Straßenumbenennungen: Widerspruch ist teuer!

Maji-Maji-Allee, Anna-Mun­gun­da-Allee, Man­ga-Bell-Platz und Cor­ne­li­us-Fre­de­ricks-Stra­ße statt Peter­s­al­lee, Nach­tig­al­platz und Lüde­ritz­stra­ße? Las­sen wir an die­ser Stel­le die längst abge­schlos­se­ne Dis­kus­si­on über die Not­wen­dig­keit der Umbe­nen­nun­gen von Stra­ßen im Afri­ka­ni­schen Vier­tel ein­mal bei­sei­te. Das Ver­fah­ren ist inzwi­schen fast zum Abschluss gekom­men – der vor­erst letz­te Akt war die Ertei­lung von 127 Wider­spruchs­be­schei­den an Anwoh­ne­rin­nen und Anwoh­ner. Für die ent­hielt das Schrei­ben des Bezirks­amts vom 22. Dezem­ber eine böse Überraschung.

Afrika-Tage der Offenen Tür

Afri­ka-Tage 2015

Am Wochen­en­de vom 16. – 18. Okto­ber las­sen die Afri­ka-Tage der Offe­nen Tür erken­nen, wie viel­fäl­tig Afri­ka in der Haup­stadt ver­tre­ten ist. Beson­ders viel the­ma­ti­sches Pro­gramm bie­tet der Wed­ding am Sams­tag und Sonn­tag. Die Teil­nah­me an allen Ver­an­stal­tun­gen ist kos­ten­los und benö­tigt kei­ne Anmeldung.

Die Macht der Buchstaben

Assibi Wartenberg (linkes Bild, Mitte) beim Kleingartenverein im afrikanischen Viertel.
Assi­bi War­ten­berg (Mit­te) beim Klein­gar­ten­ver­ein im Afri­ka­ni­schen Viertel.

Togisch? Togia­nisch? Sagt es nicht schon viel aus, wenn wir für ein Land nicht ein­mal das dazu­ge­hö­ri­ge Adjek­tiv ken­nen? Wie­so ist es für uns ganz nor­mal, „afri­ka­nisch“ essen zu gehen, obwohl wir die Piz­za vom Ita­lie­ner um die Ecke wohl kaum als „euro­päi­sche“ Küche bezeich­nen wür­den? Assi­bi War­ten­berg ärgert sich über die­se Ver­all­ge­mei­ne­rung. In der Prin­zen­al­lee 33 betreibt die jun­ge Frau aus Togo das „Relais de Savan­ne“: ein klei­nes Restau­rant, das west­afri­ka­ni­sche Gerich­te anbie­tet, die mit der Küche Keni­as oder Süd­afri­kas genau­so wenig zu tun haben wie mit der deut­schen. Lecker sind sie aber alle­mal: Yams­wur­zel, Cous­cous und Koch­ba­na­nen ste­hen auf der Kar­te. Nicht ohne Stolz prä­sen­tiert die Che­fin des Hau­ses das bun­te Cha­os aus fri­schen Zuta­ten, das in ihrer Küche herrscht. Immer öfter wer­den die dort gekoch­ten Spei­sen auch für Cate­rings gebucht, erzählt sie.

Info-Stele Afrikanisches Viertel: Die zwei Seiten der Medaille

Infostele Afrikanisches ViertelNach jah­re­lan­ger Dis­kus­si­on um den Umgang mit dem post­ko­lo­nia­len Erbe des Afri­ka­ni­schen Vier­tels in Ber­lin-Wed­ding wur­de im Juni 2012 am U‑Bahnhof Reh­ber­ge eine Infor­ma­ti­ons- und Gedenk­ste­le auf­ge­stellt. Die Tafel trägt einen Text der Bezirks­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung (BVV) Ber­lin-Mit­te auf der Vor­der- und einen Text von Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen auf der Rück­sei­te. In die­sen Tex­ten wird aus unter­schied­li­chen Per­spek­ti­ven auf die Geschich­te des Afri­ka­ni­schen Vier­tels, des deut­schen Kolo­nia­lis­mus in Afri­ka und des afri­ka­ni­schen Wider­stands ein­ge­gan­gen. Eigent­lich soll­ten die Tex­te gleich­ran­gig auf der Tafel zu sehen sein. Da durch die unglück­li­che Plat­zie­rung nun eine Vor­der- und Rück­sei­te – und damit eine Hier­ar­chie – ent­stan­den ist, reg­te sich Pro­test unter eini­gen Teil­neh­men­den. Einen gemein­sa­men Kon­sens-Text hat man jeden­falls nicht zustandebekommen.

Die Ste­le ist der ers­te Schritt auf dem Weg der Umge­stal­tung des größ­ten deut­schen Kolo­ni­al­vier­tels zum post­ko­lo­nia­len Lern- und Gedenk­ort, des­sen Rea­li­sie­rung der Bezirk Ber­lin-Mit­te 2011 beschlos­sen hat.

Neben Bezirks­bür­ger­meis­ter Dr. Chris­ti­an Hanke (SPD) und Kul­tur­stadt­rä­tin Sabi­ne Weiß­ler (Bünd­nis 90/Die Grü­nen) waren auch Ver­tre­ter des Afri­ka-Rates Ber­lin-Bran­den­burg, des Ber­li­ner Ent­wick­lungs­po­li­ti­schen Rat­schla­ges (BER), der Initia­ti­ve Schwar­ze Men­schen in Deutsch­land (ISD) und Afri­cA­ve­nir dabei.

You­tube-Video der Ent­hül­lung der Info-Stele

Stand­ort der Info-Ste­le an der Müllerstraße/Ecke Ota­wi­stra­ße am Zugang des U‑Bahnhofs Reh­ber­ge (U 6)

Die  unge­wöhn­li­chen Stra­ßen­na­men des Afri­ka­ni­schen Viertels

 

Vorerst keine neuen Straßennamen im Afrikanischen Viertel

Straßenschild Afrikanische OtawistraßeDie Wah­len sind gelau­fen, auch auf Bezirks­ebe­ne gibt es eine Eini­gung: neu­er Bezirks­bür­ger­meis­ter von Ber­lin-Mit­te ist – der alte, näm­lich Dr. Chris­ti­an Hanke von der SPD. Zur Wahl wird ihm auch die CDU ver­hel­fen, die für die­se Zähl­ge­mein­schaft eine Art Koali­ti­ons­ver­ein­ba­rung mit der SPD geschlos­sen hat. Für die umstrit­te­nen Stra­ßen­na­men im Afri­ka­ni­schen Vier­tel in Ber­lin-Wed­ding, deren Umbe­nen­nung die SPD bis­lang ange­strebt hat, gibt es dazu eine Aus­sa­ge. In der kom­men­den Legis­la­tur­pe­ri­ode wird von einer Umbe­nen­nung oder Umwid­mung der Stra­ßen abge­se­hen. Somit behal­ten die Lüde­ritz­stra­ße, die Peter­s­al­lee und der Nach­tig­al­platz, eben­so wie alle ande­ren nach afri­ka­ni­schen Städ­ten, Län­dern oder Land­schaf­ten benann­ten Stra­ßen im Afri­ka­ni­schen Vier­tel ihre ange­stamm­ten Bezeichnungen.

Nichts­des­to­trotz stre­ben bei­de Par­tei­en die Ent­wick­lung eines Lern- und Gedenk­orts im Afri­ka­ni­schen Vier­tel an, um der kolo­nia­len Geschich­te Deutsch­lands einen adäqua­ten Platz einzuräumen.

 

Über Kolonien, Afrikaforscher und Straßennamen – Stadtführung durch das Afrikanische Viertel in Berlin-Wedding

Das Afri­ka­ni­sche Vier­tel ist ein erstaun­lich grü­nes, vom Flug­lärm ein­mal abge­se­hen auch ruhi­ges, klein­bür­ger­li­ches Vier­tel am Rand des Wed­ding. Hier woh­nen vie­le Men­schen ihr gan­zes Leben lang. Die Stra­ßen­na­men klin­gen oft exo­tisch und pas­sen manch­mal gar nicht zum etwas mie­fi­gen und grau­en Erschei­nungs­bild des Vier­tels. Dass sich dort Stadt­füh­run­gen hin ver­ir­ren, kommt in letz­ter Zeit immer häu­fi­ger vor und stößt bei man­chen Anwoh­nern nicht nur auf kein Inter­es­se, son­dern sogar auf Unverständnis.

Gerhild Komander an der Ecke Damarastraße
Stadt­füh­re­rin Koman­der erklärt die moder­ne Archi­tek­tur – Bür­ger­meis­ter Hanke hört inter­es­siert zu

Die Stadt­füh­re­rin Dr. Ger­hild Koman­der lei­tet gemein­sam mit Jose­phi­ne Apra­ku am 27.6. einen von der SPD Mit­te orga­ni­sier­ten Rund­gang und ist für die archi­tek­tur­his­to­ri­schen Details zustän­dig. Denn das Vier­tel besitzt mit der Fried­rich-Ebert-Sied­lung ein bedeu­ten­des Bau­denk­mal aus den 1920er Jah­ren. In zwei Bau­b­schnit­ten haben Bru­no Taut und Mebes & Emme­rich ihre Vor­stel­lun­gen von moder­nem, demo­kra­ti­schen Woh­nungs­bau rea­li­siert. “Man beach­te die ein­fa­che Fas­sa­den­glie­de­rung” zeigt Koman­der, “nur mit einem leich­ten Vor­sprung und den Trep­pen­haus­fens­tern wird die Fas­sa­de gestaltet.”

Unsaniert, saniert: das einzige weiße Haus in der oberen Togostraße
Unsa­niert, saniert: das ein­zi­ge wei­ße Haus in der obe­ren Togostraße

Bau­haus-Archi­tek­tur ist das nicht – dafür sind die Gebäu­de­for­men noch zu viel­ge­stal­tig. Der his­to­ri­sche Putz ist von einem beige-grau­en Rau­h­putz ersetzt: “Nur ein Gebäu­de hat wie­der den glat­ten Putz”, erklärt Koman­der – wenn auch die Far­ben nicht his­to­risch exakt sind. Revo­lu­tio­när war die Archi­tek­tur damals auf jeden Fall – und aus poli­ti­schen Grün­den sogar von den Kom­mu­nis­ten geschmäht. Denn hier wohn­te die klas­si­sche SPD-Wäh­ler­schaft, das “Steh­kra­gen­pro­le­ta­ri­at”. Groß­zü­gi­ge Grün­flä­chen zwi­schen den in Zei­len­bau­wei­se errich­te­ten Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern boten weit­aus bes­se­re Wohn­be­din­gun­gen als die Miets­ka­ser­nen der Innen­stadt. Den Nazis waren die als häss­lich emp­fun­de­nen Flach­bau­ten ein Dorn im Auge – sie über­bau­ten die Togo­stra­ße mit einem den Blick ver­sper­ren­den Gebäu­de­rie­gel und benann­ten die Sied­lung kur­zer­hand in “Ein­tracht” um. Aus hoch­flie­gen­den Plä­nen für ein Sport­ge­län­de zwi­schen Togo- und Mül­ler­stra­ße wur­de nichts: dort wur­den recht ein­falls­lo­se Gebäu­de mit Sat­tel­dach hoch­ge­zo­gen und im Zwi­schen­raum eine Dau­er­klein­gar­ten­ko­lo­nie – namens “Togo” angelegt

Wenn Jose­phi­ne Apra­ku Besu­cher­grup­pen durch das Vier­tel führt, bleibt sie an den drei Stra­ßen Peter­s­al­lee, Nach­tig­al­platz und Lüde­ritz­stra­ße ste­hen. Die­se drei Stra­ßen­na­men fal­len aus dem Ras­ter:  sonst sind die Stra­ßen im Vier­tel , begin­nend ab 1899 bis 1958, nach afri­ka­ni­schen Orten oder Län­dern benannt. “Carl Peters haben erst die Natio­nal­so­zia­lis­ten mit der Stra­ße ein Denk­mal gesetzt”, sagt Apra­ku. Der unter­neh­mungs­lus­ti­ge Afri­ka­for­scher hin­ter­ließ im schwar­zen Kon­ti­nent eine blu­ti­ge Spur des Schre­ckens. 1986 schei­ter­te der Plan, die Stra­ße umzu­be­nen­nen: “Statt des­sen wur­de sie umge­wid­met, was ein gro­ßer Unter­schied ist”, erklärt die dun­kel­häu­ti­ge Stadt­füh­re­rin. Nun heißt die Peter­s­al­lee – halb­her­zig ‑nach Hans Peters, einem CDU-Stadtverordneten.

Josephine Apraku an der Windhuker Straße
Jose­phi­ne Apra­ku an der Wind­hu­ker Straße

Adolf Lüde­ritz hat eine län­ge­re Stra­ße im Wed­ding. Auch er gehört wie Gus­tav Nach­ti­gal zu den Deut­schen, die auf trick­rei­che und unter­neh­mungs­lus­ti­ge Art gro­ße Gebie­te unter den “Schutz” des Deut­schen Kai­ser­rei­ches stell­ten. Kein Ruh­mes­blatt für ein Vier­tel, dass Stra­ßen nach skru­pel­lo­sen Unter­neh­mern wie ihm benannt sind.

Die Besu­cher­grup­pe staunt nicht schlecht – selbst Anwoh­ner und Ken­ner des Vier­tels sind über­rascht, wie vie­le Geschich­ten hin­ter den grau­en Fas­sa­den ihres Vier­tels ste­cken. Für den Bezirks­bür­ger­meis­ter Dr. Chris­ti­an Hanke ist das Vier­tel der idea­le Ort, um an die deut­sche Kolo­ni­al­ge­schich­te zu erin­nern. Er sieht die Chan­ce, hier einen Lern- und Gedenk­ort zu errich­ten. Das gan­ze Vier­tel steht in ein­ma­li­ger Wei­se für die deut­sche Kolo­ni­al­ge­schich­te. Nur die drei Stra­ßen­na­men, mit denen die “Afri­ka­for­scher” geehrt wer­den – mit denen kön­nen der Bür­ger­meis­ter, afri­ka­ni­sche Initia­ti­ven und auch man­che Anwoh­ner nicht leben.

Ein Vier­tel, das vie­le Geschich­ten erzählt: über Afri­ka, die deut­schen Kolo­nien, aber auch über die demo­kra­ti­sche Archi­tek­tur der Zwi­schen­kriegs­zeit: das Afri­ka­ni­sche Vier­tel wird hof­fent­lich noch für man­che Stadt­füh­rung ein The­ma sein.

Mehr über die Kolo­ni­al­ge­schich­te gibt es hier.

Straßenumbenennungen im Afrikanischen Viertel?

Gro­ßes Bür­ger­inter­es­se, wenn es um Stra­ßen­na­men geht

Alles Mögliche hat hier einen Afrikabezug....
Alles Mög­li­che hat hier einen Afrikabezug.…

Der Saal im Paul-Ger­hardt-Stift ist am Abend des 30. Mai 2011 gut gefüllt. Zahl­rei­che inter­es­sier­te Anwoh­ner, Lokal­po­li­ti­ker und Ver­tre­ter von Bür­ger­initia­ti­ven möch­ten mehr über Gerüch­te und Fak­ten erfah­ren, wenn es um den Umgang mit den Stra­ßen­na­men im Afri­ka­ni­schen Vier­tel geht. Die SPD in Mit­te hat zu einer Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tung ein­ge­la­den, um den Pro­zess der Ent­wick­lung des Afri­ka­ni­schen Vier­tels zu einem Lern- und Gedenk­ort anzustoßen.

Das Afri­ka­ni­sche Vier­tel ist das größ­te Flä­chen­denk­mal mit kolo­ni­al­his­to­ri­schem Bezug in Deutsch­land“, erklärt der auf die deut­sche Kolo­ni­al­ge­schich­te spe­zia­li­sier­te His­to­ri­ker Dr. Joa­chim Zel­ler, der selbst in Nami­bia gebo­ren wur­de. Das Afri­ka­ni­sche Vier­tel hat das Poten­zi­al, die Geschich­te Afri­kas stell­ver­tre­tend für ganz Deutsch­land zu erzäh­len, fin­det auch Dr. Chris­ti­an Hanke, der Bezirks­bür­ger­meis­ter von Ber­lin-Mit­te. „Wed­ding hat sich ver­än­dert, unse­re Gesell­schaft ist bun­ter gewor­den“, erläu­tert der Lokal­po­li­ti­ker und fügt hin­zu: „Im Afri­ka­ni­schen Vier­tel kön­nen wir die Geschich­te Afri­kas nach der Deko­lo­ni­sie­rung wei­ter­erzäh­len.“ Die Ent­wick­lung eines Lern- und Gedenk­or­tes setzt eine kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit der Geschich­te vor­aus. Die Stra­ßen­na­men im Vier­tel, die zwi­schen 1899 und 1958 benannt wur­den, spie­geln die jewei­li­ge deut­sche Hal­tung zu Afri­ka wider – sei es eine Wer­bung für die Kolo­ni­al­po­li­tik bis 1919, sei es eine Wür­di­gung des 1958 unab­hän­gig gewor­de­nen Staa­tes Ghana.

Ein Lern- und Gedenk­ort der ande­ren Art

An der Togostraße

Aus Sicht man­cher Teil­neh­mer der Run­de sind von den 24 Stra­ßen­na­men, die in die­ser Häu­fung ein­ma­lig in Deutsch­land sind, drei Bezeich­nun­gen nicht mehr trag­bar. Es han­delt sich dabei um die Peter­s­al­lee, den Nach­tig­al­platz und die Lüde­ritz­stra­ße. Alle drei mit einer Stra­ße geehr­ten Per­sön­lich­kei­ten haben im 19. Jahr­hun­dert auf unter­schied­lichs­te Art dazu bei­getra­gen, gro­ße Tei­le Afri­kas für die Kolo­ni­al­an­sprü­che des Kai­ser­reichs zu sichern. „Die meis­ten Gedenk­or­te betref­fen den Natio­nal­so­zia­lis­mus oder die deut­sche Tei­lung. War­um nicht auch ein­mal ein Gedenk­ort für Afri­ka?“ fragt sich Bruni Wil­den­hein-Lau­ter­bach, die den Wahl­kreis im Abge­ord­ne­ten­haus ver­tritt. Dabei ist es ihr als gebür­ti­ge Ber­li­ne­rin wich­tig, dass sich auch die Anwoh­ner mit ihrem Vier­tel und ihren Stra­ßen­na­men iden­ti­fi­zie­ren. Sie sol­len neue Namen nicht über­ge­stülpt bekommen.

Genau dies befürch­tet die Bewoh­ner­initia­ti­ve „Pro Afri­ka­ni­sches Vier­tel“. Ihren Mit­glie­dern geht es nicht dar­um, den Gedenk­ort zu ver­hin­dern. Sie sehen aber vor allem die Kos­ten, die eine Umbe­nen­nung für den Bezirk, aber auch Bewoh­ner und Gewer­be­trei­ben­de mit sich bringt. „War­um kann nicht eine Zusatz­ta­fel erklä­ren, nach wem die Stra­ße benannt wur­de?“ fragt ein Anwoh­ner. Dadurch wüss­ten Besu­cher und Bewoh­ner des Vier­tels, wel­che Per­son in wel­cher Zeit mit der Benen­nung geehrt wur­de und wel­che Moti­va­ti­on dahin­ter stand. Für den Bezirks­bür­ger­meis­ter wäre dies kein adäqua­ter Umgang mit den zahl­rei­chen Opfern der kolo­nia­len Ver­gan­gen­heit. Inzwi­schen hat die Bezirks­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung den Beschluss gefasst, eine Info­säu­le im Afri­ka­ni­schen Vier­tel auf­stel­len zu las­sen. Über den Text gab es unter­schied­li­che Auf­fas­sun­gen – daher hat man sich auf zwei Tex­te geei­nigt, die zwei unter­schied­li­che Per­spek­ti­ven auf die Kolo­ni­al­ge­schich­te auf­zei­gen. Eine sol­che Info­ta­fel, deren Stand­ort noch nicht geklärt ist, ist durch ihren umstrit­te­nen Text selbst Teil des Pro­zes­ses, sagt Bür­ger­meis­ter Dr. Hanke.

Ein Pro­zess, der jetzt erst beginnt und an des­sen Ende das gesam­te Afri­ka­ni­sche Vier­tel ein Lern- und Gedenk­ort ist. Ein Vor­bild dafür könn­te das Baye­ri­sche Vier­tel in Schö­ne­berg sein, an dem im Stra­ßen­bild der schritt­wei­sen Ent­rech­tung der Juden in der Nazi­zeit gedacht wird. Die­sen Pro­zess auf die Umbe­nen­nung von Stra­ßen zu redu­zie­ren, wür­de an dem Poten­zi­al vor­bei­ge­hen, das ein sol­cher Lern- und Gedenk­ort für die­sen Teil des Wed­ding dar­stel­len kann. Nur die Inter­es­sen weni­ger Anwoh­ner zu berück­sich­ti­gen, wird der deutsch­land­wei­ten Bedeu­tung des Afri­ka­ni­schen Vier­tels nicht gerecht.