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Stadtteilvertretung: Vier Forderungen für den Leo

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Polizeipräsenz gehört nicht zu den Forderungen für den LeoDer Win­ter steht vor der Tür. Nach aller­lei nega­ti­ven Ent­wick­lun­gen auf dem zen­tra­len Ort im Wed­ding stellt die Stadt­teil­ver­tre­tung vier For­de­run­gen zur aktu­el­len Lage auf dem Leo­pold­platz auf. 

Forderungen der Stadtteilvertretung

“Der Leo­pold­platz liegt im Her­zen vom Wed­ding, des­halb ist er von so gro­ßer Bedeu­tung und es fällt umso mehr auf, wenn er in Schief­la­ge gerät. In den letz­ten Mona­ten hat sich unser Ein­druck ver­stärkt, dass der Platz von vie­len Weddinger*innen mit stei­gen­dem Unbe­ha­gen wahr­ge­nom­men wird. Uns ist bewusst, dass die gra­vie­ren­den Pro­ble­me seit lan­gem bekannt sind und bear­bei­tet wer­den. Unser Anspruch an das Bezirks­amt, den Senat und die wei­te­ren Betei­lig­ten ist daher, ein ver­ant­wor­tungs­vol­les Gesamt­kon­zept für die Zukunft des Leo­pold­plat­zes zu entwickeln.

Die­se Stel­lung­nah­me ist eine Auf­for­de­rung, die Wei­chen für die Gestal­tung des Leo­pold­plat­zes neu zu stel­len. Dafür ist es hilf­reich eine lang­fris­ti­ge Visi­on vor Augen zu haben, an der sich moti­viert und aus­ge­rich­tet wer­den kann, anstel­le der wie­der­keh­ren­den Aus­bes­se­rung von Pro­blem­her­den. Dazu for­mu­lie­ren wir als Stadt­teil­ver­tre­tung fol­gen­de kon­kre­te Eckpunkte:

Kultur auf dem Leopoldplatz
Kul­tur auf dem Leopoldplatz

Der Leo­pold­platz soll zu einem Ort des gemein­schaft­li­chen Mit­ein­an­ders wer­den, bei dem sich ver­schie­de­ne Grup­pen begeg­nen kön­nen und den alle Bürger*innen als ihren Platz begrei­fen. Die kul­tu­rel­le Bele­bung muss dazu stär­ker ideell und finan­zi­ell geför­dert wer­den, z. Bsp. mit dem tra­di­tio­nel­len Fas­ten­bre­chen, Kin­der- und Stadt­teil­fes­ten, klei­ne­ren regel­mä­ßi­gen (Tanz-) Ver­an­stal­tun­gen  und Kon­zer­te für alle Alters­grup­pen. Dies ist wich­tig, um dem Leo­pold­platz dau­er­haft eine leben­di­ge Atmo­sphä­re zu ver­lei­hen und den Anwohner*innen und Nutzer*innen eine ‚Inbe­sitz­nah­me‘ des Plat­zes zu ermöglichen.

Platz für die Trinker auf Leopoldplatz
Foto: And­rei Schnell

Ein Platz, der für alle ein Sicher­heits­ge­fühl ver­mit­telt, ohne dass bestimm­te Grup­pen ver­drängt wer­den. Wir begrü­ßen die geplan­te Käl­te­hil­fe auf dem Leo­pold­platz für die anste­hen­de Käl­te­pe­ri­ode, jedoch for­dern wir, dass lang­fris­ti­ge Lösun­gen ange­bo­ten wer­den. Die Sozi­al­ar­beit muss wei­ter aus­ge­baut wer­den, um Woh­nungs­lo­sen und Dro­gen­ab­hän­gi­gen mehr Hil­fe anbie­ten zu kön­nen. Eine tem­po­rä­re Erhö­hung der Poli­zei­prä­senz darf nur ein Mit­tel sein und muss zwin­gend flan­kiert wer­den von ernst­ge­mein­ten und finan­zi­ell kon­ti­nu­ier­li­chen Anstren­gun­gen, die Sozi­al­ar­beit auf dem Leo­pold­platz dau­er­haft und auf hohem Niveau zu etablieren.

Ein Mann und eine Frau vom Platzdienst
Foto: And­rei Schnell

Die bau­li­chen Ver­än­de­run­gen müs­sen an allen Nutzer*innen aus­ge­rich­tet sein. So gibt es nur für Män­ner kos­ten­lo­se Pis­soirs und für Frau­en* kei­ne ech­te Alter­na­ti­ve. Es feh­len Fahr­rad­stän­der und kos­ten­lo­se Trink­brun­nen. Es bringt nichts zu war­ten, bis Bau­maß­nah­men fer­tig­ge­stellt sind, schon gar nicht in Ber­lin. Es braucht trag­fä­hi­ge sozia­le Zwi­schen­lö­sun­gen (beson­ders vor dem Net­to am U‑Bahneingang). Dass die Bank (ISBANK Mül­ler­str. 34) leer­steht, obwohl es einen hohen Bedarf an Räu­men für sozia­le Hil­fe­leis­tun­ge gibt, ist nicht hin­nehm­bar! Wei­te­re Erd­ge­schoss­flä­chen im Umfeld des Leo­pold­plat­zes sol­len einer öffent­li­chen Nut­zung zuge­führt wer­den, soll­te sich die Gele­gen­heit dazu bie­ten. Bürger*innen sol­len von Beginn an betei­ligt sein – nicht nur als Ali­bi, weil es zum
guten poli­ti­schen Ton gehört, son­dern weil ein gemein­sa­mer Ort eine gemein­sa­me Lösungs­fin­dung erfor­dert und Iden­ti­fi­ka­ti­on ermög­licht. Die aktu­el­len Betei­li­gungs­mög­lich­kei­ten für die Nutzer*innen sind nicht aus­rei­chend (sie­he Café Leo und Toilettensituation).

Die Reak­ti­vie­rung des Run­den Tisches Leo­pold­platz ist ein guter Start, aller­dings braucht es ein Forum, in dem es nicht nur um Bericht­erstat­tung und Infor­ma­ti­ons­aus­tausch geht, son­dern in dem kon­struk­ti­ve Pro­blem­lö­sun­gen gemein­sam erar­bei­tet wer­den. Gera­de au  einem so hete­ro­ge­nen Platz wie dem Leo ist der Dia­log aller Betei­lig­ten zwin­gend. Dabei ist eine stär­ke­re Ein­bin­dung u.a. des Quar­tier­ma­nage­ments Pankstra­ße, der ansäs­si­gen Gewer­be­trei­ben­den und der Naza­reth­kir­chen­ge­mein­de gewünscht und unse­rer Auf­fas­sung nach not­wen­dig. Als Stadt­teil­ver­tre­tung arbei­ten wir ger­ne an unse­rem Leo­pold­platz von Mor­gen mit!”

Text: Stadt­teil­ver­tre­tung Müllerstraße

Gastautor

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1 Comment

  1. Als der Leo vor eini­gen Jah­ren neu reno­viert wur­de, der Spein­gbrun­nen instal­liert wur­de, die Trin­ker­ecke im hin­te­ren Teil eroff­net wur­de etc., da war es auf dem Leo für einen kur­zen Moment wirk­lich so, als ob es ein Platz für jeder­mann wer­den könn­te. Es tra­fen sich sämt­li­che Gesich­ter des Leo auf dem Platz.

    Doch bald ging es los, dass bestimm­te Bevöl­ke­rungs­grup­pen den Platz qua­si ver­ein­nahm­ten, sich mit gut 20 Leu­ten tra­fen, einen guten Teil des vor­de­ren Leos ver­ein­nahm­ten und den Platz für sich bean­spruch­ten. Am schlimms­ten war jedoch, dass sie den Platz mas­siv ver­müllt haben.

    Ich konn­te beob­ach­ten, dass Leu­te, die sich über das Ver­hal­ten beschwer­ten, direkt von den Stö­rern ange­gan­gen und bedroht wur­den, und sich auch noch der Rücken­de­ckung der frisch Zuge­zo­ge­nen, meist jun­gen und ur-deut­schen Bevöl­ke­rung, sicher sein konnten.

    In der Fol­ge hat man immer weni­ger von der Wed­din­ger Mischung und dafür immer mehr von den Wed­din­ger Pro­ble­men gese­hen – und die hip­pen, tole­ran­ten jun­gen Welt­ver­bes­se­rer, die das alles “nicht so schlimm” fan­den waren dann auch nicht mehr da.

    Wenn die in dem Arti­kel beschrie­be­nen Maß­nah­men umge­setz wer­den, und dem Leo noch ein­mal eine Chan­ce gege­ben wird, dann muss ganz drin­gend eine finan­zi­ell gut aus­ge­stat­te­te Sozi­al­ar­beit auf dem Platz statt­fin­den. Mit Archi­tek­tur und Idea­lis­mus ist es (in Ber­lin) nicht getan – zu schnell ist alles von weni­gen Unso­zia­len ver­dreckt, ver­drängt und die Arbeit von vie­len zerstört.

    Lei­der wird in Ber­lin Tole­ranz zu oft mit Igno­ranz verwechselt.

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