Weddinger Schüler brauchen gut ausgebildete Lehrkräfte!

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Carl-Kraemer-Grundschule, Foto: Dominique Hensel
Ist das gerecht? Aus­ge­rech­net an der Carl-Kraemer-Grund­schu­le im armen Sol­di­ner Kiez hel­fen beson­ders vie­le Quer­ein­stei­ger aus. Foto: D. Hensel

War­um müs­sen aus­ge­rech­net Schu­len in Kiezen mit vie­len armen Men­schen um gute Leh­rer kämp­fen – und gehen dabei oft leer aus? Das fragt die bil­dungs­po­li­ti­sche Spre­che­rin der SPD im Abge­ord­ne­ten­haus Maja Lasić in einem Bei­trag im Tages­spie­gel. Im Inter­view mit dem Wed­ding­wei­ser erklärt Maja Lasić, wie sich Quer­ein­stei­ger gerech­ter ver­tei­len lassen.

Bei­spiel: In der Wil­helm-Hauff-Grund­schu­le sind zum Bei­spiel 20 Pro­zent der Leh­rer Quer­ein­stei­ger. In der Carl-Kraemer-Grund­schu­le sind es 23 Pro­zent. An der Grund­schu­le am Bran­den­bur­ger Tor sind es dage­gen ledig­lich 2 Pro­zent. (Stich­tag jeweils 1. Novem­ber 2017). Offen­bar müs­sen vie­le Schu­len im Wed­ding mit einem hohen Anteil unge­üb­ter Leh­rer klar kommen.

Es gibt die Brenn­punkt­zu­la­ge, um Leh­rer an schwie­ri­gen Schu­len zu hal­ten. Reicht die­se Instru­ment, um Leh­rer gerech­ter zu verteilen?
Maja Lasiç: Grund­sätz­lich ist die Zula­ge nicht an ers­ter Stel­le als Anreiz für Leh­rer zu ver­ste­hen, in Brenn­punk­te zu wech­seln. Sie ist vor allem eine Wert­schät­zung für das Mehr an Arbeit, das unse­re Lehr­kräf­te und unse­re Erzie­her und Erzie­he­rin­nen in Brenn­punk­ten tag­täg­lich leis­ten. Daher wird die Zula­ge auch nicht die Pro­ble­me bei der Ver­tei­lung der Lehr­kräf­te lösen – denn dazu ist sie auch nicht da.
Die Brenn­punkt­zu­la­ge war eine mei­ner Erfol­ge bei Haus­halts­ver­hand­lun­gen im letz­ten Dezem­ber und wird erst im Lau­fe des kom­men­den Schul­jah­res 2018/19 grei­fen. Die end­gül­ti­ge Höhe wird erst im Lau­fe die­ses Som­mers fest­ge­legt, da wir uns ent­schie­den haben auch Erzie­her und Erzie­he­rin­nen an Schu­len zu berück­sich­ti­gen. Wegen die­ser Erwei­te­rung des Emp­fän­ger­krei­ses benö­ti­gen wir eine neue Berechnung.

Maja Lasic
Im Brun­nen­vier­tel direkt gewählt: die bil­dungs­po­li­ti­sche Spre­che­rin der SPD Maja Lasić. Foto: Büro Lasić

Sie sagen: “Akti­ve Res­sour­cen­steue­rung an Schu­len ist eine Gerech­tig­keits­fra­ge”. Müs­sen Leh­rer sich jetzt auf Zwangs­ver­set­zun­gen gefasst machen?
Maja Lasiç: Bei der akti­ven Res­sour­cen­steue­rung spre­che ich vor allem über die Ver­tei­lung der neu ein­zu­stel­len­den Kräf­te, nicht über Lehr­kräf­te, die schon an Schu­len sind. Wir haben im nächs­ten Schul­jahr cir­ca 2.500 Stel­len neu zu beset­zen, davon sind etwa die Hälf­te voll aus­ge­bil­de­te Lehr­kräf­te und Quer­ein­stei­ger. Und lei­der wer­den meh­re­re hun­dert Stel­len unbe­setzt blei­ben. Gleich­zei­tig zei­gen die bis­he­ri­gen  Daten, dass es einen direk­ten Zusam­men­hang gibt zwi­schen dem Anteil der Kin­der aus Hartz IV-Fami­li­en und dem Anteil der Quer­ein­stei­gen­den im Kol­le­gi­um: je mehr arme Kin­der an einer Schu­le ler­nen, des­to mehr Quer­ein­stei­gen­de unter­rich­ten dort. Und dabei brau­chen gera­de unse­re Wed­din­ger Schü­ler beson­ders gut aus­ge­bil­de­te Lehrkräfte!

Was soll mit der Steue­rung erreicht werden?
Maja Lasiç: Akti­ve Res­sour­cen­steue­rung heißt für mich, dass die Quer­ein­stei­gen­de auf mög­lichst vie­le Schu­len ver­teilt wer­den, damit ein­zel­ne Schu­len nicht eine über­mä­ßi­ge Last der Aus­bil­dung tra­gen müs­sen, wäh­rend ande­re gar kei­ne Quer­ein­stei­gen­de haben. Eben­so kann es nicht sein, dass man­che Schu­len all ihre Stel­len mit neu­em Per­so­nal beset­zen, wäh­rend ande­re meh­re­re unbe­setz­te Stel­len haben. Nur indem wir für eine gleich­mä­ßi­ge Ver­tei­lung der Quer­ein­stei­gen­den und der unbe­setz­ten Stel­len sor­gen, ver­mei­den wir eine Ver­schär­fung des Zusam­men­hangs zwi­schen sozia­ler Her­kunft und Bil­dungs­er­folg. Und daher muss Steue­rung ein­fach sein.

Kann man es Leh­rern ver­übeln, dass sie Schu­len mit ein­fa­che­ren Arbeits­be­din­gun­gen anstreben? 
Maja Lasiç: Grund­sätz­lich fin­de ich, dass eine Lehr­kraft an Ber­li­ner Schu­len bereit sein soll­te, mit allen Ber­li­ner Kin­dern zu arbei­ten, unab­hän­gig von der sozia­len Her­kunft der Schü­ler. Ich selbst habe an einer Haupt­schu­le im Wed­ding gear­bei­tet und fand mei­nen Ein­satz dort sehr erfül­lend. Unser Auf­ga­be als Poli­tik ist es, dafür zu sor­gen, dass die Lehr­kräf­te in Brenn­punk­ten für ihr beson­de­res Enga­ge­ment wert­ge­schätzt wer­den – so wie mit unse­rer Zula­ge gedacht – und auch nicht über­mä­ßig belas­tet wer­den – auch des­we­gen ist die Steue­rung der neu­en Res­sour­cen notwendig.

Autorenfoto Andrei SchnellAnd­rei Schnell denkt über die Schu­len im Wed­ding nach und befrag­te die Abge­ord­ne­te sei­nes Wahl­krei­ses zur gerech­ten Lehrerverteilung.

Andrei Schnell

Man hat mir versichert, es gäbe keine Vorschrift zu gendern und ich sei in dieser Frage frei, nicht wahr? Mein Hintergrund ist ostdeutsch, das beruht auf Erlebnissen. Politik sehe ich mir an wie den Sport. Wenn ich ein Buch lese, möchte ich es gleich besprechen. Ich mag Geschichten und Geschichte. Mister Gum möchte ich noch erwähnen.

1 Comment

  1. Ich habe über 30 Jah­re als Leh­re­rin in sozia­len Brenn­punk­ten im Wed­ding gear­bei­tet. Die schwie­ri­ge Lage war schon vor Jah­ren abseh­bar. Ange­stell­te Lehr­kräf­te las­sen sich nun ein­mal nicht so “ver­schie­ben” wie Beam­te. Wenn dann auch die Schul­lei­tung kei­ne Füh­rungs­qua­li­tä­ten besitzt, steigt die Fluk­tua­ti­on der Lehr­kräf­te und das ver­schärft die Lage an ein­zel­nen Schu­len immer mehr.Um die Lage zu ver­bes­sern, müss­te Ber­lin jetzt rich­tig Geld in die Hand neh­men. Aber die­se Schüler*innen und deren Eltern sind zu meist kein Wahl­volk und dar­um für die Poli­tik uninterressant.

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