„Wedding Works“: von Hand gemacht im nördlichen Wedding

In diesem Blog haben wir schon über einige der Manufakturen im Wedding berichtet, die hier günstige Produktionsbedingungen für ihre Nischenprodukte gefunden haben. Nun arbeiten vier räumlich nah beieinander liegende Manufakturen zusammen. Den Produkten ist eines gemeinsam: sie sind alle handgemacht und haben mit Massenware nichts zu tun.

Uta Koloczek und ihr ErfolgsproduktWer sich für Kreatives im Wedding interessiert, sollte sich den 23., 24. und 25. November für die „Wedding Works“ vormerken. Etwas abseits der Müller- und der Seestraße haben sich um die Kameruner Straße herum einige Manufakturen angesiedelt. Dabei dienen den Kreativen die Ladenlokale in erster Linie als Produktionsorte. Dadurch sind leider keine regelmäßigen Öffnungszeiten möglich. Deshalb laden sie erstmalig gemeinsam am letzten November-Wochenende unter dem Titel „Wedding Works“ zu sich ein. Der Titel ist zugleich auch Programm, denn im Mittelpunkt steht das Handwerk. Jeder produziert selbst und zwar vor Ort. Es ist, wenn man so mag, der Gegenentwurf zur Welt der Massenproduktion.

Den Kreativen über die Schulter schauen

Haus der feinen Kost (Foto: Elke Stamm)
Haus der feinen Kost (Foto: Elke Stamm)

Die Stadtteilvertretung Müllerstraße, die als Jury über die Gelder des Gebietsfonds wacht, fand die Idee spannend und unterstützt somit das Projekt auch finanziell. Das Ganze war zunächst für den Sommer geplant, die Haushaltssperre führte zu einer mehr monatlichen Verzögerung.„Wedding Works“ beinhaltet eine Eröffnung, ein Kulturprogramm und Führungen. Im Vordergrund stehen die handwerklichen Techniken, vor allem am Samstag und Sonntag. Da kann jeder, der mag, den Kreativen über die Schulter schauen. Es soll aber auch mitgemacht, mitgedacht und probiert werden z.B. bei der Herstellung von Gürteln, dem Gießen von Porzellan, dem Entwerfen von Kleidern oder bei der Verkostung von Salatsoßen und Gewürzmischungen.

In Zukunft gemeinsam

Für die Zukunft wird als ein verbindendes Element ein Label entwickelt und ein Flyer mit den Standorten der Beteiligten herausgegeben. Es soll eine einheitliche Fahne für die Läden erstellt werden. Diese soll dann den Besuchern helfen, die Werkstätten zu finden und darauf hinweisen, dass sie geöffnet sind. Mit dabei sind das „Haus der feinen Kost“, die „manuFACTORY“, die „Montagehalle-Berlin“ sowie „Leevenstein“.
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Wedding Works

23. – 25. November

verschiedene Läden im Afrikanischen Viertel

Berliner Dressings: Naturbelassen wie der Wedding

Im Haus der feinen Kost, Kameruner Str. 14 (Foto: HDFK)„Gekaufte Dressings sind immer Mist“, sagt Adam Mikusch. Diese Zeiten sind jetzt endgültig vorbei. In seiner eigenen Manufaktur mit angeschlossenem Fabrikverkauf stellt der 32-Jährige das her, was er schon vorher gerne als Hobby gemacht hat: pfiffige Salat-Dressings, garantiert nur aus Naturprodukten und ohne Geschmacksverstärker. Die erheben jeden Salat zum Genuss – daher auch der anfängliche Name „Blattgold“ für die Saucen, die in kleinen Flaschen verkauft werden. Doch auch auf Brot, zu Pasta oder als Dip zum Grillgut eignen sich die Weddinger Saucen-Kreationen hervorragend.

Eigentlich hat Adam Mikusch als Grafik-Designer gearbeitet, was man dem in dunkler Holzoptik gestalteten Laden und den Etiketten sofort ansieht. Doch Spaß hat ihm dieser Job am Ende nicht mehr gemacht. „Ich habe dann den Schritt gewagt und aus meinem Hobby einen Beruf gemacht“, erzählt er. Die Idee, mit eigenen Salatdressings auf Märkte zu gehen, hat Adam Mikusch dann den Gründerpreis 2012 als bester Newcomer eingebracht.

Manufaktur heißt „von Hand gemacht“. Genau so werden die Dressings auch noch hergestellt. Handgerührt, nicht mit Wasser gestreckt und ohne Konservierungsstoffe. Als Zutaten findet man in den Berliner Dressings natives Olivenöl aus dem Süden, feinen Apfelessig, im Fass gereiften Balsamico-Essig, frisch zerstoßenen Schwarzen Pfeffer, reines Alpensalz oder gehaltvollen Senf. Die Dressings gibt es in vier Varianten. Auf jedem Etikett befindet sich ein anderes Motiv mit einem fantasievoll gezeichneten Tier – „meine imaginären Mitarbeiter“, scherzt Adam Mikusch.  Seit 2013 gibt es auch eine „Berliner Senfsauce“: die Grillsauce wurde mit vielen Gewürzen veredelt und mit Olivenöl verfeinert.

Aus der kleinen Manufaktur soll mehr werden

Im Moment wohnt Adam Mikusch noch in Pankow. Von der Produktionsstätte aus fährt er mit dem „Blattgold“-Piaggio auf Wochenmärkte und zu einzelnen Feinkostgeschäften. Den Wedding hat er aus mehreren Gründen als Basis ausgewählt. „Der Wedding stellt einen guten Kompromiss zwischen preiswertem Standort und wachsendem Bewusstsein für frische Produkte dar“, sagt er. Im Prenzlauer Berg, glaubt Adam Mikusch, wäre er nur einer von vielen gewesen. „Im Wedding sind die Leute noch genauso naturbelassen wie meine Dressings“, sagt der gebürtige Oberschlesier, der in Trier aufgewachsen ist. Doch im  Wedding soll die Erfolgsgeschichte von Blattgold nicht enden, und nur bei einem Dreirad-Auto wird es wohl auch nicht bleiben, hofft Adam Mikusch: „Erst genießt der Wedding unsere Saucen, dann Berlin und am Ende vielleicht die ganze Welt….“

Blattgold Saucen im SupermarktAktualisierung 2016: Die Manufaktur ist inzwischen nach Hohenschönhausen umgezogen.
kontakt@haus-der-feinen-kost.de

Telefon: 030 609 587 21 (unbedingt vorher durchrufen, ob geöffnet ist)

Website mit aktuellen Verkaufsstätten (im Wedding bei EDEKA Reichelt, bei Kaiser’s; außerdem in diversen Supermärkten und auf Karl’s Erdbeerdorf)

Sorten:

Balsamico-Basilikum Dressing perfekt zu frischen Blattsalaten und leichten Nudelgerichten. Auch fruchtige Erdbeeren oder Tomate-Mozzarella werden zum Erlebnis. Zutaten: Balsamicoessig, Honig, Olivenöl, Basilikum, Salz, Pfeffer, Knoblauch

Balsamico-Vanille Dressing veredelt mit echter Bourbonvanille frische Blattsalate und leichte Geflügelgerichte. Auch Desserts wie Eis oder Früchte werden so nuancenreich gekrönt. Zutaten: Balsamicoessig, Honig, Olivenöl, Bourbonvanille, Salz, Pfeffer

Honig-Senf Dressing passt am schönsten zu pikanten Blattsalaten wie Rucola oder Chicoree. Und auch als Grillsauce oder zu Seefisch ein feiner Gaumenkitzel. Zutaten: Senf, Honig, Olivenöl, Apfelessig, Salz, Pfeffer

Berliner Senfsauce – Die perfekt abgestimmte Grillsauce wurde mit vielen großartigen Gewürzen veredelt und mit Olivenöl verfeinert. Ein Orginal aus der Region mit ausgewählten Zutaten für einen neuen puren Geschmack wie selbstgemacht.

An der Togostraße tut sich was

Ein ungewohntes Bild im WeddingDas Gebiet zwischen Togostraße, Kameruner Straße und der Seestraße ist das größte geschlossene Altbaugebiet im Afrikanischen Viertel in Berlin-Wedding. Ich habe den Eindruc, dass sich der Togokiez immer mehr zu einem Anziehungspunkt für Kreative entwickelt.  Kein Wunder, lebt es sich hier doch ganz passabel in preiswerten Altbauten. Die Verkehrsanbindung ist hervorragend, es gibt viel Gastronomie und ein Kino, und dauch ie vielen Einkaufsmöglichkeiten an der Müllerstraße und am Leopoldplatz sind nah.

Man muss jedoch den Kiez gar nicht verlassen – es lohnt sich vielmehr, sich einmal genauer in den Straßen umzusehen. So hat sich eine Salatdressing-Manufaktur namens „Blattgold“ in der Kameruner Straße 14 angesiedelt. Ganz untypisch für den Wedding ist die Bezeichnung des Manufaktur-Ladens als „Haus der feinen Kost“. An der Ecke Togo-/Kameruner Straße hält sich seit Jahren der Bioladen „Naturkost“. Wo sich doch sonst im Wedding kein solches Geschäft dauerhaft etablieren konnte – hier funktioniert es offensichtlich.

Im gegenüberliegenden Eckhaus Kameruner Straße 14 / Togostraße befindet sich seit November eine neue Galerie. Von Donnerstag bis Sonntag werden dort noch bis zum 4. Dezember „Drei Orte, zusammengelegt“ gezeigt.

Kreative Pioniere sitzen seit einiger Zeit in der Togostraße 79 a in der „Montagehalle Berlin„. Unter dem Motto „1 Laden, 2 Leute, 3 Labels“ wird dort Mode aus dem Wedding erdacht und hergestellt.

Schon zum zweiten Mal findet vom 1. bis 4. Dezember der Weddinger Wunderbazar im Advent mit Mode, Malerei, Accesoires, Taschen, Filz, Strick, Comics, Fotografie und Keramik statt. 12 Designer und Künstler aus der Monbtagehalle und einem Projektatelier präsentieren am Donnerstag von 19 – 23 Uhr und Freitag, Samstag und Sonntag von 11 – 19 Uhr ihre Werke.

Man darf gespannt sein, wie sich dieser Teil des Afrikanischen Viertels in den kommenden Jahren entwickelt. Vielleicht strahlt diese urbane und kreative Meile auch in die nördlicheren Teile des Afrikanischen Viertels aus. Dies ist jedoch schwer vorstellbar – dort dominieren noch die reinen Wohngebiete.