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Glaspalast für Luxus-Studenten

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Die Hausarchitekten der Cresco Capital Group - Foto Andrei Schnell
Die Haus­ar­chi­tek­ten der Cres­co Capi­tal Group – Foto And­rei Schnell

Nun ist es pas­siert. Der ers­te gro­ße Immo­bi­li­en­spe­ku­lant ist im Wed­ding aktiv gewor­den. Wobei “ers­ter” nicht beleg­bar ist und “groß” rela­tiv ist – aber der Satz klingt irgend­wie pas­send zum Plan der Cres­co Capi­tal Group, in der Brun­nen­stra­ße 123–125 ein Gebäu­de mit 31.000 Qua­drat­me­tern Geschoss­flä­che (das dürf­ten über 20.000 Qua­drat­me­ter Wohn­flä­che sein) zu errich­ten. Der “Ent­wick­ler”, wie die Geschäfts­füh­rer Alex­an­der Bürk und Dani­el Schul­dig die Cres­co Capi­tal Group nen­nen, will so genann­te Stu­den­ten­woh­nun­gen errich­ten. Man muss sagen “so genann­te”, denn …… bei 700 geplan­ten Woh­nun­gen erge­ben sich rech­ne­risch und nach Abzug der Ein­zel­han­dels­flä­chen im Erd­ge­schoss aller­höchs­tens 30 Qua­drat­me­ter pro Woh­nung – inklu­si­ve Toi­let­te und Küche.

Der kon­kre­te Bauplan

Mit “Ser­vice Micro Apart­ment” wer­den die Zim­mer­chen auf der eng­lisch­spra­chi­gen Web­sei­te http://crescocapitalgroup.de bezeich­net. Die Web­sei­te rich­tet sich an Anle­ger und wirbt damit, dass die Cres­co Capi­tal Group “value-added, deve­lo­p­ment centric invest­ment approach” bie­tet. Das dürf­te auch für Ken­ner der eng­li­schen Spra­che blu­mig und sehr kon­kret zugleich sein. Man weiß, was gemeint ist.

Sie­ben Eta­gen haben die zur Group gehö­ren­den Archi­tek­ten GBP für den Neu­bau in der Brun­nen­stra­ße 123–125 Ecke Stral­sun­der Stra­ße vor­ge­se­hen. Ein Glas­pa­last mit sie­ben Eta­gen und Platz für Ein­zel­han­del im Erd­ge­schoss wird ent­ste­hen. Ob der Kai­sers zurück­kehrt, den sich eini­ge im Brun­nen­vier­tel zurück wünschen?

Mit dem Bezirks­amt Fried­richs­hain hat das Unter­neh­men weni­ger gute Erfah­run­gen gemacht; ihr Pro­jekt “Frank­fur­ter Tor” stieß dort – und auch in eini­gen Medi­en – auf Kri­tik. Im Bezirk Mit­te dürf­te das Pro­jekt poli­tisch will­kom­men sein, die Devi­se in unse­rem Bezirks­amt heißt “Bau­en, bau­en, bauen”.

Bloß nicht über Gen­tri­fi­zie­rung diskutieren!

Nun ist anzu­neh­men, dass die Bau­ab­sicht der Cres­co Capi­tal Group auf Wed­din­ger Par­tys zu den all­zu bekann­ten Fra­gen führt: Wie weit schrei­tet die Gen­tri­fi­zie­rung vor­an oder ist sie bereits vor­an­ge­schrit­ten oder wird sie vor­an­schrei­ten. Die­se mit viel Herz­blut geführ­ten Dis­kus­sio­nen wer­den lei­der von den eigent­lich wich­ti­gen Fra­gen ablen­ken. Denn die Rät­se­lei, wer nun war­um wohin umzie­hen muss, wird zu der gewohn­ten sinn­lo­sen Auf­re­gung füh­ren, die zu schü­ren eigent­lich Auf­ga­be von Bou­le­vard­me­di­en sein soll­te. Ernst­haft dis­ku­tiert wer­den soll­te hin­ge­gen: Wie könn­ten in der Woh­nungs­fra­ge die Leu­te die Geschi­cke wie­der selbst in die Hand neh­men? Wel­che Instru­men­te wären nötig, damit Klein­ver­die­ner weni­ger auf die Lösun­gen von unbe­tei­lig­ten Geld­an­le­gern ange­wie­sen und auch weni­ger von mild­tä­ti­gen Sub­ven­tio­nen abhän­gig sind? Wahr­schein­lich gibt es längst vie­le Ideen, wie auch Men­schen mit unter­durch­schnitt­li­chem, aber immer­hin eige­nem Ein­kom­men in der Woh­nungs­fra­ge wie­der mit­spie­len kön­nen. Nur sind die­se neu­en Ideen eben viel zu wenig bekannt.

LINKS

Das Pro­jekt in der Eigen­dar­stel­lung der Cres­co Capi­tal Group

Kri­tik an den Plä­nen der Group am Pro­jekt Frank­fur­ter Tor

Von Mie­ten ab 20 Euro pro Qua­drat­me­ter berich­tet die Immo­bi­li­en Zeitung

Text und Foto: And­rei Schnell

Andrei Schnell

Man hat mir versichert, es gäbe keine Vorschrift zu gendern und ich sei in dieser Frage frei, nicht wahr? Außerdem: Mein Hintergrund ist ostdeutsch, das beruht auf Erlebnissen. Und: Politik sehe ich mir an wie Sportwettbewerbe. Plus: Lese ich ein Buch lese, dann möchte ich es gleich besprechen. Ich mag Geschichten und Geschichte. Mister Gum möchte ich abschließend erwähnen.

6 Comments

  1. 30 m² sind sehr groß­zü­gig für Stu­den­ten­woh­nun­gen. Mein Sohn wohnt in Göt­tin­gen in 17 m² mit Wohn­raum, Küchen­schrank und Bade­zim­mer. Mehr als 1 Per­son hat in die­ser Woh­nung kaum Platz – da ist Besuch unmög­lich. Die Woh­nung kos­test 305 Euro warm monatlich.

    • Du hast recht, so ist die Norm mitt­ler­wei­le. Ich erin­ne­re mich, dass mir mal eine Schwes­tern­woh­nung in der Nähe eines Kran­ken­hau­ses (Bau­jahr 1920) ange­bo­ten wur­de. Die hat­te 28qm. Die kam mir extrem klein vor. Es ist aber wie Du sagst: Times are changing.
      VG And­rei Schnell

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