Wegweiser RadZuge­park­te Rad­fahr­strei­fen auf der Mül­ler­stra­ße, holp­ri­ge Rad­we­ge wie auf der Luxem­bur­ger Stra­ße und kon­flikt­träch­ti­ge Kreu­zungs­si­tua­tio­nen mit dem Auto­ver­kehr wie an der See­stra­ße: um die selbst­er­nann­te “Fahr­rad­stadt Ber­lin” steht es nicht gut, auch nicht im Wed­ding.  Mit einem Volks­ent­scheid, für den im Früh­jahr 2016 Unter­schrif­ten gesam­melt wer­den, sol­len der Ver­kehrs­po­li­tik nun Bei­ne gemacht werden…

Die Akti­vis­ten für den Volks­ent­scheid setz­ten in ers­ter Linie bei der Sicher­heit an. Denn sie sind davon über­zeugt, dass Angst vie­le Men­schen davon abhält, aufs Rad zu stei­gen : „Wir for­dern siche­res und kom­for­ta­bles Rad­fah­ren jetzt, damit Ber­lin sich dreht“, schrei­ben die Initia­to­ren der Kam­pa­gne. Sie schla­gen in einem Zehn-Punk­te-Plan 200 Kilo­me­ter neue Fahr­rad­stra­ßen, Rad­spu­ren an allen Haupt­stra­ßen, mehr Sicher­heit an Kreu­zun­gen, Rad­schnell­we­ge, Grü­ne Wel­len, aber auch effek­ti­ve Kon­trol­len durch die Fahr­rad­staf­fel der Poli­zei vor.

Radstreifen zwischen Ungarn- und SeestraßeMitt­ler­wei­le hat sich auch in der Senats­ver­wal­tung für Stadt­ent­wick­lung ein Bewusst­sein für die rasant stei­gen­de Bedeu­tung des Rad­ver­kehrs für die Stadt her­aus­ge­bil­det, denn die Zah­len spre­chen eine deut­li­che Spra­che: Der Anteil der Autos am gesam­ten Ver­kehr in der Stadt sei auf unter 30 Pro­zent gesun­ken, sag­te Sena­tor Andre­as Gei­sel im Mai. In der Innen­stadt wer­den stel­len­wei­se mehr als 25 Pro­zent der Wege mit dem Rad zurück­ge­legt. Viel wird daher von offi­zi­el­ler Sei­te ange­kün­digt, doch tat­säch­lich pas­siert ist wenig. Seit Jah­ren wächst die Zahl der Rad­ver­kehrs­an­la­gen (2012: 662 km bau­li­che Rad­we­ge und 174 km Rad­fahr­strei­fen auf der Fahr­bahn) nur zöger­lich, stark mit Rad- und Auto­ver­kehr belas­te­te Stre­cken ver­har­ren oft in völ­li­ger Sta­gna­ti­on. Neben dem Sanie­rungs­stau bestehen­der Anla­gen und dem nicht in Angriff genom­me­nen Umbau wei­te­rer Stre­cken wer­den auch blo­ckier­te Rad­spu­ren nicht frei­ge­hal­ten: Vom 24. März bis 31. Juli 2014 wur­den im Rah­men einer ADFC-Kam­pa­gne¹ fast 6.000 Blo­cka­den auf 138 von 259 gelis­te­ten Rad­strei­fen von Ber­li­ner Bür­gern gemeldet.

Der ADFC ver­hält sich zöger­li­ch², auch wenn vie­le der For­de­run­gen der Volks­ent­scheid-Initia­ti­ve mit den Ver­bands­zie­len über­ein­stim­men dürf­ten. Den­noch: wenn die erfor­der­li­chen 20.000 Unter­schrif­ten gesam­melt sind und es – wie geplant – zum Volks­ent­scheid am Tag der Bun­des­tags­wahl kom­men soll­te, dürf­te neue Dyna­mik in die ste­cken­ge­blie­be­ne Ver­kehrs­po­li­tik Ber­lins kommen.

Web­site der Initiative

Rad­kar­te Wedding

Rad ab? Kein Pro­blem im Wedding

¹ http://adfc-berlin.de/aktiv-werden/bei-aktionen/208-bilanz-der-kampagne-radspuren-frei.html

² http://adfc-berlin.de/radverkehr/infrastruktur-und-politik/308-volksentscheid-statement-v2.html

Joachim Faust

hat 2011 den Blog gegründet. Heute leitet er das Projekt Weddingweiser. Mag die Ortsteile Wedding und Gesundbrunnen gleichermaßen.

1 Comment

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.