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Eigentümer will keine Kulturetage im ehemaligen Karstadt:
„Urbane Kulturlandschaft“ bereits gescheitert?

18. November 2025
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Die „urbane Kulturlandschaft“, die der Bezirk Mitte gerne im ersten Obergeschoss des ehemaligen Karstadt-Warenhauses am Leopoldplatz einrichten will, scheint offenbar schon gescheitert zu sein. Jedenfalls berichtete das die Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger dem Runden Tisch Leopoldplatz am 17. September. Danach lehnt der Eigentümer der Immobilie, die Versicherungskammer Bayern mit Sitz in München, die Kulturlandschaft ab und bietet nur noch an, auf dem kleinen Hof des Kaufhausgebäudes einen Baucontainer aufzustellen, in dem kulturelle Aktivitäten stattfinden könnten. Das ist für den Bezirk natürlich keine Alternative.

Eine vom Büro der Bezirksbürgermeisterin herausgegebene Broschüre informiert unterdessen über die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie, die im Sommer fertiggestellt wurde. Danach würde es rund 1,6 Millionen Euro kosten, die Kulturetage einzurichten. Etwa 650.000 Euro wären für Investitionen in den Gebäudebestand erforderlich und 950.000 Euro für Investitionen in das Kulturprojekt. Zusätzlich würde das Projekt aber auch jährliche laufende Kosten von knapp über einer Million Euro verursachen, nämlich 300.000 Euro an Betriebskosten und etwa 750.000 Euro an Personal- und Sachkosten. Es bleibt indes offen, wie diese Mittel aufgebracht werden könnten und wie hoch der Anteil wäre, den der Eigentümer tragen müsste. Dem Vernehmen nach sind die Verhandlungen auch an diesem Punkt gescheitert.

Leere Kaufhausetage im Karstadt; Foto: KabFotos030

Inhaltlich informiert die Broschüre nur knapp. Entstehen solle „ein niedrigschwelliges, öffentlich zugängliches Angebot, welches täglich geöffnet und weitestgehend kostenfrei ist. Bis zu acht feste Mitarbeitende und bis zu zwanzig weitere Projekthelferinnen begleiten parallel stattfindende Angebote wie zum Beispiel Filmvorführungen, Konzerte, Vorträge, Stand-up, Ausstellungen, Workshops, Tanz-, Yoga- und Fitnesskurse. Für spontane Besuche gibt es ein Café, ein Social-Media-Studio, Chillout-Bereiche, einen Kinderspielplatz und eine kleine Rollschuhbahn. Bei Einzelveranstaltungen können bis zu 200 Personen zusätzlich zu den bereits anwesenden Besucherinnen in der Kulturlandschaft verweilen.“

Foto: KabFotos030

Unklar bleibt dabei, wer in der Lage sein soll, so ein Projekt umzusetzen. Es fehlen Namen und Gesichter oder zumindest Verweise auf Beispiele im In- und Ausland, wo unter ähnlichen Bedingungen kulturelle Stadtteilzentren entstanden sind (z. B. Kulturkaufhaus Fulda, Bildungshaus Lübeck, JUPETER Hamburg). So kann man sich kaum ein Bild davon machen, was man sich unter einer urbanen Kulturlandschaft eigentlich vorstellen soll.

Die Bezirksbürgermeisterin skizziert sie in ihrem Grußwort als einen „Raum für neue Ideen, nachhaltige Stadtentwicklung und ein Leuchtturmprojekt mit berlinweiter Ausstrahlung“. Ziel sei es, „einen Ort zu kreieren, der Räume neu denkt, der Menschen verbindet und Kulturen hervorbringt.“

Konkreter wird sie leider nicht. Man erfährt aber noch, dass das Projekt ganz am Anfang steht und noch starke Partner benötigt, nämlich „Unternehmen, InvestorInnen, Stiftungen und AkteurInnen aus Politik und Zivilgesellschaft“. Vielleicht finden sich die ja noch. Die oberen Geschosse des Warenhauses werden vermutlich noch für längere Zeit ungenutzt bleiben.

Autor: Christof Schaffelder

Dieser Artikel wurde zuerst in der Zeitschrift Ecke Müllerstraße veröffentlicht.

Nur das Erdgeschoss wird derzeit von Lidl genutzt
Gastautor

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5 Comments Schreibe einen Kommentar

  1. Die Achse Berlin-München scheint stark belastet von Klischees und Vorurteilen. Der Globus namens München dreht sich um die eigene Achse und setzt mit Mia san Mia eigene Maßstäbe. Auch kosmopolitisch und welltalllich oder universal besehen ist da wenig gnädige Relativierung für Lebenswelten nördlich des Weißwurstäquators zu erhoffen.
    Aber wäre es nicht doch angemessen, bei einer Standorterweiterung etwas mehr Ortskenntnis und Lokalpatriotismus der sozial aufgestellten Berlinerinnen und Berliner gelten zu lassen? Der Leopoldplatz ist ein idealer Ort zwischen mehr als vier Kiezen, die sich stark entwickelten., wenngleich nicht hinsichtlich derjenigen Luxuskonsume, die man als bayerische Adabei zeigen sollte. Hier zählt`s anders!

  2. Für mich hört sich diese Kulturdings-Idee ziemlich traumtänzerisch an. Die Immobilie wurde nunmal verhökert, das passiert – gerade in Berlin – oft. Land oder Bezirk haben nicht zugeschlagen oder konnten nicht (kein Geld, kein Angebot bekommen, noch keine Nutzungsabsicht…). Man sollte dem Eigentümer, der nunmal Rendite will, eine Marktsichtung vorlegen, die zeigt, was alles geht in diesem heutigen Immobilienmarkt, und was nicht. Und, nicht zu vergessen, was mit dieser Immobilie möglich ist und was das kostet. Dazu noch die Interessen des Bezirks und die Daumenschrauben, die er anlegen kann. Und das kann dann die Grundlage für ein Konzept mit öffentlichem und privatwirtschaftlichem Nutzungsmix sein. Aber bitte etwas konkretes. Eines, das vielleicht nicht der Wunschtraum des Eigentümers ist, aber auch kein totaler Schuss in den Ofen – finanziell und von der Machbarkeit her. Klar gibt es viel Bedarf nach öffentlichen Flächen mit sozialer und kultureller Funktion, für Bildung etc. Aber bitte keine Wunschträume. Das obere Stockwerk gibt gut Gastronomie und Veranstaltungsnutzung her.

  3. Habe Dassel & Co. ja mal gewählt, als Frau „Dr“ Giffey regierte. Sollte ich aus dem Wahlvolk ausscheiden, wenn wir neben den Lidl-Leuten mit unseren Kulturinteressen in den Baucontainer verbannt werden?

  4. Warum gehört das Karstadt-Gebäude überhaupt einem Versicherungskonzern in Bayern?
    Der Staat hat Karstadt mit Milliarden über Wasser gehalten. Das lässt sich googeln. Auch der Berliner Senat („Dr.“ Giffey, SPD) ist der Signa-Gruppe weit entgegen gekommen, als diese bereits marode war. Und der grüne Ex-Bezirksbürgermeister Dassel hat für das Karstadt-Gebäude am Leo Sanierungshilfe noch im Jahr 2020 angeboten. — https://www.bmgev.de/mieterecho/alle-ausgaben/2020/me-single/article/signa-und-rene-benko/
    Warum gehören diese Staatsbeihilfen heute einem – leistungslosen – Versicherungskonzern in Bayern?
    Im Jahr 2006 wurden sämtliche Karstadt-Gebäude in Deutschland, die bis dahin Karstadt selber gehörten, an „Investoren verkauft“. Dies tat der letzte „große“ Karstadt-Manager Thomas Middelhoff (Konzern Quelle-Karstadt-Schickedanz), der später wegen Betrugs und Untreue zu Knast verurteilt und noch im Gerichtssaal verhaftet wurde! – https://www.dw.com/de/der-tiefe-fall-des-thomas-middelhoff/a-18064815
    Auf Grundlage dieser Machenschaften entscheidet heute ein bayerischer Versicherungskonzern über das Wohl und Wehe des Wedding.

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