Die Panke entlang (Teil 2)

Gedenkstein WiesenstrIm ersten Teil sind wir schon von der Mündung der Panke am Nordhafen bis zur Pankstraße entlanggewandert – durch eine Art Niemandsland, zwischen Wohnhauszeilen und alten Fabrikgebäuden. Jetzt geht es weiter durch Gesundbrunnen bis fast zum Bürgerpark Pankow.

Wir starten an der Pankstraße 83. Idyllisch fließt hier die kanalisierte Panke zwischen den Brücken der Pankstraße und der Wiesenstraße, entlang begrünter Hinterhöfe und Wohnhäuser der 1950er Jahre. Der erste nachweisbare Siedlungskern des Wedding, ein landwirtschaftliches Gut im Besitz der Stadt Berlin und später des Kurfürsten, erstreckte sich genau hier ab dem 13. Jahrhundert. Die letzten Gebäude des Weddinghofes verschwanden erst während des Mietskasernenbaus der Gründerzeit. Genauso schwer ist heute vorstellbar, dass am 1. Mai 1929 in der Kösliner Straße, die sich hinter den Neubauten befindet, Straßenschlachten tobten, die mindestens 19 zivile Todesopfer forderten. Dieses Gebiet war eine kommunistische Hochburg, die den Beinamen des Bezirks „Roter Wedding“ prägte. Nur ein Findlings-Gedenkstein an der Wiesenstraßenbrücke erinnert heute noch daran – die einst so stadtbildprägenden Mietskasernen sind hier jedenfalls verschwunden.

Auf Linie: Der M 27, die Weddinger Schnecke

Busse im Wedding³Wer hätte das gedacht: Als der M 27 im Dezember 2004 eingeführt wurde, durfte ihn die BVG nur probeweise als Metrobus titulieren. Denn: Der M 27 würde so schnell wie die S-Bahn sein und ihr deshalb Fahrgäste wegnehmen, so die damalige Befürchtung der Deutschen Bahn. Doch als flinkes Wiesel werden die meisten Fahrgäste den M 27 wohl nicht assoziieren, eine gelbe Schnecke trifft es da schon eher

Die Panke entlang (Teil 1)

Unscheinbar, überbaut, keine Einbindung in die übrige Innenstadt – so lieblos zeigt sich der Lauf der Panke auf ihren letzten Metern. Aber nicht nur der Panke, sondern der ganzen Gegend ist durch Kriege und den Mauerbau übel mitgespielt worden. Die dichte Bebauung von einst ist zwar unwiederbringlich verloren, aber die vielen kleinen und großen Sehenswürdigkeiten lohnen trotzdem einen Spaziergang pankeaufwärts…

Die Kolumne: Vielfalt der Welt

Über die Bürgerinitiative „Wedding hilft!“

Osloer Straße Gesundbrunnen und StephanuskircheWedding hilft! Einen besseren Namen hätte sich diese Bürgerinitiative gar nicht geben können. Nachdem bekannt wurde, dass in der Pank- und in der Gotenburger Straße Unterkünfte für Flüchtlinge eingerichtet werden, waren sich sehr schnell sehr viele Weddinger einig: Hier sind wir gefragt! Wir wollen helfen!

Wer wissen will, was diese Initiative auf die Beine stellt, braucht bloß mal einen Blick auf deren Facebook-Seite zu werfen. Hier engagieren sich Menschen, die nicht nur Kleidung, Küchenutensilien oder Schuhe spenden, sondern ganz menschlich versuchen, jenen Zuwendung geben, die vor Unmenschlichkeit flüchten mussten.

Wedding hilft! Das ist auch deshalb ein toller Name, weil er so viel Verständnis, so viel Mitgefühl transportiert. Und weil genau damit jene Tugenden des sogenannten christlich-jüdischen Abendlandes transportiert werden, die in Dresden und anderswo zwar beschrieen, aber in Wirklichkeit mit Füßen getreten werden. Das Allerschönste an diesem Namen aber ist: Die Helfer aus dem Wedding selbst repräsentieren die Vielfalt unserer Welt. Und ihnen ist egal, ob sie dem Morgen- oder Abendland entstammen.

Autor: Ulf Teichert

Die Kolumne erscheint ebenfalls samstags im Berliner Abendblatt, Ausgabe Wedding.

Website von Wedding hilft

Wedding hilft: „Die neuen Nachbarn willkommen heißen!“

willkommenDer Wedding ist traditionell ein erster Anlaufpunkt in Berlin für Menschen aus aller Herren Länder. Doch nicht alle Menschen sind freiwillig hergekommen: Kriege und Vertreibungen zwingen Menschen zur Flucht. Wie berichtet, gibt es seit Mitte September auch im Wedding zwei Notunterkünfte in der Gotenburger Straße und in der Pankstraße. Die Bewohner der beiden Unterkünfte sind froh, in Sicherheit zu sein, müssen sich nun aber in einer völlig fremden Kultur zurechtfinden. Viele von ihnen haben Schreckliches erlebt. „Ihnen und ihren Kindern wollen wir, eine Gruppe von Anwohnern, lokalen Institutionen, Vereinen und Geschäftsleuten tatkräftig helfen“, schreiben die Aktiven der aus diesem Anlass gegründeten Initiative „Wedding hilft“. Sie möchten die neuen Nachbarn willkommen heißen und mit Rat und Tat beiseite stehen.

Beim ersten Vernetzungstreffen mit 130 interessierten Anwohnerinnen und Anwohnern waren neben Lokalpolitikern und dem Integrationsbeauftragten von Berlin-Mitte auch ein Vertreter der AWO, Träger der Unterkünfte in Mitte und Diana Hennig von „Moabit hilft“ anwesend. Sie schilderten den Stand der Dinge aus ihren Bereichen und beantworteten Fragen.

Wie der Wedding den Flüchtlingen helfen kann

Hof der Fabrik Osloer Str.
Hof der Fabrik Osloer Str.

Kurzfristig und für alle „überraschend“ sind im September Notunterkünfte in Gesundbrunnen in zwei leerstehenden Schulgebäuden geschaffen worden. In diese sind Hunderte Flüchtlinge aus krisengeschüttelten Ländern, z.B. aus dem Nahen Osten, eingezogen. Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) Berlin-Mitte ist Betreiberin beider Heime und hat sich in den ersten Wochen um die Lösung der dringendsten Probleme gekümmert. Besonders Familien mit kleinen Kindern brauchen Unterstützung. Doch auch die Menschen im Wedding und in Gesundbrunnen, weltoffen und hilfsbereit, haben die neuen Kiezbewohner herzlich willkommen geheißen und spontan geholfen. Nun gilt es, das bürgerschaftliche Engagement effektiv und zielführend zu organisieren, damit die Hilfe auch dort ankommt, wo sie tatsächlich gebraucht wird.

Badstraßenkiez: Wo einst eine Quelle sprudelte

Weder die modernen Gebäude des Fern- und Regionalbahnhofs Gesundbrunnen noch die äußere Erscheinung der umliegenden Gebäude lassen heute noch erahnen, wo die Herkunft des Namens Gesundbrunnens zu suchen ist.

Tatsächlich war an der Stelle, an der die heutige Badstraße die Panke kreuzt, für einige Jahre ein Kurbetrieb angesiedelt, dem der ganze Ortsteil seinen Namen verdankt. Spätestens seit 1702 ist die Pankebrücke erwähnt, und kurz darauf entstand an dieser Stelle eine Walkmühle. Deren Nachfolgegebäude von 1844 mit aufgemaltem Mühlrad kann man heute noch dort finden.