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Umweltgerechtigkeit:
Hohe Umweltbelastungen

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Lärm, Hit­ze, feh­len­de Grün­flä­chen und Gift­stof­fe in der Luft – ber­lin­weit gehö­ren die Wed­din­ger Stadt­tei­le zu den am schlimms­ten von nega­ti­ven Umwelt­ein­flüs­sen betrof­fe­nen Gebie­ten. Und oben­drein ist der „Kern­in­di­ka­tor Sozia­le Pro­ble­ma­tik‟ hoch. Auf meh­re­ren vom Senat in die­sem Som­mer ver­öf­fent­lich­ten Kar­ten haben die Zeich­ner den Wed­ding und den Gesund­brun­nen jeweils dun­kel­rot gefärbt. In den bei­den Stadt­tei­len ist die Umwelt­ge­rech­tig­keit am nied­rigs­ten. Oder anders­her­um aus­ge­drückt: hier ist die unge­rech­te Ver­tei­lung von ange­neh­men Kiezen und unan­ge­neh­men am deut­lichs­ten zu spü­ren. Ein Blick in den Umweltgerechtigkeitsatlas.

Schwedenstraße
Schwe­den­stra­ße ist fünf­fach belas­tet. Foto: And­rei Schnell

„Men­schen, die in zen­trums­na­hen Quar­tie­ren sowie in Quar­tie­ren mit einem nied­ri­ge­ren Sta­tus­in­dex leben, sind über­pro­por­tio­nal häu­fig Mehr­fach­be­las­tun­gen aus­ge­setzt‟, fasst die Bro­schü­re “Die umwelt­ge­rech­te Stadt” zusam­men. Am dra­ma­tischs­ten ist die Lage in der Schwe­den­stra­ße. Sie gehört in Ber­lin „zu den zwei Pla­nungs­räu­men, die in allen fünf Kern­in­di­ka­to­ren eine hohe Belas­tung auf­wei­sen‟. Die Kern­in­di­ka­to­ren hei­ßen in der Bro­schü­re Lärm­be­las­tung, Luft­schad­stoff­be­las­tung, Ther­mi­sche Belas­tung und Grün­flä­chen­be­las­tung. Ein­fa­cher aus­ge­drückt: es geht um Krach durch Stra­ßen, Stick­stoff­ver­bin­dun­gen und Fein­staub in der Luft, Beton und Ver­sie­ge­lung am Boden sowie feh­len­de Parks.

Aktu­ell gewinnt die Zunah­me der Hit­ze an Bedeu­tung. Wenig über­ra­schend ist, dass auch die Kar­te mit dem Indi­ka­tor „ther­mi­sche Belas­tung‟ für die Orts­tei­le Wed­ding und Gesund­brun­nen schlech­te Wer­te zeigt. „Gut durch­grün­te, locker bebau­te Wohn­quar­tie­re wei­sen zumeist gerin­ge, höchs­tens mitt­le­re Belas­tun­gen auf‟, heißt es in der vom Senat ver­öf­fent­lich­ten Bro­schü­re. Und: „Die­se Quar­tie­re fin­den sich vor allem am Stadt­rand.‟ Also in Froh­nau und Zehlen­dorf, nicht im Wedding.

Der Begriff Umwelt­ge­rech­tig­keit wur­de in den USA in den 1980er Jah­ren als envi­ron­men­tal jus­ti­ce ein­ge­führt. Anders als der Begriff auf den ers­ten Blick ver­mu­ten lässt, geht es nicht um Natur und Öko­lo­gie. Zusam­men­ge­bracht wer­den soll Umwelt‑, Gesund­heits- und Sozi­al­po­li­tik. Aus­gang für die For­de­rung nach Umwelt­ge­rech­tig­keit ist die Beob­ach­tung, dass Stadt­tei­le mit finan­zi­ell schwa­chen Men­schen auch oft vie­le lau­te und stin­ken­de Stra­ßen ertra­gen müs­sen. Gut situ­ier­te Men­schen leben dage­gen in idyl­li­schen Lagen. Umwelt­ge­rech­tig­keit ist also im Kern ein Begriff aus der Sozialpolitik.

Bekannt ist die Benach­tei­li­gung der Men­schen im Wed­ding und Gesund­brun­nen seit län­ge­rem. Im Novem­ber 2014 hat Ber­lin erst­mals eine Kar­te zur Umwelt(un)gerechtigkeit ver­öf­fent­licht. Auch damals waren der Wed­ding und der Gesund­brun­nen rot dar­ge­stellt, weil „mehr­fach belastet‟.

Meh­re­re Kar­ten mit ein­zel­nen Indi­ka­to­ren und einer Zusam­men­fas­sung aller Belas­tun­gen stellt die Senats­ver­wal­tung für Umwelt auf ihrer Web­sei­te zusammen. 

Logo Weddinger Allgemeine Zeitung

Der Text stammt aus der Wed­din­ger All­ge­mei­nen Zei­tung (–> E‑Paper), der gedruck­ten Zei­tung für den Wed­ding. Geschrie­ben wur­de er von And­rei Schnell. Wir dan­ken dem RAZ-Verlag!

Andrei Schnell

Meine Feinde besitzen ein Stück der Wahrheit, das mir fehlt.

3 Comments

  1. Guten Mor­gen ja das ist lei­der wahr. Seit ca.3 Jah­ren bemü­he ich mich,ohne Erfolg, um eine Ver­bes­se­rung der Auf­ent­halts­qual­tät des Rat­haus­plat­zes im Wed­ding. Es gibt dort nur Asphalt,Pflastersteine und was­ser­ge­bun­de­ne Decken(= fei­ner grau­er Schot­ter), es wur­den Bür­ge­rIn­nen­be­fra­gun­gen durch­ge­führt und das haben sie sich gewünscht, wer s glaubt wird selig. Vom Ver­kehr auf der Mül­ler­stras­se (Abgase,Feinstaub) ganz zu schwei­gen. Soll das so blei­ben? Lie­ber Wed­ding­wei­ser, lie­be Lese­rin­nen es ist unser Kiez!!!
    Lie­be Grü­ße Susan­ne Ringel

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