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Gewässersanierung im Wedding:
Volkspark Rehberge: Was hinter dem Wasser auf dem Tanzring steckt

12. November 2025

Nanu – was ist denn da los? Unser Leser Jakob staunte nicht schlecht, als er beim Spaziergang durch die Rehberge den Tanzring plötzlich als kleine Wasserfläche vorfand. Wo sonst auf einer sonnigen Lichtung Spaziergänger Rast machen, glitzerte nun ein provisorischer See. Aus einem Schlauch, der vom Entenpfuhl herführt, läuft Wasser mitten auf die Fläche.

Leserfoto von Jakob

Was wie ein technischer Defekt oder gar ein Rohrbruch aussieht, hat tatsächlich System: „Es handelt sich um eine im Rahmen der Planung und Ausschreibung festgelegte Maßnahme“, teilt das Bezirksamt Mitte auf Nachfrage mit. Über den Schlauch wird Wasser aus der Entschlammung der beiden kleinen Gewässer Entenpfuhl und Sperlingsee herübergepumpt.

3D-Geländemodell des Entenpfuhls und des Sperlingsees

Warum das Ganze?
Das Entwässerungswasser aus der Reinigung der Teiche wird temporär im Tanzring zwischengespeichert. Ziel ist es, den Phosphatgehalt im Wasser zu reduzieren und damit das Algenwachstum langfristig zu begrenzen. Denn im Sediment, also dem Bodenschlamm, lagert sich Phosphat in deutlich höheren Konzentrationen an als im offenen Wasser. Wird der Schlamm entfernt, sinkt das Risiko, dass sich diese Stoffe später wieder lösen – ein wichtiger Schritt zur ökologischen Erholung der Teiche.

Reinigung für Frösche, Molche und mehr
Seit Mitte Februar 2025 lässt das Umwelt- und Naturschutzamt Mitte die beiden Gewässer im nördlichen Teil des Volksparks entschlammen. Ziel ist es, ihren ökologischen Zustand zu verbessern und sie fit für die kommenden, trockeneren Jahre zu machen. Jahrzehntelange Nährstoffeinträge durch Laub, Bodenerosion und sinkende Grundwasserstände haben vor allem dem Entenpfuhl stark zugesetzt. Die Schlammschicht war zuletzt stellenweise über einen Meter dick, Frösche und Molche fanden kaum noch Lebensraum.

Gearbeitet wird mit dem sogenannten Saugspülverfahren: Der Bodenschlamm wird abgesaugt, mechanisch entwässert und anschließend abtransportiert. Das gereinigte Wasser versickert wieder im Park – in diesem Fall über den Tanzring. Zum Schutz der Amphibien wurden entlang der Uferbereiche spezielle Schutzzäune errichtet.

Blick in die Geschichte
Der Tanzring selbst gehört zu den älteren Anlagen im Volkspark. 1929 angelegt, sollte er – ganz im Sinne der damaligen Reformbewegung – Raum für „gymnastische Übungen und Volkstänze“ bieten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die kleine Tribüne mit ihren 410 Sitzplätzen wieder aufgebaut und 1979 noch einmal vereinfacht erneuert.

Wie geht es weiter?
Bis Ende 2025 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Begonnen wurde mit dem Entenpfuhl, in der zweiten Jahreshälfte folgt der Sperlingsee. Die westliche Wegeführung rund um die Gewässer bleibt währenddessen weitgehend passierbar, sodass Spaziergänge durch die Rehberge weiterhin möglich sind.

Die beiden Teiche liegen am nordöstlichen Rand des Volksparks, unterhalb des Leutnantsbergs, und wurden erst um 1930 nachträglich angelegt. Ihr ökologischer Zustand hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verschlechtert – nun sollen die Maßnahmen helfen, diesen grünen Teil des Weddings als Lebensraum und Naherholungsgebiet langfristig zu sichern.

Joachim Faust

Joachim Faust

hat 2011 den Blog gegründet. Heute leitet er das Projekt Weddingweiser. Mag die Ortsteile Wedding und Gesundbrunnen gleichermaßen.

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