Mutprobe: Freie Schulen als Helfer sehen

Schultüten
Schul­plät­ze wer­den knapp – Ein­schu­lung nach Wunsch wird sel­te­ner – Foto: D. Hensel

Mei­nung Fast jeder guckt erschro­cken, wenn er gefragt wird, was der Staat tun könn­te, um freie Schu­le zu för­dern. Das Bild der Eli­te­schu­le taucht unwei­ger­lich vor dem inne­ren Auge des Gefrag­ten auf. Die­se unnö­ti­ge Angst muss erst über­win­den, wer fra­gen woll­te: War­um kön­nen nicht von Bezirks- und Senats­ver­wal­tung befrei­te Schu­len – die den­noch allen offen ste­hen – aus­hel­fen? Zumal das Schul­amt in Bedräng­nis ist: Die Ein­schu­lung offen­bart den Schulplatzmangel.

Ist wirk­lich noch weit bis zum Offen­ba­rungs­eid des Schul­am­tes? Liegt der Moment wirk­lich in so fer­ner Zukunft, an dem die Behör­de erklä­ren muss, nicht aus­rei­chend Schul­plät­ze für alle Schul­an­fän­ger zu haben? Bereits in die­sem Jahr wer­den eini­ge Kin­der von Amts wegen in einer Grund­schu­le ein­ge­schult, die nicht im Wohn­um­feld liegt. Für Eltern, die die­ses Pech ereilt, ist der ers­te Schul­tag kein rund­um froh­ge­mu­ter. Erst­ma­lig ist es der Staat, der Schü­ler außer­halb des vor­ge­se­he­nen Grund­schul­krei­ses zur Schu­le schickt. Wer­den mehr als 1.000 Meter Schul­weg für Erst­kläss­ler das neue Nor­mal?  (Frei­wil­lig haben man­che Eltern schon immer eine Schu­le außer­halb des eige­nen Schul­spren­gels gewählt.)

Problem: Steigende Schülerzahlen ab Klasse 1
ABC
Das ABC ist leich­ter als Schul­plät­ze für Schul­an­fän­ger zu orga­ni­sie­ren. Foto: And­rei Schnell

Es ist wahr: Wer sich hin­ter den Schreib­tisch eines Ver­wal­tungs­be­am­ten setzt, der die Schul­plät­ze für Erst­kläss­ler in Mit­te diri­giert, der hört rasch auf zu meckern. Ja, es ist Teil des Trau­er­spiel, dass alles kom­pli­ziert ist. Jeder guter Wil­le muss schei­tern. Denn die Anzahl der Kin­der, die in Mit­te ein­ge­schult wer­den müs­sen, wächst. Von 2.400 im Jahr 2011 über 2.700 im Jahr 2015 zu über 3.000 in die­sem Schul­jahr. Gleich­zei­tig sind die vor­han­de­nen Schu­len sind bereits über­voll. Und Maxi­mal­zah­len und Min­dest­zah­len pro Klas­se müs­sen beach­tet wer­den. Und pro Schu­le gibt es eine unver­rück­ba­re Zahl von Klas­sen­räu­men. Und Neu­bau benö­tigt Grund­stü­cke. Wer schlü­ge da nicht die Hän­de über den Kopf zusam­men und ist froh, wenn am Ende alles irgend­wie klappt?

Im Wed­ding wehr­ten sich bereits im letz­ten Jahr Eltern und Leh­rer der Eri­ka-Mann-Grund­schu­le gegen Über­fül­lung. Hek­tisch wird  gebaut wie an der Gus­tav-Fal­ke-Grun­schu­le oder Con­tai­ner sol­len es rich­ten. Die Anna-Lindh-Grund­schu­le soll auf fast ein­tau­send Schü­ler anwachsen.

Unnötige Angst vor freien Schulen abbauen

Wahr ist aber auch: Es könn­te bes­ser lau­fen als bloß halb­wegs. Freie Schu­len könn­ten aus­hel­fen. Wohl­ge­merkt: Das Amt soll nicht geris­se­ne Bil­dungs­händ­ler dabei unter­stüt­zen, Eltern zur Kas­se zu bit­ten. An die­ser Stel­le beginnt das eigent­li­che Trau­er­spiel. Hat über­haupt irgend­wer den Mut, dar­über nach­zu­den­ken, ob eine Lösung außer­halb der Büros der Schul­be­hör­de gefun­den wer­den könn­te? Wer wagt den Gedan­ken, dass freie Schu­len auch eine Chan­ce bie­ten? Lie­ße sich mit ihrer Hil­fe nicht Druck aus dem Kes­sel neh­men, der durch stei­gen­de Schü­ler­zah­len bald zu plat­zen droht?

Kristall-Grundschule. Foto: Dominique Hensel
Die Kris­tall-Grund­schu­le für Inklu­si­on ist eine freie Schu­le, die nicht Eli­te­schu­le sein will. Foto: And­rei Schnell

Wer schafft es, die Angst vor der Pri­vat­schu­le nicht über­groß wer­den zu las­sen? Denn: Lie­ße sich nicht eine För­de­rung den­ken, bei der aus­schließ­lich freie Schu­len gewin­nen und die VIP-Schu­le Nee­se ist? Ist es wirk­lich klug, dabei zuzu­se­hen, wie es mit Schul­plät­zen von Jahr zu Jahr schlim­mer wird? Bis wir Zustän­de haben wie bei der Kita­su­che? Die nächs­ten Schul­tü­ten wer­den bereits in zwölf Mona­ten gepackt. Wer­den alle Eltern dann am Tag des Aus­pa­ckens lachen oder wer­den eini­ge wei­nen? Weil es noch schlim­mer gekom­men ist als in die­sem Jahr schon war.

Wenige Freie Grundschulen im Wedding

1. Inklu­si­ve Kris­tall-Grund­schu­le in der Tege­ler Stra­ße im Sprengelkiez

2. Freie Schu­le am Mau­er­parkt im Brunnenviertel

3. Die bilin­gua­le Grund­schu­le des Phorms-Kon­zern im Brun­nen­vier­tel ist eher eine Pri­vat­schu­le und ist nicht als freie Schu­le im Sin­ne die­ses Arti­kels anzusehen.

Autorenfoto Andrei Schnell

 

And­rei Schnell wünscht sich mehr Mut und weni­ger Angst vor Frei­en Schu­len.

 


Wir sind nomi­niert für den Deut­schen Nach­bar­schafts­preis. Noch bis zum 22. August könnt ihr für uns abstim­men  – www.nachbarschaftspreis.de

Andrei Schnell

Mit ostdeutschem Hintergrund bin ich im Weddingspektrum einer von vielen anderen Sonderlingen. Ich vergleiche Politik gern mit Sport, dann ist sie spannend und nicht bierernst. Wenn ich ein Buch lese, frage ich mich immer, wo ich es besprechen kann. Ich reporte ja für Weddingweiser, Weddinger Allgemeine Zeitung und Kiezmagazine. Ich mag Geschichten und Geschichte.

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.