Unsere Autor:innen sind nicht nur im Wedding unterwegs – sie sind mittendrin im Alltag. Im Supermarkt, auf dem Spielplatz oder beim Schlendern durchs Viertel: Überall warten Geschichten, Geräusche, Begegnungen. Und manchmal schreiben uns sogar Leser:innen direkt. So entstehen sie – diese kleinen, echten Kiezmomente. Alles echt, alles Wedding. Heute machen Kleider Leute.

Unser Müllplatz ist von einem Gitter eingehaust. Die Kinder lieben es, mit Fußbällen gegen den Metallzaun zu schießen (die Nachbarn weniger). Seit einiger Zeit hängen dort aber auch Kleiderbügel in Augenhöhe. In letzter Zeit hat es sich eingebürgert, ausrangierte Kleidungsstücke dort aufzuhängen – da der Müllplatz vor Regen geschützt ist, werden die Klamotten zumindest nicht nass. Und im Weg stehen sie auch nicht, Tiere kommen ebenfalls nicht an sie heran. Im Gegensatz zu den (mittlerweile verbotenen) „Zu verschenken“-Kisten vor manchem Hauseingang ist dieser stille Kleidertausch sehr beliebt. Selten bleibt ein Kleidungsstück (immer auch in gutem Zustand, nie zerlumpt) länger als einen Tag dort hängen. So haben wir an einer Stelle, an deren Nachbar:innen aus verschiedenen Aufgängen regelmäßig vorbeikommen, einen kleinen Kiez-Flohmarkt bekommen. Und solange das nicht überhand nimmt, finde ich diesen Austausch durchaus sympathisch. Ob schon einmal jemand einem Nachbarn begegnet ist, der sein altes Kleidungsstück wiedererkannt hat? Ich werde in Zukunft einmal darauf achten.


Nicht zuletzt sind Kleidertauschpartys angesagt, Flohmärkte gut besucht und die NochMall in Reinickendorf zeigt, dass das ganze Thema Second Hand niemals aus der Mode kommt.