Sind unsere Spätis in Gefahr?

Nach dem Training geht das Team von Dynamo Dosenbier in den Späti. Foto: A. Keilen
Foto: A. Keilen

14.07.2019 Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft oft eine große Lücke, vor allem wenn es um die Aufgaben des Ordnungsamts geht. Man schaue nur einmal auf die in zweiter Spur parkenden Autos auf der Müllerstraße oder die Hundehaufen auf unseren Gehwegen. Die Toleranz der Berliner wird oft bis an die Grenze strapaziert. Nur bei einer Sache hört der Spaß dann wirklich auf: Wenn durch Kontrollen an Sonntagen die Ladenschließung bei Spätis durchgesetzt wird. Diese meist inhabergeführten Familienbetriebe sind die wahren sozialen Mittelpunkte der Kieze, auch im Wedding. Sie dürfen normalerweise sonntags nicht öffnen, was aber bis jetzt niemanden gestört hat.

Kiezkultur steht in Frage

Eckladen Späti
Ein Späti an der Schererstraße

Da viele das Berliner Lebensgefühl in Gefahr sehen, wenn Spätis ihrer Existenzgrundlage beraubt werden (der Sonntag gilt als der umsatzstärkste Tag für viele kleinen Unternehmen), hat sich ein Verein namens Späti e.V. gegründet. Mit einer Demonstration im Juni haben die Aktivisten der Politik schon einmal klargemacht, dass das derzeit geltende Gesetz dringend überarbeitet werden soll. Denn nur die wenigsten Spätis könnten von der darin vorgesehenen Ausnahmeregelung Gebrauch machen, Reisebedarf für Touristen anzubieten, wie das in Bahnhöfen der Fall ist.

Es gibt auch eine Online-Petition, die folgende Forderungen erhebt: „Wir fordern, dass dieses Gesetz modernisiert und an die Erfordernisse einer fortschrittlichen Stadt angepasst wird! Wir fordern, dass in den Kiezen das durchmischte und kleinteilige Infrastrukturangebot auch und gerade am Sonntag erhalten bleibt. Wir fordern, dass der Bedarf von Anwohnern sonntags ähnliche Berücksichtigung findet wie der Bedarf von Touristen. Wir fordern den Erhalt von Arbeitsplätzen und sinnstiftender Beschäftigung. Wir fordern den Erhalt von Berlins prägender und charakteristischer Kiezkultur!“ Auf der Facebookseite „Weddingweiser Pinnwand“ haben wir eine Umfrage erstellt, und auch hier zeigt sich: Die Weddinger nutzen sonntags gerne „ihre“ Spätis.

Screenshot einer Facebookumfrage

Und auch die Süddeutsche Zeitung sieht ein Alleinstellungsmerkmal Berlins in Gefahr:“ Wenn die Politik nicht aufpasst und der freie Geist weiter geschliffen wird, ist Berlin am Ende doch nur eine Stadt in Deutschland. Wäre verdammt schade drum.“


Hier stellen wir einen Späti vor


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