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Ein Rundgang mit dem Platzdienst vom Leo

Der Platzdienst vom Leopoldplatz
Der Platz­dienst vom Leo­pold­platz setzt auf Kom­mu­ni­ka­ti­on und Mode­ra­ti­on. Foto: And­rei Schnell

Es ist ein feuch­ter Nach­mit­tag Ende Novem­ber. Auf dem hin­te­ren Leo­pold­platz ste­hen Män­ner in schwe­re Par­kas gewi­ckelt. Sie haben sich getrof­fen, um statt war­mem Tee gemein­sam ein paar kal­te Bie­re zu trin­ken. Einer bemerkt die Kame­ra und löst sich aus der Grup­pe. Er schnauzt: „Ey, habt ihr uns gefilmt?“ – Trotz des bar­schen Tones sei­nes Gegen­übers lächeln die bei­den Mit­ar­bei­ter vom Platz­dienst: „Nein. Wir haben nur ein Foto von uns selbst gemacht. Nicht von Ihnen.“ Der Platz­dienst mit den blau­en Wet­ter­ja­cken dreht seit weni­gen Mona­ten auf dem Leo­pold­platz sei­ne Run­den. Der Platz­dienst wird von der Fir­ma Urba­nus Con­cept betrie­ben, einem Unter­neh­men, das sich als Sicher­heits­dienst der ande­ren Art sieht. Der Wed­ding­wei­ser ist eine Run­de mitgelaufen.

„Ach, ihr seid Sozi­al­ar­bei­ter“, fragt der Mann plötz­lich, sicht­lich beru­higt. Auch er lächelt jetzt. Sei­ne Furcht, unge­wollt und wie eine Wed­din­ger Sehens­wür­dig­keit abge­lich­tet zu wer­den, ist nun ver­schwun­den. Auch scheint er erst jetzt die blau­en Jacken des Platz­diens­tes zu bemer­ken. Der wünscht noch einen schö­nen Tag und schlen­dert wei­ter über den “vor­de­ren und den hin­te­ren Leo­pold­platz”, wie sie es aus­drü­cken. „Die Trin­ker­sze­ne will in Ruhe gelas­sen wer­den“, sagt einer der bei­den vom Platz­dienst, der sei­nen rich­ti­gen Namen nur Freun­den sagt. Er läuft fast täg­lich über Leo bis zur Turi­ner Stra­ße, manch­mal auch wei­ter bis zur Maxstraße.

Regeln geduldig erklären

Platzdienst Leo
Der Platz­dienst vor der Naza­reth­kir­che am Leo. Foto: And­rei Schnell

Die Auf­ga­be des Platz­diens­tes ist es, für die Ein­hal­tung der Regeln zu sor­gen. „Aber ich tre­te dabei nicht als Mus­kel­schrank mit schwar­zen Kla­mot­ten auf.“ Grund­re­gel sei, „freund­lich mit den Leu­ten zu reden.“ Kom­mu­ni­zie­ren und mode­rie­ren, dar­um gehe es. Eine Regel ist zum Bei­spiel das Alko­hol­ver­bot. Das hat die Kir­che für den Leo, das heißt für den Vor­platz vor der Naza­reth­kir­che, aus­ge­spro­chen. „Auf pri­va­tem Grund geht so etwas, der Bezirk kann auf öffent­li­chen Flä­chen kein Alko­hol­ver­bot ver­hän­gen“. Damit die­se Regel ein­ge­hal­ten wird, tritt der Platz­dienst ent­spannt auf, noch freund­li­cher als ein BVG-Kon­trol­leur. „Wir reden mit den Leu­ten. Gedul­dig. Denn wir wis­sen, denen schmeckt nach einer Wei­le ihr Bier nicht mehr“. Respekt zei­gen und Respekt ein­wer­ben, lie­ße sich über die­se nur schein­bar pas­si­ve Stra­te­gie sagen.

Im Som­mer wird der Leo­pold­platz auch von Tou­ris­ten und von den coo­len Wed­din­gern genutzt, die vor dem Spring­brun­nen ihr Lauf­bier genie­ßen. „Doch die Regeln gel­ten für alle.“  Die­se „Trin­ker“ wer­den von Platz­dienst genau­so ange­spro­chen. Aber auch die­se Grup­pe ver­ste­he, dass der Leo ein Platz sein soll, an dem sich alle wohl­füh­len kön­nen. Dass extra für die Trin­ker­sze­ne ein Auf­ent­halts­platz errich­tet wur­de. Die Wün­sche der Sze­ne nach Sicht­schutz, Dach und Toi­let­te wur­den dort erfüllt. Nun drängt der Platz­dienst dar­auf,  dass die­ser Ort auch genutzt wird und die Sze­ne nicht wei­ter­hin den gesam­ten Leo in Beschlag nimmt. „Wenn 50 Betrun­ke­ne zusam­men­kom­men, dann wird es natür­lich laut.“ Aber seit­dem die Trin­ker in den letz­ten Mona­ten gezielt ange­spro­chen wur­den, sei es sel­te­ner gewor­den, dass sol­che gro­ßen Grup­pen auf dem Leo statt beim Auf­ent­halts­ort anzu­tref­fen sind.

Platzdienst war ein Test

Bezahlt wird der Platz­dienst vom Bezirk Mit­te. Von Sep­tem­ber bis Ende Novem­ber lief eine Test­pha­se. Poli­tisch gibt es durch­aus Geg­ner der Idee, dass ein pri­va­ter Wach­schutz im öffent­li­chen Raum tätig ist. Zu stark sei eben die Vor­stel­lung, dass Mit­ar­bei­ter von Sicher­heits­un­ter­neh­men aus­schließ­lich den Tür­ste­her vorm Club spie­len könn­ten. Das Unter­neh­men Urba­nus Con­cept, bei dem der Platz­dienst ange­stellt ist, sieht sich als bei­na­he ers­ten Wach­dienst, der anders arbei­te. “Es ist alles eine Fra­ge des Auf­tre­tens. Da spielt Spra­che eine gro­ße Rol­le. Wenn wir plötz­lich auf bul­ga­risch oder rumä­nisch reden, dann sorgt allein das für eine bes­se­re Grund­stim­mung.” Nur wenn alle Stri­cke rei­ßen, wenn Respekt zei­gen und Reden nichts mehr aus­rich­ten, wenn jemand im Rausch tat­säch­lich gefähr­lich wird, dann muss auch mal die Poli­zei geru­fen wer­den. “In weni­gen Minu­ten ist hier alles voll mit Blau­licht.” Seit­dem wis­se die Sze­ne, dass der Platz­dienst nett rüber­kommt und den­noch Gren­zen bestehen.

Ob aus dem Test mit dem respekt­vol­len Platz­dienst eine dau­er­haf­te Ein­rich­tung wird, das muss die Poli­tik ent­schei­den. Spä­tes­tens zum Früh­jahr. Denn: “In der war­men Jah­res­zeit ist auf dem Leo natür­lich deut­lich mehr los.”

Text und Fotos: And­rei Schnell

Andrei Schnell

Meine Feinde besitzen ein Stück der Wahrheit, das mir fehlt.

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