht mit denen z.B in einen Eis­la­den zu gehen, der Bio ist. Die wis­sen genau, dass das eine kom­plett ande­re Welt ist. Mehr Bewusst­sein dafür wür­de ich mir wün­schen in einer Gegend wie hier. 

    Wenn es ande­re Flä­chen gibt für das Him­mel­beet wür­de ich mich sehr freu­en und ich bin auch der Mei­nung, dass es dafür Mög­lich­kei­ten geben soll­te, aber ich fin­de nicht, dass es beson­de­ren Vor­rang hat.

    • Haben wir im Wed­ding wirk­lich ein Space-Hub nötig?
      So wie sie bis­her nur in der drit­ten Welt existieren ?
      Nicht umsonst hat der Bezirk Neu­kölln abge­wun­ken als die Oli­ver-Kahn-Stif­tung dort anklopfte.
      Das es hier zu Stress mit den Anwoh­nern kom­men wird ist genau­so vor­her­seh­bar, wie die Kla­gen die gegen die­ses Pro­jekt wegen eines feh­len­den Lärm­schut­zes, feh­len­der Park­plät­ze u.ä. kom­men werden.
      Ein sol­ches Pro­jekt ist an die­sem Platz eine wahr­lich unklu­ge Idee.

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