Nussbreite: Aufhören, wenn’s am schönsten ist

Zwei Männer sitzen vor ihrer Bar, der Nussbreite, die bald aufhört06.09.2019 Fünf Jahre hat ein Freundeskreis aus Hobby-Musikerinnen und -Musikern mit der Nussbreite in der Seestraße eine Wohnzimmer-Konzertbar betrieben. Jetzt ist Schluss mit der Nuss. Warum die beliebte Bar schließen muss, haben uns Matthias und Mats aus dem Betreiberkollektiv erklärt.

Wie hat die legendäre Geschichte der Nussbreite angefangen?

Matthias: „Die meisten von uns sind Hobby-Musikerinnen und -Musiker, es gibt etwa vier bis fünf Bands in unserem Dunstkreis. Wir haben uns im KikiSol, damals noch an der Lindower Straße, bei den Open Jam-Sessions kennengelernt und gemerkt: Das führt uns zusammen, das macht uns als Freundeskreis Spaß. Wir entdeckten diesen Laden, der Vermieter fand unser Konzept gut, und dann wurde ein Mietvertrag über fünf Jahre abgeschlossen. Der Name geht übrigens auf eine Tournee zurück, wo das Navi unser Tour-Auto in Eisleben in eine enge Straße namens Nussbreite führte – der Rest ist Legende. Mit dem Thema Nuss haben wir gespielt, es findet sich überall wieder.“

Wie hat sich die Idee weiterentwickelt?

Matthias: „Wir haben das als Freundeskreis gemeinsam gestemmt, immer im Kollektiv diskutiert und am Ende gemeinschaftlich entschieden. Ich finde sogar, dass uns das als Freundeskreis gestärkt hat. Es sind immer mal wieder neue Leute dazugekommen, aber im Kern sind wir uns treu geblieben: Konzerte, bei denen nur die Musik gehört wurde. Keine Nebengeräusche, richtig unplugged, mit Kerzenschein. Das hat sich in ganz Berlin herumgesprochen.“

Eine Sitzecke in einer Bar mit einem alten Lampenschirm - aber die Nussbreite hört aufMats: „Für die Ruhe und die aufmerksame Zuhörerschaft ist die Nussbreite in Musikerkreisen wirklich bekannt. Zu unserer Open Stage-Session kamen auch viele Singer-Songwriter. Bei manchen Musikern fiel mir echt die Kinnlade runter, wie großartig die sind!“

Matthias: „Manchmal konnten wir uns kaum retten vor Auftrittsangeboten. Wir haben auch alles für auswärtige Künstler organisiert. Legendär waren auch die Vinyl-Abende mit Musik aus unseren eigenen Plattensammlungen…“

Und damit ist jetzt Schluss…

Matthias: „Der Mietvertrag läuft jetzt aus. Bei vielen von uns haben sich die Lebensumstände verändert, wir haben Festanstellungen, Kinder… Da will einfach niemand ein Leben lang Gastronom sein. Wir sind alle ein bisschen ausgepowert, aber auch ein wenig traurig.“

Hättet ihr denn gerne weitergemacht?

Matthias: „Die Miete wird sich fast verdoppeln. Wir haben das hier nicht kommerziell, sondern basisdemokratisch betrieben. Das war eben unser Wohnzimmer. Jetzt wären auch Investitionen in den Schallschutz fällig geworden, da kommt eine fünfstellige Summe zusammen.“

Mats: „Man hört auf, wenn’s am schönsten ist. Gute Dinge können auch ein gutes Ende haben. Allerdings müssen wir uns jetzt verabreden, wenn wir uns treffen wollen….“

Matthias: „Und auch fürs Bier bezahlen! Vielleicht gastieren wir mit Jam Sessions in anderen befreundeten Bars. Ich bin auch mal gespannt, ob das hier mit den Nachmietern klappt, ebenfalls eine Truppe von Musikern…“

Wie feiert ihr den Abschied von der Nuss?

Matthias: „Am 20. September steigt hier noch mal die große Abschiedsparty. Mit Cocktail-Kreationen, allen unseren Bands und ganz viel Rührseligkeit. Sogar die Preise setzen wir zurück auf die Anfangszeit.“

Nussbreite, Seestr. 106, Do – So ab 19.00 Uhr


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