Menschliche Wärme im hohen Alter

 

Ziehharmonikaspieler und Wirtin spielen Musik für die älteren Herrschaften. Ein Mann lacht freudig.
Las­set die Musik erklin­gen! Letz­tes Jahr bei dem Weih­nachts­es­sen erfreu­te die Zie­har­mo­ni­ka alle Gäs­te ©Bir­te Zel­len­tin, FAM e.V.

Logo Freunde alter Menschen e.V.Die „Freun­de alter Men­schen“ (FAM e.V.) küm­mern sich um die, die man nicht mehr sieht: Älte­re, die allein leben und kaum noch oder gar nicht mehr vor die Tür gehen. Wir stel­len euch die Arbeit des Ver­eins und die Ansprech­part­ne­rin im Wed­din­ger Treff­punkt vor.

Selbstbestimmt im hohen Alter

Die Koordinatorin des Verein-Standorts Wedding Ayten Kaufmann in ihrem Büro am Computer
Koor­di­na­to­rin Ayten Kauf­mann nimmt ihre Auf­ga­be beson­ders ernst und ist mit viel Freu­de in ihrem Job dabei. ©Bir­te Zel­len­tin, FAM e.V.

Ayten Kauf­mann ist selbst im Afri­ka­ni­schen Vier­tel auf­ge­wach­sen. Die 43-Jäh­ri­ge hat tür­ki­sche Wur­zeln. Sie kennt daher die kul­tu­rel­len Unter­schie­de in den fami­liä­ren Struk­tu­ren – und auch die Tat­sa­che, dass älte­re Men­schen in Deutsch­land oft allein leben. Zwar gibt es ein gan­zes Netz­werk von Dienst­leis­tun­gen von Essen auf Rädern über Haus­not­ruf, Mobi­li­täts­hil­fe­diens­te, Gut­ach­ten für Sozi­al­ver­si­che­run­gen bis hin zu Pfle­ge­diens­ten, die nach Hau­se kom­men, aber: „Das Sys­tem ist aus­ge­klü­gelt“, fin­det Ayten Kauf­mann, „es fehlt das Mensch­li­che.“ Die gelern­te Arzt­hel­fe­rin und Kauf­frau im Gesund­heits­we­sen ver­sucht als Koor­di­na­to­rin für den Wed­din­ger Able­ger des Ver­eins „Freun­de alter Men­schen“ genau die feh­len­de mensch­li­che Wär­me ein­zu­brin­gen, denn für ein selbst­be­stimm­tes Leben ist die­se im hohen Alter lebens­not­wen­dig. „Wir wol­len, dass die Hoch­be­tag­ten so lan­ge wie mög­lich in ihrer ver­trau­ten Umge­bung leben kön­nen“, sagt sie, „und dafür braucht es eine funk­tio­nie­ren­de Nach­bar­schaft und Frei­wil­li­ge, die mit­ein­an­der sprechen.“

Die Genos­sen­schaft 1892 hat dem Ver­ein in ihrem Con­cier­ge-Büro in der Oxfor­der Stra­ße 4 einen Treff­punkt zur Ver­fü­gung gestellt, wo Ayten Kauf­mann die Akti­vi­tä­ten des Ver­eins orga­ni­siert. Dort geht es nicht vor­ran­gig um sozia­le oder medi­zi­ni­sche Fra­gen, son­dern um das, was unbe­ach­tet von der öffent­li­chen Wahr­neh­mung mas­sen­haft vor­kommt: Ein­sam­keit im Alter, vor allem wenn Men­schen über 75 allein woh­nen. Das Ziel ist es, einen Heim­ein­zug zu vermeiden.

Was FAM e.V. tut

Ein Gruppenfoto zeigt ältere Damen sowie die Koordinatorin Ayten Kaufmann während einer Sportveranstaltung
Fit im Alter! Bewe­gung tut gut und macht gemein­sam noch mehr spaß – das wis­sen auch die Freun­de alter Men­schen ©Bir­te Zel­len­tin, FAM e.V.

„Ich lebe jetzt schon seit 1959 in mei­ner Woh­nung“; schreibt die 87-jäh­ri­ge Hil­de­gard, „und hier möch­te ich auch bis zu mei­nem Lebens­en­de blei­ben.“ Dabei hilft ihr der Ver­ein: Senio­ren wie Hil­de­gard wer­den von FAM e.V. mit jun­gen und alten Nach­barn in Kon­takt gebracht. Vor der Coro­na-Pan­de­mie lud Ayten Kauf­mann zu Kaf­fee­klatsch, Rücken­schu­le oder gemein­sa­mem Kochen im Treff­punkt ein. Bei FAM e.V. wer­den Betrof­fe­ne auch zu allen The­men rund ums Alter, Pfle­ge oder Bewäl­ti­gung von All­tags­pro­ble­men bera­ten – damit sol­len den Senio­ren aber kei­ne Ent­schei­dung abge­nom­men werden.

Außer­dem orga­ni­siert FAM e.V. auch Besuchs­part­ner­schaf­ten. Dabei geht es dar­um, dass sich Frei­wil­li­ge bestän­dig um eine „alte Freun­din“ oder einen „alten Freund“ besu­chen. Das geht wegen Coro­na der­zeit auch tele­fo­nisch oder per Brief­freund­schaft. „Wich­tig ist nur, dass die per­sön­li­chen oder tele­fo­ni­schen Besu­che kon­ti­nu­ier­lich erfol­gen“, berich­tet Ayten Kauf­mann aus lan­ger Erfah­rung. Dar­über hin­aus gibt es auch Ober­schul­kin­der, die Brief­kon­tak­te mit Hoch­be­tag­ten pflegen.

Was ihr tun könnt

Für die Älte­ren ist die jähr­li­che Weih­nachts­fei­er von FAM e.V. das größ­te High­light im Jahr. Dass sie in die­sem Jahr wie geplant in einem Restau­rant statt­fin­den kann, ist auf­grund der Coro­na-Bestim­mun­gen unmög­lich gewor­den. Aber was sich Ayten Kauf­mann für zukünf­ti­ge Ver­an­stal­tun­gen vor­stel­len kann, ist ein Fahr­ser­vice: Jün­ge­re holen die Älte­ren zu Hau­se ab und brin­gen sie zum Ort der Fei­er, wo es eine Ein­la­dung zum Essen für alle gibt. Momen­tan fin­den auch unter den übli­chen Coro­na-Maß­nah­men 1:1‑Besuche statt. Oft sind die­se Besu­che der ein­zi­ge sozia­le Kon­takt, den die älte­ren Men­schen haben. Wer eine Besuchs­part­ner­schaft über­neh­men möch­te, soll­te sich bewusst sein, dass es sich nicht im eine Dienst­leis­tung, son­dern um eine durch­aus lang­fris­ti­ges, ehren­amt­li­ches Enga­ge­ment han­delt. Auch für die alten Freun­de soll der Besuch kein Pflicht-Event, son­dern eine freund­schaft­li­che Ges­te dar­stel­len. Ein­brin­gen kann sich aber auch jede Per­son expli­zit bei Ver­an­stal­tun­gen oder mit eige­nen Ideen. Momen­tan ist selbst bei den 75+-Menschen das Bedürf­nis da, Whats-App, Zoom und Co. zu ver­ste­hen, um mit ent­fern­ter Ver­wandt­schaft und Freun­din digi­tal im Kon­takt zu blei­ben. Eine Ein­füh­rungs­ver­an­stal­tung für alle Inter­es­sier­ten ist für das nächs­te Jahr geplant. Auch dafür ist Hil­fe gern gesehen.

Die gedeckte Tafel im Lokal des Weihnachtsessen inklusive der Gäste, die sich zusamen unterhalten.
Die Tafel ist gedeckt! Das Weih­nachts­es­sen 2019 fand am hei­li­gen Abend statt. ©Bir­te Zel­len­tin, FAM e.V.

Da ein gemein­sa­mes Sin­gen im Advent der­zeit schwer vor­stell­bar ist, wäre ein von den Wed­din­gern orga­ni­sier­tes Live-Kon­zert im Hof ein unver­gess­li­cher 4. Advent für die Senio­ren. Aus den Fens­tern für die­je­ni­gen, die ihre Woh­nun­gen nur noch schwer ver­las­sen kön­nen, sowie im Innen­hof für Men­schen aus ande­ren Wohn­häu­sern kann so auch unter Abstand in klei­ner Form weih­nacht­li­che Stim­mung aufkommen.

Mehr Infor­ma­tio­nen dazu, wie ihr mit­ma­chen könnt, fin­den sich auf der Home­page des Ver­eins!


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