Kitamangel: Klagt und habt Ansprüche! Eine andere Perspektive

Deutsch-Französische Kita Wedding
Ber­lin-eige­ne Kita im Wedding

Letz­te Woche gab es auf unse­ren Pinn­wän­den und im Blog zu dem Kom­men­tar über feh­len­de Kita-Plät­ze vie­le Dis­kus­sio­nen. Die­ser Bei­trag ist kei­ne Ant­wort, son­dern zeigt viel­mehr eine ande­re Per­spek­ti­ve auf das glei­che Problem.

Ich hat­te mich geär­gert, und zwar nicht, weil der Autor eine ande­re Mei­nung hat als ich, son­dern weil ich mich unver­stan­den und fast belei­digt fühl­te. In eine abwer­ten­de Schub­la­de vol­ler Vor­ur­tei­le hat­te man mich gestopft. Die Kita-Situa­ti­on, so wie ich sie sehe, sieht näm­lich ganz anders aus!

der Autor Mein Name ist Samu­el, ich bin 37, selb­stän­dig und woh­ne seit 2003 im Wed­ding. Wir haben aktu­ell ein Kind, ab Som­mer dann ein Zwei­tes. Nach der ein­jäh­ri­gen Eltern­zeit woll­ten und muss­ten mei­ne Frau und ich wie­der ganz unse­rer Arbeit nach­ge­hen, um unse­ren Lebens­un­ter­halt finan­zie­ren zu kön­nen. Mei­ne auf­trags­ba­sier­te Fle­xi­bi­li­tät passt gut zum zeit­in­ten­si­ven Job mei­ner Frau. Mit ihrer vol­len Stel­le in einer Wed­din­ger Schu­le wirkt sie dem per­ma­nen­ten Leh­rer­man­gel ent­ge­gen. Ohne die Ent­las­tung durch unse­re Kita wären wir total aufgeschmissen.

Wie in unse­rem Haus­halt sind auch in unse­rem Freun­des­kreis meist bei­de Eltern voll berufs­tä­tig, um die stän­dig stei­gen­den Kos­ten tra­gen zu kön­nen. Konn­ten Genera­tio­nen vor uns noch von einem Gehalt leben, so ist es heu­te nur noch die Aus­nah­me, wenn eine® für das Kind zu Hau­se bleibt. Dass eine Rechts­grund­la­ge geschaf­fen wur­de, wel­che eine Kin­der­be­treu­ung garan­tiert, ist mei­ner Ansicht nach eine not­wen­di­ge Ent­las­tung. Und wir sind dank­bar, in Ber­lin ist die­se Betreu­ung kos­ten­frei! Es ist ein unglaub­li­cher gesell­schaft­li­cher Fort­schritt, der mir zeigt, dass die­se Stadt auch modern sein kann. Die­se sozia­le Errun­gen­schaft ist in mei­nen Augen über­aus vor­bild­lich und erstrebenswert.

Welchen Anspruch gibt es eigentlich?

“Seit dem 1. August 2013 haben Kin­der bereits von ihrem ers­ten Geburts­tag an einen Anspruch auf einen Kita-Platz. Der Senat, die Bezir­ke und die Kita-Trä­ger haben dafür gesorgt, dass aus­rei­chend Kita-Plät­ze zur Ver­fü­gung ste­hen. Damit eröff­nen sich den Kin­dern bereits vor ihrer Schul­zeit her­vor­ra­gen­de Bil­dungs­chan­cen. Dar­über hin­aus erge­ben sich hier­mit bes­te Vor­aus­set­zun­gen für die Ver­ein­bar­keit von Fami­lie und Beruf.”  Quelle

Bisher kein sichtbarer Erfolg…

Kinder auf einer Wippe in einer Kita
Kin­der­be­treu­ung ist wich­tig für den Erfolg von allen

…denn der Bedarf an Kita-Plät­zen in Ber­lin ist immens: Die Stadt wächst, sogar die Gebur­ten­ra­te steigt. In vie­len Bezir­ken ist es daher sehr schwer und nicht sel­ten unmög­lich, einen Kita­platz für sein Kind zu bekom­men. Die Stadt kommt mit dem Bau­en (und Betrei­ben) von Ein­rich­tun­gen nicht hin­ter­her, zu trä­ge schei­nen die Mil­lio­nen aus diver­sen För­der­pro­gram­men zu fruch­ten. Doch das sind alles kei­ne neu­en Erkennt­nis­se, schon lan­ge war klar, wie es kom­men wür­de. Der benach­bar­te Prenz­lau­er-Berg (aka. Pregnan­cy-Hill) war bereits vor über zehn Jah­ren ein Para­de­bei­spiel für den ver­schla­fe­nen Bedarf an Kita-Plät­zen. Nun ist das Kind wohl ganz in den sprich­wört­li­chen Brun­nen gefal­len, denn es gibt in den meis­ten Bezir­ken mehr Kin­der als Kita-Plät­ze. Und zukünf­tig wird es noch schlim­mer. Wer hier sei­ne per­sön­li­che Kar­rie­re oder gar die Exis­tenz bedroht sieht, hat mei­ner Mei­nung nach allen Grund zu kla­gen – auch vor Gericht.

Welche Lösungen gibt es?

Der Senat muss schnel­ler wer­den. Es müs­sen mehr Stel­len geschaf­fen, mehr Räu­me aus­ge­stat­tet und die Pro­ze­du­ren vereinfacht/beschleunigt wer­den. Dann gibt es hof­fent­lich auch mehr Kita-Plät­ze für unse­re Kinder.

Kind allein in der Kita
Eine Kita bie­tet Abwechs­lung im Kinderalltag

Die Ein­rich­tun­gen müs­sen sich den Arbeits­zei­ten von heu­te anpas­sen. Die Geschäfts­zei­ten in Büros und im Job all­ge­mein haben sich ver­än­dert. Nur das Kind muss meis­tens bis 17 Uhr abge­holt sein. Das passt nicht mehr zusammen.
Die Gehäl­ter der Erzie­he­rin­nen und Erzie­her müs­sen erhöht wer­den. Der Beruf muss für Schul­ab­gän­ger und Quer­ein­stei­ger attrak­tiv und lukra­tiv sein.
Zusatz­bei­trä­ge soll­ten kon­se­quent unter­bun­den wer­den, im Gegen­zug fän­de ich eine ein­kom­mens­ab­hän­gi­ge Betei­li­gung an den Kos­ten einer Kita nicht abwegig.
Statt sich bei 50 Kitas ein­zu­tra­gen: War­um gibt es eigent­lich kei­ne zen­tra­le War­te­lis­te für Kita-Plätze?

Aber die­se not­wen­di­ge Siche­rung der Kin­der­be­treu­ung ist nicht die Auf­ga­be von ein­zel­nen, beruf­lich stark gefor­der­ten Eltern, son­dern die einer gan­zen Gemein­schaft bzw. des Staa­tes. Daher wie­ge ich gern die Dank­bar­keit für neue Errun­gen­schaf­ten in Ber­lin (Rechts­an­spruch auf kos­ten­freie Kin­der­be­treu­ung) gegen die Ver­säum­nis­se bei der Umset­zung des Rechts­an­spruchs auf.

Mein Fazit: Macht ruhig wei­ter so – erhebt wei­ter­hin Ansprü­che und kämpft für mehr Kita-Plät­ze. Und falls hier jemand eine Kita grün­den möch­te und kann, nur zu!

 


1 Kommentar
  1. Lie­ber Samu­el, vie­len Dank für dei­ne konstruktive(re), differenzierte(re), lebensnahe(re) und aktuelle(re) Per­spek­ti­ve auf die Kita- und Eltern-Situa­ti­on im Wedding!

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