Ungeliebtes Müllerstraßenfest – was tun?

Die Weddinger haben mit den Füßen abgestimmt – und die diversen Müllerstraßenfeste immer seltener besucht. Kein Wunder, denn mit einer attraktiven Festmeile hatten die Veranstaltungen in den letzten Jahren nach Meinung vieler Besucher nicht viel zu tun.

„Aktuell ist das Müllerstraßenfest kein Fest, sondern ganz überwiegend ein Billigmarkt. Das steht im Gegensatz zu den Bemühungen, die Müllerstraße aufzuwerten“, findet auch die Stadtteilvertretung mensch.müller, die die von verschiedenen Veranstaltern durchgeführten Straßenfeste sehr kritisch sieht. Denn die Müllerstraße laufe durch die Qualität der Feste Gefahr, weiter als Ramsch- und Billigmeile in Verruf zu geraten.

Die Stadtteilvertretung hat sich in den letzten Jahren aufgrund der mangelnden Qualität der Veranstaltung immer wieder mit dem Thema auseinandergesetzt und auch Vorschläge zur Neuausrichtung der Veranstaltung unterbreitet.

Weg vom Image als Billigmeile: die Müllerstraße
Weg vom Image als Billigmeile: die Müllerstraße

Auch die Gewerbetreibenden der Müllerstraße lehnen die Feste in ihrer jetzigen Form mit großer Mehrheit ab, wie eine Befragung aufzeigt. Allerdings sprechen sich die Gewerbetreibenden wiederum mit knapper Mehrheit für eine qualitativ bessere Veranstaltung aus, die dann aber tatsächlich einen Festcharakter haben soll. Es müsse ein Träger gefunden werden, der vorher definierte Kriterien erfüllen muss. Die bisherigen Veranstalter (Fa. arrange-event und Fa. Nareyka Event) kommen aus Sicht der Stadtteilvertretung für eine alternative Veranstaltung zur bisherigen Form der „Müllerstraßenfeste“ allerdings nicht in Betracht. Die Stadtteilvertretung begründet dies damit, dass die beiden Veranstalter „alle Kritik an der bisherigen Art und Weise der Durchführung ignoriert haben, offenkundig nur dazu fähig oder bereit sind, in der Müllerstraße Billigmärkte durchzuführen, nicht jedoch Straßenfeste, welche diese Bezeichnung verdienen und trotz teilweise anderslautender Zusagen keine Bereitschaft gezeigt haben, die ansässigen Gewerbetreibenden mit einzubeziehen„.

Aus den Reihen der Gewerbetreibenden kamen denn auch Vorschläge, die durchaus eine Prüfung verdient hätten. Würde es zum Beispiel nicht ausreichen, das Fest nur an einem Tag (Sonntag), ggf. auch zweimal im Jahr auszurichten? Könnte man auch in eine Seitenstraße (z.B. Ostender Straße) oder auf den Leopoldplatz und/oder den Rathausvorplatz ausweichen? Könnte nicht nur eine Fahrbahn der Müllerstraße gesperrt werden? So könnten die durch die bisher notwendigen Umleitungen verursachten Verkehrsbelastungen für die angrenzenden Viertel wie auch die Behinderungen der normalen Geschäftstätigkeit der Gewerbetreibenden weitgehend reduziert werden.

Am besten fände es die Stadtteilvertretung denn auch, wenn im Jahr 2014 eine Pause eingelegt wird und kein Müllerstraßenfest stattfindet. Erst wenn ein klares Konzept vorliegt und auch eine breite Beteiligung der Institutionen vor Ort gewährleistet ist, sollte es wieder ein Müllerstraßenfest geben. Unabhängig davon fordert die Stadtteilvertretung das Bezirksamt Mitte auf, eine rechtliche Möglichkeit zu prüfen, die bisherige Form von Straßenfesten zu untersagen.


10 Kommentare
  1. […] kritisch setzt sich die AG und mit ihr die gesamte Stadtteilvertretung auch mit dem Müllerstraßenfest auseinander, das manchmal mehrfach im Jahr für komplette Wochenenden die Müllerstraße blockiert […]

  2. „ist die ostender str kein öffentlicher raum, weil sie da wohnen?“

    Da Sie, aus welchem Grund auch immer, davon auszugehen scheinen: Nein, dort wohne ich nicht.

    Ich hätte genauso gut die Brüsseler, Utrechter oder Amsterdamer Straße erwähnen können –– dies sind mitsamt Wohnstraßen, während ein öffentlicher Platz nun mal für öffentliche Versammlungen genutzt wird. Dort werden Anwohner weit weniger gestört als bei reinen Straßenfesten.

    Was mir allerdings beim Müllerstraßenfest aufgefallen ist: In der Ostender standen Toiletten, die von vielen Menschen, vor allem Betrunkenen und/ oder Obdachlosen, gar nicht benutzt worden sind. Es wurde einfach an Gebäude uriniert und leider sah ich dort auch mehrmals Menschen, die sich übergaben. Für die Anwohner ist das bestimmt nicht so schön … Auch deshalb ist mir die Idee, auf Wohnstraßen auszuweichen, unsympathisch.

    1. ist denn ein straßenfest, welches (hoffentlich) für die anwohner_innen
      veranstaltet wird wirklich so eine große einschränkung, wie sie sie
      herbeischreiben wollen? 3 tage von 365 und in einer nebenstraße die
      chance, den charakter des festes wandeln zu können… 9-22h schunkel-
      musi, kinderlachen auf karussels und ein besoffener kiez, der sich
      aus den nachbarn der anwohner_innen und ihnen selbst generiert?
      so schlimm oder so normal? so verwerflich oder so berechtigt? so dystopie
      oder so realität?
      vielleicht einfach mal was neues ausprobieren, frau wallace?
      vielleicht einfach mal akzeptieren, in welchem sozialen man/frau lebt?
      ich lad sie auf nen futschi am ostender dixi ein!

      p.s. auch an öffentlichen plätzen wohnen menschen btw. was ist denn, wenn
      die sich auch gestört fühlen? machen wir dann gar keine feste mehr?

  3. Ich denke auch, dass momentan niemand mit diesem Fest vollends zufrieden ist. Weder die Verkäufer und Standbesitzer, noch die Gewerbetreibenden, die in der Müllerstraße ansässig sind und erst recht nicht der gemeine Weddinger.

    Für den Veranstalter muss es sich ja rechnen, sonst würde er es ja nicht Jahr für Jahr wieder veranstalten. Um ein richtiges, vollwertiges Volksfest zu veranstalten, dass auch im ganzen Bezirk so gesehen wird, braucht es allerdings zwingend zwei Tage. Sonst lohnt sich Aufbau und Absperrung, etc. gar nicht und rechnen wird es sich dann eher nicht mehr.

    Billig-Ware gibt es da natürlich zu hauf, aber auch hier gilt: Es bietet der an, der sich davon was verspricht und das scheint ja noch so der Fall zu sein. Die Bratwurst dort ist bspw. seit zwei Jahren mit 2,50 € – 3,00 € gar nicht mehr billig – Socken, Gürtel und Co. jedoch schon.

    Ein Konzept muss her! Das kann aber nicht lauten, in die Nebenstraßen auszuweichen. Schon gar nicht, wenn im nächsten Absatz gleich die Nachteile für die Anwohner der Nebenstraßen angesprochen werden: Lärm, Schmutz, zusätzliche Gefahren.

    Eine Sperrung von nur einer Fahrbahn halte ich dagegen für sinnvoll. Um Gleichheit zu waren, sollte dies jedes Jahr im Wechsel geschehen.

    Ein Kinderkarussell reißt auch auf dem Dorf niemanden mehr vom Hocker und schienengebundene Mini-Autos auch nicht. Hier muss auch mehr für die Kinder getan werden, dann schreien die schon laut genug, sodass die Eltern quasi mitgehen MÜSSEN. 🙂

  4. wen fragt man da eigentlich bzw. für wen soll das fest denn stattfinden?
    für die gewerbetreibenden (5 nennungen im text)? die stadteilvertretung
    (6 nennungen im text)? die veranstalter_innen (3 nennungen im text)? die institutionen vor ort (1 nennung im text)?

    oder die bürger_innen, anwohner_innen, besucher_innen (0 nennungen
    im text)? wie wärs mit ner 5 tägigen evaluation/ befragung am leo, müller/seestr und nem onlineformular? damit man halt die leute erreicht, die mit gremienarbeit nix anfangen können.

  5. Lieber Herr Faust,

    dies ist doch ein kritischer Beitrag über das Müllerstraßenfest, der die Sache auf den Nagel trifft. Ich hatte die Gelegenheit im vergangenen Jahr dieses “ Fest “ zu besuchen. Ich frage mich schon, wenn hier Millionen für den Leopoldplatz und andere öffentliche Plätze ausgegeben werden, warum das Bezirksamt Mitte oder wer immer dafür zuständig ist, solch einen “ Billig-Basar “ oder wie jemand anders hier schreibt:
    Asi-Fest zu läßt.

    Überall gibt es bei öffentlichen Veranstaltungen, Auflagen, warum hier nicht???

  6. Das Wichtigste wäre auch aus meiner Sicht: Mehr Fest, weniger Billig-Markt. Mehr Live-Musik und Etwas internationale Kulturveranstaltungen (Künstler, die auftreten oder ihre Werke präsentieren) wäre schon mal ein Anfang (Siehe z. B. Karneval der Kulturen oder Bergmannstraßenfest). Klar gibt’s anderswo auch Verkaufsstände. Aber es gibt drumherum auch ein Fest. Das fehlt beim Müllerstraßenfest völlig.

  7. Den Vorschlag, auf Nebenstraßen auszuweichen, finde ich etwas unverschämt — zumal in Straßen wie der Ostender immer öfter in Wohnungen eingebrochen wird. Auf öffentliche Plätze zu setzen, scheint mir die beste Lösung zu sein.

    1. „Den Vorschlag, auf Nebenstraßen auszuweichen, finde ich etwas unverschämt“
      begründung?

      „— zumal in Straßen wie der Ostender immer öfter in Wohnungen eingebrochen wird. “
      zusammenhang?

      „Auf öffentliche Plätze zu setzen, scheint mir die beste Lösung zu sein.“
      begründung? ist die ostender str kein öffentlicher raum, weil sie da wohnen?

  8. Nicht umsonst trägt es schon seit einigen Jahren den Beinamen „Asi-Fest“

    Ein Vorbild für künftige Feste sollte der kleine aber feine Weihnachtmarkt im Dezember am Pekingplatz sein. mehr Wedding, mehr Kultur weniger Blödsinn und Kirmes.

Wichtige Ergänzung? Konstruktiver Kommentar? Gerne:

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.