Tegel: Zwischen Bequemlichkeit und Zumutung

(C) Steno Rt Kaluba

Lauter als ein Presslufthammer: 90 Dezibel werden an der Reinickendorfer Meteorstraße durchaus erreicht. Die Echtzeitmessung des Fluglärms zeigt, was die Anwohner hier und im nördlichen Wedding seit 1974 ertragen müssen. Leben möchte man in der Nähe der Landebahn eher nicht, da kann die Wohnungsnot noch so groß sein. Bleibt Tegel, wie im Volksentscheid am 24. September gefordert, aber offen, müssen die Lärmschutzzonen von 1974 neu zugeschnitten werden. Die großzügige Ausnahmeregelung im Gesetz gilt nämlich nur bis 2019. Das ist heute Thema im Verkehrsausschuss des Abgeordnetenhauses.

Nur dumm, dass rund um den neuen Flughafen BER Schallschutzmaßnahmen bereits dann ergriffen werden müssen, wenn in geschlossenen Räumen 45 Dezibel überschritten sind. Das entspricht üblichen Geräuschen in einer Wohnung. Der Lärmschutz für den BER müsste später ja auch für die Anwohner eines dauerhaft betriebenen Flughafens Tegel gelten. Doch dann wird’s teuer.

(C) Simone Lindow

Bei aller verständlichen Tegel-Nostalgie und Freude über die bequemen Wege vom Wedding direkt zum Gate: So ein Flughafen mitten in der Stadt ist eine Zumutung für alle Anwohner und eine ständige Gefahrenquelle. Wer auf dem stets überlaufenen Kurt-Schumacher-Platz steht, wundert sich, dass hier noch kein landendes Flugzeug verunglückt und mitten auf die verkehrsreiche Straße gestürzt ist.

Krank machender Krach und Kerosin aus der Luft? Ach nö. Da sollten wir uns doch lieber für die 5.000 geplanten Wohnungen auf dem zukünftigen Ex-Flugfeld und mehr Platz für die Beuth Hochschule im Terminalgebäude entscheiden. Und ab und zu mal eine Stunde Fahrzeit für den Weg zum Gate? Keine echte Zumutung.


6 Kommentare
  1. Bis jetzt ist zum Glück nichts passiert. Aber sollte es mal zu einem Flugzeugunglück z.B. bei einer Landung kommen, dann ist nachher der Lärm groß, wie man nur einen Flughafen mitten im Wohngebiet bestehen lassen kann. Am Kurt Schuhmacher Platz kann man den Flugzeugen bei der Landung direkt ins Fahrwerk schauen. Ich denke, die Zeit für TXL ist abgelaufen.

  2. Ob Fluglärm gefährlich ist? Ich wohne seit sieben Jahren im Wedding und mich stört es nicht mehr, wenn es bei Ostwind über dem Viertel braust als würde ein Hochofen abgestochen. Ich hab jetzt ein Hörgerät und das kann ich abschalten. Das so was von sowas kommt? Glaube ich nicht. 😉

  3. Ich hoffe er bleibt. Ich mag Flugzeuge. Habe bis zur Schließung von Tempelhof in Neukölln in der Einflugscheise gewohnt, danach musste ich in den Wedding ziehen, um sie wieder sehen zu können. Hoffentlich bleibt Tegel. Sonst muss ich in den Süden von Berlin ziehen 😉

  4. Die Mieten steigen, ob Tegel offen bleibt oder nicht. Das ist eine politische Entscheidung. TXL braucht kein Mensch. Und Fluglärm ist gesundheitsschädlich, auch wenn er nicht mehr bewußt wahrgenommen wird. Mehr Infos unter: http://www.die-linke-berlin.de/wahlen/bundestag_2017/volksentscheid_txl

  5. Wenn die Umsetzung des Lärmschutzes bei einer Fortführung des Betriebs von Tegel so lange dauert, wei beim BER ist auch 2030 noch kein einziges Fenster ausgetauscht.

  6. Ich wohne seit über 7 Jahren in der Einflugschneise. Ob mich der Lärm stört – Jein – Zum Anfang Ja ( da sagte ich mir , ist ja nicht mehr lange ) Und jetzt ich nehme ihn gar nicht mehr bewußt wahr. Brauche ich TXL als Flughafen ?- Nein!. Aber TXT ist für mich noch ein Garant dafür, das die Mieten in Wedding noch etwas länger bezahlbar bleiben. Meine Befürchtung ist, das ich nach dem Wegfall von TXT die neue Ruhe mir nicht mehr leisten kann. Auch wenn TXT offen bleiben sollte wird es dank geringerer Flugzeugdichte ruhiger werden.
    Und übrigen: Auf Fliegen will natürlich keiner verzichten – Hauptsache die Nachteile betrifft einen persöhnlich nicht.

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