Tegel: Zwischen Bequemlichkeit und Zumutung

© Ste­no Rt Kaluba

Lau­ter als ein Press­luft­ham­mer: 90 Dezi­bel wer­den an der Rei­ni­cken­dor­fer Mete­or­stra­ße durch­aus erreicht. Die Echt­zeit­mes­sung des Flug­lärms zeigt, was die Anwoh­ner hier und im nörd­li­chen Wed­ding seit 1974 ertra­gen müs­sen. Leben möch­te man in der Nähe der Lan­de­bahn eher nicht, da kann die Woh­nungs­not noch so groß sein. Bleibt Tegel offen, müs­sen die Lärm­schutz­zo­nen von 1974 neu zuge­schnit­ten wer­den. Die groß­zü­gi­ge Aus­nah­me­re­ge­lung im Gesetz gilt näm­lich nur bis 2019. 

Nur dumm, dass rund um den neu­en Flug­ha­fen BER Schall­schutz­maß­nah­men bereits dann ergrif­fen wer­den müs­sen, wenn in geschlos­se­nen Räu­men 45 Dezi­bel über­schrit­ten sind. Das ent­spricht übli­chen Geräu­schen in einer Woh­nung. Der Lärm­schutz für den BER müss­te spä­ter ja auch für die Anwoh­ner eines dau­er­haft betrie­be­nen Flug­ha­fens Tegel gel­ten. Doch dann wird’s teuer.

© Simo­ne Lindow

Bei aller ver­ständ­li­chen Tegel-Nost­al­gie und Freu­de über die beque­men Wege vom Wed­ding direkt zum Gate: So ein Flug­ha­fen mit­ten in der Stadt ist eine Zumu­tung für alle Anwoh­ner und eine stän­di­ge Gefah­ren­quel­le. Wer auf dem stets über­lau­fe­nen Kurt-Schu­ma­cher-Platz steht, wun­dert sich, dass hier noch kein lan­den­des Flug­zeug ver­un­glückt und mit­ten auf die ver­kehrs­rei­che Stra­ße gestürzt ist.

Krank machen­der Krach und Kero­sin aus der Luft? Ach nö. Da soll­ten wir uns doch lie­ber für die 5.000 geplan­ten Woh­nun­gen auf dem zukünf­ti­gen Ex-Flug­feld und mehr Platz für die Beuth Hoch­schu­le im Ter­mi­nal­ge­bäu­de ent­schei­den. Und ab und zu mal eine Stun­de Fahr­zeit für den Weg zum Gate? Kei­ne ech­te Zumutung.

Arti­kel aus dem Jahr 2017


6 Kommentare
  1. Bis jetzt ist zum Glück nichts pas­siert. Aber soll­te es mal zu einem Flug­zeug­un­glück z.B. bei einer Lan­dung kom­men, dann ist nach­her der Lärm groß, wie man nur einen Flug­ha­fen mit­ten im Wohn­ge­biet bestehen las­sen kann. Am Kurt Schuh­ma­cher Platz kann man den Flug­zeu­gen bei der Lan­dung direkt ins Fahr­werk schau­en. Ich den­ke, die Zeit für TXL ist abgelaufen.

  2. Ob Flug­lärm gefähr­lich ist? Ich woh­ne seit sie­ben Jah­ren im Wed­ding und mich stört es nicht mehr, wenn es bei Ost­wind über dem Vier­tel braust als wür­de ein Hoch­ofen abge­sto­chen. Ich hab jetzt ein Hör­ge­rät und das kann ich abschal­ten. Das so was von sowas kommt? Glau­be ich nicht. 😉

  3. Ich hof­fe er bleibt. Ich mag Flug­zeu­ge. Habe bis zur Schlie­ßung von Tem­pel­hof in Neu­kölln in der Ein­flug­schei­se gewohnt, danach muss­te ich in den Wed­ding zie­hen, um sie wie­der sehen zu kön­nen. Hof­fent­lich bleibt Tegel. Sonst muss ich in den Süden von Ber­lin ziehen 😉

  4. Die Mie­ten stei­gen, ob Tegel offen bleibt oder nicht. Das ist eine poli­ti­sche Ent­schei­dung. TXL braucht kein Mensch. Und Flug­lärm ist gesund­heits­schäd­lich, auch wenn er nicht mehr bewußt wahr­ge­nom­men wird. Mehr Infos unter: http://www.die-linke-berlin.de/wahlen/bundestag_2017/volksentscheid_txl

  5. Wenn die Umset­zung des Lärm­schut­zes bei einer Fort­füh­rung des Betriebs von Tegel so lan­ge dau­ert, wei beim BER ist auch 2030 noch kein ein­zi­ges Fens­ter ausgetauscht.

  6. Ich woh­ne seit über 7 Jah­ren in der Ein­flug­schnei­se. Ob mich der Lärm stört – Jein – Zum Anfang Ja ( da sag­te ich mir , ist ja nicht mehr lan­ge ) Und jetzt ich neh­me ihn gar nicht mehr bewußt wahr. Brau­che ich TXL als Flug­ha­fen ?- Nein!. Aber TXT ist für mich noch ein Garant dafür, das die Mie­ten in Wed­ding noch etwas län­ger bezahl­bar blei­ben. Mei­ne Befürch­tung ist, das ich nach dem Weg­fall von TXT die neue Ruhe mir nicht mehr leis­ten kann. Auch wenn TXT offen blei­ben soll­te wird es dank gerin­ge­rer Flug­zeug­dich­te ruhi­ger werden.
    Und übri­gen: Auf Flie­gen will natür­lich kei­ner ver­zich­ten – Haupt­sa­che die Nach­tei­le betrifft einen per­söhn­lich nicht.

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