Kolonie10: Fledermaus und Gutachten

Koloniestraße Berlin Wedding Innenhof
Hof der Kolo­nie­stra­ße 10. © Til­man Vogler

Drei Gut­ach­ten kann die Gemein­schaft der Mie­ter in der Kolo­nie­stra­ße 10 vor­wei­sen und mit ihnen um den Erhalt ihres Hofes kämp­fen. Eines davon belegt, dass in dem Hin­ter­hof die sehr sel­te­ne Mops­fle­der­maus geor­tet wur­de. Ein Inves­tor will Gara­gen in dem his­to­ri­schen Par­al­lel­hof abrei­ßen, um Platz für ein Apart­ment­haus zu schaf­fen. Das geht nun aus Natur­schutz­grün­den nicht so ein­fach. Die Mie­ter wol­len, dass eine Genos­sen­schaft das Wohn­haus und die Remi­sen kauft. Sie haben sich zum Kul­tur­hof Kolo­nie­stra­ße 10 zusam­men­ge­schlos­sen. Zwei Genos­sen­schaf­ten kämen für den Kauf in Fra­ge. Doch die kön­nen nur kau­fen, wenn der Inves­tor sei­ne eige­nen Plä­ne begräbt.

Natur mitten in der Stadt

Koloniestraße Berlin Wedding Innenhof
© Til­man Vogler

Der Kul­tur­hof hofft, dass er das tut, wenn der Abriss der Gara­gen unmög­lich ist. Ver­hin­dern kann den Abriss zum Bei­spiel die pro­fes­sio­nel­le Fle­der­maus­be­ob­ach­tung mit vier auto­ma­ti­schen Bat­Cor­dern vom 29. Sep­tem­ber. Die Fle­der­maus­re­kor­der nah­men Rufe von sechs ver­schie­de­nen Arten auf, dar­un­ter die Zwerg­fle­der­maus und die sel­te­ne Mücken­fle­der­maus. Bedroht sind alle die­se Fle­der­maus­ar­ten, doch die Mops­fle­der­maus ist zudem eine soge­nann­te Ver­ant­wor­tungs­art. Das sind laut Wiki­pe­dia „Tier- und Pflan­zen­ar­ten, für deren Erhalt und Schutz Deutsch­land eine beson­de­re Ver­ant­wor­tung trägt“. Erstellt hat die Unter­su­chung die Agen­tur K&S Umweltgutachten.

Rettet eine Fledermaus die Ateliergemeinschaft Koloniestraße 10?
Die Remi­sen im Hof der Kolo­nie­stra­ße 10. © Til­man Vogler

Ein wei­te­res Fach­gut­ach­ten zum Vogel­be­stand weist 14 beson­ders geschütz­te Vogel­ar­ten nach. „Dar­un­ter drei Mei­sen­ar­ten, aber auch Bunt­specht, Stieg­litz, Eichel­hä­her und Amseln“, sagen die Mie­ter. Beim Bau des benach­bar­ten Apart­ment­hau­ses Viva „sind vie­le Vögel zu uns umge­zo­gen“. Des­halb hat der Kul­tur­hof selbst ein Gut­ach­ten zu Aus­gleichs­maß­nah­men ange­fer­tigt. „Unser Hof kann als Kom­pen­sa­ti­ons­maß­nah­me für den benach­bar­ten Neu­bau ver­stan­den wer­den.“ Als nächs­tes will der Kul­tur­hof Insek­ten erfas­sen, „nach­weis­lich hal­ten sich hier Erd­hum­meln, Soli­tär­bie­nen, die Blau­flü­gel­bie­ne und die Pelz­bie­ne bei uns auf“.In dem Hin­ter­hof befan­den sich frü­her 40 Gewer­be von Tanz­schu­le bis Ate­lier. Dass heu­te sel­te­ne Vögel im Hof der Kolo­nie­stra­ße 10 nis­ten, könn­te auch dar­an lie­gen, dass der Hof 1995 mit Senats­mit­teln von Land­schafts­pla­ner Ralf Steeg begrünt wur­de. 90.000 DM wand­te Ber­lin dafür auf. Des­halb ste­hen heu­te an den Mau­ern Spa­lier­obst­bäu­me und ver­schie­de­ne Klet­ter­pflan­zen. Eine Per­go­la mit Wein­re­ben über­spannt den Hof. Eine Brand­wand und Fas­sa­den sind mit Klet­ter­pflan­zen bewachsen.

Auch der Kul­tur­hof e.V. in Grün­dung hat Bebau­ungs­plä­ne, die das Archi­tek­tur­bü­ro arch.id bereits im Dezem­ber 2018 vor­stell­te. Dabei han­delt es sich um eine „Win-Win-Lösung“ mit „einer attrak­ti­ven Nach­ver­dich­tung und Auf­wer­tung des Grund­stü­ckes bei gleich­zei­ti­gem Erhalt der vor­han­de­nen urba­nen Struk­tur“. Und das ohne Verdrängung.

Der Kampf um die Kolo­nie­stra­ße 10 wird seit län­ge­rem geführt . Schon zwei­mal haben die Mie­ter in letz­ter Sekun­de den Abriss ver­hin­dert und Bau­ar­bei­ter und Bau­ma­schi­nen aufgehalten.

Logo Weddinger Allgemeine ZeitungDer Text stammt aus der Wed­din­ger All­ge­mei­nen Zei­tung, der gedruck­ten Zei­tung für den Wed­ding. Geschrie­ben wur­de er von And­rei Schnell. Wir dan­ken dem RAZ-Ver­lag.


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