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S‑Bahn-Projekt S 21 in Trippelschritten

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Blick über das künftige EuropaviertelAktua­li­siert Die 21 als Bezeich­nung für Ver­kehrs­pro­jek­te zu neh­men, birgt offen­sicht­lich Risi­ken. Das wis­sen inter­es­sier­te Men­schen spä­tes­tens seit der umstrit­te­nen Tie­fer­le­gungs­ak­ti­on Stutt­gart 21. Doch wäh­rend dort mit viel Getö­se ums Für und Wider gekämpft wur­de und wird, scheint sich in Ber­lin das Pro­jekt mit der Num­mer 21 ganz im Stil­len und von ganz allein zu ver­sen­ken. Und das im wort­wört­li­chen Sin­ne. Die Rede ist vom Bau der S‑Bahnlinie 21, die spä­tes­tens Ende 2017 den nörd­li­chen Ring mit dem Haupt­bahn­hof, spä­ter ein­mal sogar mit dem Pots­da­mer Platz ver­bin­den soll­te. Inzwi­schen steht fest, dass aus die­sem Ter­min nun wohl nichts mehr wird. Auch die Kos­ten lau­fen mit 320 Mil­lio­nen Euro aus dem Ruder. Im Febru­ar hieß es, dass Grund­was­ser in die Bau­gru­be ein­dringt. Jetzt gibt es Pro­ble­me mit einer undich­ten Schlitz­wand (Stand: Juli 2017)

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Nach Infor­ma­tio­nen der Ber­li­ner Zei­tung ist unweit vom Haupt­bahn­hof Näs­se in die Bau­stel­le ein­ge­drun­gen. „Im süd­li­chen Bereich gibt es Pro­ble­me mit dem Bau­grund“, bestä­tigt ein Bahn­spre­cher. Das Grund­was­ser­pro­blem sei an der Min­na-Cau­er-Stra­ße auf­ge­tre­ten, wie die Nord­aus­fahrt des Tier­gar­ten­tun­nels heißt, schreibt das Blatt. Aus Bahn­krei­sen war zu erfah­ren, dass das Pro­blem jetzt erst ein­mal ana­ly­siert wer­den und danach die Pla­nung ange­passt wer­den müs­se. Hört sich ganz so an, als wenn sich da ein grö­ße­res Pro­blem auf­ge­tan hat, dass nicht so ein­fach zu lösen ist.

S 21 (Grafik: DB Projektbau)
S 21 (Gra­fik: DB Projektbau)

Schon jetzt steht fest, dass das vor 16 Jah­ren begon­ne­ne S21-Pro­jekt mehr als 300 Mil­lio­nen Euro kos­ten wird. Auf­grund der Pla­nungs­än­de­run­gen und der all­ge­mei­nen Bau­preis­ent­wick­lung sind Kos­ten­stei­ge­run­gen ein­ge­tre­ten“, bestä­tig­te denn auch die zustän­di­ge Senats­ver­wal­tung für Stadt­ent­wick­lung und Umwelt eine Anfra­ge der Pira­ten­par­tei. Die geht inzwi­schen von Mehr­kos­ten in Höhe von 90 Mil­lio­nen Euro aus. Das Ver­rück­te dar­an: Je teu­rer das Pro­jekt wird, des­to weni­ger bleibt von ursprüng­li­chen Plä­nen übrig. Haupt­grund: Bei der über­has­te­ten Fer­tig­stel­lung des Haupt­bahn­hofs, der 2006 als zen­tra­ler Ver­kehrs­kno­ten für die Fuß­ball-WM dien­te, wur­de ordent­lich geschlampt. So ent­spre­chen die unter­ir­di­schen Bau­ten, die ein­mal die S21-Sta­ti­on Haupt­bahn­hof beher­ber­gen soll­ten, in kei­ner Wei­se den bau­recht­li­chen Vorschriften.

Als Alter­na­ti­ve wird jetzt ein pro­vi­so­ri­scher Tun­nel­bahn­hof nörd­lich der Inva­li­den­stra­ße gebaut. Vor dort sol­len alle zehn Minu­ten Vier-Wagen-Züge als Mini-Linie S 21 über den S‑Bahnhof Wed­ding nach Gesund­brun­nen pen­deln. In den Ster­nen steht auch der Hoch­bahn­hof Per­le­ber­ger Stra­ße, der die zukünf­ti­ge Euro­pa-City ent­lang der Hei­de­stra­ße ans S‑Bahn-Netz anbin­den soll­te. Hier, so heißt es jetzt aus der Senats­ver­wal­tung, müss­ten vor der Auf­nah­me „ver­tie­fen­der Pla­nun­gen“ noch Fra­gen „zum Nut­zen und zur Wirt­schaft­lich­keit“ geklärt werden.

Autor: Ulf Teichert

Anmer­kung März 2019: die Ram­pe und die Brü­cke über den Ber­lin-Span­dau­er Schif­fahrts­ka­nal sind im Bau. Nach Bau­ver­zö­ge­run­gen wegen ein­drin­gen­den Grund­was­sers an der Bau­gru­be unter der Min­na-Cau­er-Stra­ße wird nun (Stand: Som­mer 2017) mit einer pro­vi­so­ri­schen Eröff­nung des Abschnitts im Dezem­ber 2020 gerech­net. Die end­gül­ti­ge Sta­ti­on am Haupt­bahn­hof kann auf­grund einer geän­der­ten Bau­tech­no­lo­gie frü­hes­tens 2026 fer­tig­ge­stellt werden.

Die­ser Arti­kel erschien zunächst bei unse­rem Koope­ra­ti­ons­part­ner Ber­li­ner Abend­blatt.

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