Risikogebiet: Jetzt sind wir alle betroffen!

Eine Zeichnung eines Corona-Virus.

In diesem Sommer haben viele darauf geachtet, nicht in Risikogebiete zu reisen, um sich nicht mit Corona anzustecken. Jetzt ist die Situation genau umgekehrt: Wir Weddinger dürfen nicht mehr einfach so in Hotels oder Ferienwohnungen in anderen Bundesländern reisen, weil unser Bezirk selbst als Risikogebiet gilt. Das hätte vielleicht verhindert werden können.

Aber auch jetzt können wir noch etwas tun, damit die Pandemie bei uns beherrschbar bleibt.

Bislang galt der Wedding ja sowieso für alle, die dort nicht wohnen, als Risikogebiet. Ständig sei es wahlweise kriminell, dürfe man sich abends nicht auf die Straße trauen oder werde man quasi an jeder Straßenecke abgezogen. Doch jetzt ist die bundesweit als Grenzwert definierte Zahl von 50 Corona-Neuinfektionen in unserem Bezirk Berlin-Mitte erheblich überschritten (am 07.10. waren es 70,5 Fälle pro 100.000 Einwohner, Tendenz steigend). Dabei gilt das Wohnortprinzip – Touristen, Beschäftigte oder Besucher aus anderen Bezirken sind in dieser Zahl gar nicht erst enthalten. Damit gilt der Bezirk Berlin-Mitte (gemeinsam mit anderen Innenstadtbezirken) als Corona-Risikogebiet.

Und das hat bisher nie dagewesene Konsequenzen für Berliner aus Mitte, Neukölln, Friedrichshain-Kreuzberg, Tempelhof-Schöneberg und Charlottenburg-Wilmersdorf – und damit eben auch für uns Weddinger: Nach einer Einigung aller Bundesländer am gestrigen Mittwoch dürfen Bewohnerinnen und Bewohner eines Risikogebiets nicht mehr anderswo beherbergt werden! Das gilt auch, wenn die Gesamtstadt Berlin unter der kritischen Marke bleibt (am 07.10. waren es 47,2 Fälle pro 100.000 Einwohner). Das heißt für viele von uns: alles Essig mit den Herbstferien oder Reisen am Wochenende! Auf eventuellen Kosten bleibt man sitzen, wenn man keine Einigung mit dem Beherbergungsbetrieb trifft.

Über die Sinnhaftigkeit der Ermittlung dieser Zahlen, die neuen Beschränkungen des Senats und die Frage, ob Parties unter freiem Himmel für diese Entwicklung verantwortlich sind, wollen wir an dieser Stelle gar nicht diskutieren. Sondern darüber, was wir im Alltag im Wedding beobachten.

Schön, dass sich viele an die Maskenpflicht im Nahverkehr und in Geschäften halten. Doch heißt es „Mund-Nasen-Schutz“ und nicht „Mundschutz.“ Alles, was unter dem Riechkolben hängt, ist also keine ordentlich getragene Maske.

 

Der Senat, und das weiß jeder, wird es allein aus personellen Gründen kaum schaffen, alle Beschränkungen in der Gastronomie und bei privaten Treffen zu kontrollieren. Aber heißt das, dass wir diese (mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit durchaus sinnvollen) Maßnahmen offen unterlaufen dürfen, nur weil wir ahnen, dass Verstöße im Wedding sowieso nur achselzuckend zur Kenntnis genommen werden?

Wir finden: Nein. Lehnt also Einladungen zu Parties ab, die sich verschieben lassen. Sprecht euer Umfeld auf falsch getragene Masken an. Schaut nicht weg, wenn ihr mitbekommt, dass in eurer Nachbarschaft bewusst gegen Regeln verstoßen wird, sondern sprecht die Leute freundlich, aber resolut an. Das, was hier gerade passiert, betrifft am Ende alle, nicht nur die Ignoranten, sondern auch die Vernünftigen.

Erst kommt das Beherbergungsverbot für alle Bewohner von Berlin-Mitte. Und was kommt danach? Wir wollen es lieber nicht erleben.


3 Kommentare
  1. Gibt es hierzu eine Quelle? Ich versuche gerade, herauszufinden, inwiefern das Beherbergungsverbot tatsächlich beschlossen ist, dazu finde ich noch nichts – eher Überlegungen.

Wichtige Ergänzung? Konstruktiver Kommentar? Gerne:

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