Unsere Autor:innen sind nicht nur im Wedding unterwegs – sie sind mittendrin im Alltag. Im Supermarkt, auf dem Spielplatz oder beim Schlendern durchs Viertel: Überall warten Geschichten, Geräusche, Begegnungen. Und manchmal schreiben uns sogar Leser:innen direkt. So entstehen sie – diese kleinen, echten Kiezmomente. Alles Wedding.

Es machte schnell die Runde, dass der S-Bahnring mit den S 41 und S 42 am S Wedding in der Silvesternacht gesperrt wurde, weil ein Aufsichtshäuschen auf dem Bahnsteig brannte und 40 Feuerwehrleute zum Löschen im Einsatz waren.
So machte ich mich am Neujahrsmorgen auf den Weg, um ein paar Fotos vom Ort des Geschehens zu machen. Aber Halt!, schnell noch auf bvg.de nachsehen, ob die Züge fahren. Ist die Sperre schon aufgehoben? Ich schaue in die Verbindungssuche und sehe, dass die S42 unterbrochen ist, die S41 wird mit regelmäßigen S-Bahnzügen angezeigt. Nun habe ich verstanden, dass der Bahnhof frei ist, da Züge im S Wedding halten.
Als ich mit der U6 am Bahnhof Wedding ankomme, sehe ich vor einer mittig straff gespannten rotweißen Absperrleine eine Person stehen, an deren Körperhaltung mit zum oberen Viaduktgleis hoch gerecktem Kopf in starrer Pose man bereits erkennen kann, dass da etwas hakt. Ich spreche die Person an, weil ich recherchiert hatte und dachte, ich hätte etwas Aufklärendes zur Situation zu sagen. Die Person dreht sich um – und … wir erkennen uns und wünschen uns ein frohes neues Jahr mit Handschlag. Glück im Unglück.
Freude in einer Stresssituation, wie sich nun herausstellt. Es ist wenige Minuten vor 12 Uhr und sie müsse in spätestens 22 Minuten am Zug auf dem Regionalbahnhof Gesundbrunnen sein. Wie geht denn das? Ein junger Mann schaut eilig auf seinem Smartphone nach: Es soll SEV geben, aber nur der 120er Richtung Hbf. erscheint, weder ein Taxistand noch ein Hinweisschild bieten Informationen. Was nun? Nochmals ins hellgraue Kleingedruckte von bvg.de schauen? Mir wird klar, dass ich einen einzigen Klick zu wenig gemacht hatte, um zu erfahren, dass die Zugverbindung in frischem Hellgrün online zwar angeboten wird, aber nur als SEV. Ach so.
Da stehen wir zu dritt und jeder weitere Gedanke an Abhilfe kommt zu spät, denn ohne eine konkrete Orientierung auf die wirklich nötigen Verbindungen, die für Fahrgäste wie meine Bekannte mit der Ringbahn vorgesehen waren, fehlen. In 20 Minuten ist der ganze Weg auch mit Taxi nicht mehr zu schaffen.
Wenn 40 Feuerwehrleute im Einsatz waren und die Onlineauskünfte der BVG wenigstens für die Ringbahn Hinweise auf Sperrung geben, warum nicht besser noch ein sinnvoll beschriftetes Schild genau an dem die volle Breite des Zugangs zu den Bahnhofstreppen und Lift für all diejenigen, die an Neujahr mit der Regionalbahn oder dem Flieger heimfahren müssen? Bevor so ein Schild umgelegt oder verschleppt wird, wären aufgeklebte Fußstapfen mit „Hier entlang geht`s zum SEV“ auch sehr aufmerksam gewesen.
Ich grübele. Kann es dafür eine neue Regel geben? Eine Konvention? Eine besondere Art der Kennzeichnung bei spontanen Widrigkeiten?
Man kann nicht alles haben, schon gar nicht in den ersten Stunden eines neues Jahres…


Ich mache mich auf den Heimweg, und am U-Bahnhof Seestraße lockt der neue CITIR-Imbiss mit veritablen 5-Euro-Angeboten. Bevor ich mich zu früh freute, stehe ich im Laden, frage nach Chicken Döner und bekomme zur Auskunft, mir den frischen Spieß anzuschauen: „Sehen Sie!“ Dort dreht sich langsam ein vielleicht 90 Kilo schwerer, aber noch komplett roher Fleischspieß. Oh, wie schade. Wiederkommen? Ja gern, aber erst, wenn es schön brutzelig braun ist.
Die Straßen sind nicht so vermüllt wie in den Jahren zuvor. Draußen fegt der kalte Tizian, das heutige Sturmtief, über die Seestraße. Befreit uns von dem Feinstaub der letzten Nacht. Wenn sich sonst kein Lüftchen regt, dann immer wieder wenigstens hier an dieser großen Kreuzung Müller- Ecke Seestraße.
Das erste Yeah für `26 lässt also noch auf sich warten!
Links
https://sbahn.berlin/fahren/bauen-stoerung/bauen/816/auswirkung/1113


Meine Bekannte, die ich an Neujahr dort am abgesperrten, still stehenden S Wedding traf, teilt mir eben per e-Mail mit,
dass sie mit UBER den Zug binnen etwa 20 Minuten am Bhf Gesundbrunnen noch geschafft habe: wow, ist das gut!