Österlicher Moment: Brauseboys am 23.4. im Livestream

Öster­li­cher Moment Es gibt die­se Reli­gio­nen ja nicht erst seit ges­tern, des­halb sind sie oft gar nicht so von ges­tern. Ich mei­ne aber nicht God­s­pots und Online-Pre­dig­ten, das päpst­li­che Schau­spiel im Live­stream, oder der­glei­chen. Ich stel­le es fest, als wir hin­ter der Kir­che mit den Kin­dern Eier suchen, und zum Fei­er­tag die Orgel spielt. Durch die geöff­ne­ten Sei­ten­fens­ter dringt die Musik nach drau­ßen, eini­ge Men­schen sit­zen mit Abstand in der Nähe im Hin­ter­hof, um zu lau­schen. Ein Lied ken­nen alle, oder es wur­den ein paar Zet­tel ver­teilt, jeden­falls sin­gen vie­le kräf­tig mit. Das klingt sehr schön. 

Von mei­nem Platz bei den ver­steck­ten Oster­nes­tern sehe ich auch auf die ande­re Sei­te der Kir­che, durch die Ver­git­te­rung schaut ein Obdach­lo­ser, der ver­blüfft den vie­len Stim­men in der Luft nach­lauscht. Er hat die Kapu­ze tief ins Gesicht gezo­gen, den Schal hoch bis zu den Augen. Ein paar Momen­te spä­ter wühlt er ein Smart­pho­ne aus sei­nem Hand­wa­gen und fängt an, eine Auf­nah­me zu machen. Das war dann mein öster­li­cher Moment.

Die Lese­büh­ne von letz­ter Woche zum Nachschauen

Medi­ta­ti­on über die Aufnahme

Als die Han­dys in unser Leben kamen, hat man sie noch sehr ver­lacht. Ich arbei­te­te als Schü­ler auf Stra­ßen­fes­ten, zur bes­se­ren Koor­di­na­ti­on hat­te unser Chef ein unge­fähr zwei Kilo schwe­res Bri­kett zum Tele­fo­nie­ren ange­schafft. Ich glau­be er hat­te auch Tele­kom-Akti­en. Zum Glück rück­te er das Gerät nicht raus, son­dern trug es selbst her­um. Damit wir ihn anru­fen konn­ten, ver­teil­te er Tele­fon­kar­ten an die Ver­kaufs­stel­len. Trotz­dem man mit dem Akku des Tele­fons auch täg­li­che Übun­gen im Gewicht­he­ben machen konn­te, hielt er nicht sehr lang. Ich glau­be, er hat­te schnell einen zwei­ten Akku dabei und konn­te auch im Auto laden. Heu­te kann man mit Akkus die­ser Grö­ße das Auto selbst 100 Kilo­me­ter fah­ren. Dass wir uns alle dar­über amü­sier­ten, stör­te ihn nicht, da bin ich mir sicher. Schon ein oder zwei Jah­re spä­ter schli­chen wir ja selbst um Mobil­funk­ge­rä­te her­um und zähl­ten unse­re Ersparnisse.

Man mach­te Wit­ze über die, die tele­fo­nie­rend her­um­spa­zier­ten, vie­le Erst­be­sit­zer von Han­dy ver­steck­ten sich damit in Tele­fon­zel­len zum Tele­fo­nie­ren. Als dann alle began­nen, auf ers­ten Gerä­ten her­um­zu­drü­cken, sah das tech­ni­sche Spiel­zeug von gera­de noch schon wie ein Dino­sau­ri­er aus. Und war ja auch unge­fähr so schwer. Da hat­te man etwas, bevor alle ande­ren es hat­ten, und sobald es alle hat­ten, hat­te man das ältes­te, abge­häng­tes­te Gerät. Mei­ne Gale­rie an Mobil­funk­ge­rä­ten im Schrank taugt schon für eine klei­ne his­to­ri­sche Aus­stel­lung, ver­mut­lich wäre es bes­ser gewe­sen, sie nach der Abla­ge an jeman­den zu ver­schen­ken, der damals eins gebraucht hat­te, oder sie zu ver­kau­fen. Das klei­ne Han­dy­m­u­se­um in mei­nem Schrank hat nicht so viel Sinn, außer ich will ein paar Mikro­gramm Gold aus den Pla­ti­nen schmelzen.

Pri­va­tes Telefonmuseum

Aus­blick

Heu­te ist jedem ein Tele­fon ange­wach­sen, vie­le sind auch wie­der ähn­lich schwer wie die ers­ten Gerä­te, könn­ten aber selbst­tä­tig eine Rake­te zum Mond flie­gen. Bald gibt es sie hof­fent­lich als Implan­tat, denn unprak­tisch ist das schon, die­se Faust­kei­le immer in der Arsch­ta­sche her­um­zu­tra­gen. Satel­li­ten steu­ern uns damit, Funk­si­gna­le von uns wer­den zu Big Data, und man kann spon­tan eine wacke­li­ge Auf­nah­me mit etwas rau­schi­gem Ton davon machen, dass ein paar Men­schen zusam­men etwas in den Pan­de­mie-Him­mel sin­gen. Ob er die Auf­nah­me jemals noch ein­mal anschaut, wer kann das sagen? Das meis­te wird auf­ge­nom­men, ohne dass es noch ein­mal ange­schaut wird. Aber dass es über­haupt etwas gibt, was man auf­neh­men will, ist das eigent­li­che Hoff­nungs­zei­chen. Viel­leicht moder­ner als die Tech­nik selbst.

 

We’­re still streaming!
Die Brau­se­boys – Lese­büh­ne im Wed­ding – Direkt vom Stromerzeuger!
Seit sieb­zehn Jah­ren jede Woche neue Tex­te, Betrach­tun­gen, Musik und bele­ben­de Hei­ter­keit, seit Beginn der Iso­la­ti­on im Live­stream. Da flie­gen die Her­zen, wir sind da, und ihr seid da, lie­be Zuschau­er, selbst wenn ihr ganz woan­ders seid. Live und in Far­be auf Face­book. Wir her­zen so viel zurück, wie wie wir können.
Ab 20.15 Uhr ein­schalt­bar auf unse­rer Face­book-Sei­te, auch ohne Account. Der Live­stream wird archi­viert und kann spä­ter nach­ge­schaut werden.

Autor & Vorleser.

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