Hat das Parkcafé Rehberge eine Zukunft?

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(c) Marie Wieland
© Marie Wieland

aktua­li­siert Febru­ar 2017

Seit dem 31. Dezem­ber 2014 ist das belieb­te Aus­flugs­lo­kal im Volks­park Reh­ber­ge nun schon geschlos­sen. Fri­scher Kuchen, hei­ßer Kaf­fee und bei Bedarf eine küh­le Ber­li­ner Wei­ße mit Schuss? Das Park­ca­fé im Her­zen der Reh­ber­ge, direkt an der Cat­cher­wie­se gele­gen, war über vie­le Jah­re hin­weg der Garant für einen gemüt­li­chen Nach­mit­tag in der Son­ne. Wer einen Aus­flug in den Volks­park unter­nahm oder das Wild­tier­ge­he­ge besuch­te, der lan­de­te spä­ter oft an einem der Tische des Park­ca­fés. Seit der Schlie­ßung ver­fällt die bau­li­che Sub­stanz zuse­hends, obwohl sich die Wed­din­ger nichts sehn­li­cher wün­schen, als dass es mit dem zur Insti­tu­ti­on gewor­de­nen Aus­flugs­lo­kal end­lich wei­ter gehen kann.

Im März 2015 beant­wor­te­te Bau­stadt­rat Cars­ten Spal­lek (CDU) die Anfra­ge der BVV ob der Zukunft des Park­ca­fés offi­zi­ell noch mit den Wor­ten: “Nach­dem der Päch­ter ver­stor­ben war, wur­den von mei­nen Mitarbeiter_innen Recher­chen ange­stellt, um even­tu­el­le Erben aus­fin­dig zu machen. Bis­her blieb dies ohne Erfolg. Da ehe­ma­li­ge Mit­ar­bei­ter des Restau­rants anfin­gen, uner­laubt Mate­ri­al und Ein­rich­tungs­ge­gen­stän­de zu ent­fer­nen, wur­den die Schlös­ser aus­ge­wech­selt und das Objekt abge­si­chert.” Wei­ter­hin führ­te er aus: “Da der bau­li­che Zustand des Gebäu­des äußerst man­gel­haft ist, kann das Café zur­zeit nicht wei­ter ver­mark­tet werden.”

Parkcafé RehbergeSeit­dem konn­te man als Besu­cher der Reh­ber­ge dabei zuschau­en, wie sich der Zustand des Gebäu­des Tag um Tag ver­schlech­ter­te. Die Außen­be­leuch­tung wur­de demo­liert, Kabel hin­gen her­un­ter, ohne dass sich eine Erbe für das vom Bezirks­amt ver­pach­te­te Objekt auf­fin­den ließ. Da es sich um eine Erb­pacht han­del­te, war es den durch­aus moti­vier­ten Ange­stell­ten des Park­ca­fés ver­wehrt wor­den, den Café-Betrieb in die eige­nen Hän­de zu nehmen.

Nach außen herrsch­te Still­stand. Sicher war ledig­lich, dass man die Suche nach mög­li­chen Erben auf­ge­ben muss­te. Damit bot sich dem Bau­stadt­rat natür­lich die güns­ti­ge Gele­gen­heit, sich der Immo­bi­lie unbe­merkt zu ent­le­di­gen. Eine Aus­schrei­bung des Gebäu­des wür­de nicht mehr zur Pacht, son­dern zum Kauf unter Auf­la­gen erfol­gen. Von Gewer­be­trei­ben­den und umtrie­bi­gen Wed­din­gern hör­te man indes Unter­schied­li­ches: “Wenn ich das Geld hät­te, wür­de ich das Park­ca­fé sofort kau­fen und ein Kin­der­ca­fé draus machen!” ver­riet mir eine befreun­de­te Tier­arzt­an­ge­stell­te. Auf unse­rer Wed­ding­wei­ser-Face­bok-Sei­te kamen neben Crowd­fun­ding-Ideen ähn­li­che Ideen zu Tage. “Davon wür­de ich die Fin­ger las­sen. Was allein die Sanie­rung der Roh­re kos­ten dürf­te.. Nein, viel zu viel Risi­ko für eine Per­son!”, wink­te ein Gas­tro­nom aus dem benach­bar­tem Afri­ka­ni­schen Vier­tel auf mei­ne Fra­ge nach sei­ner Vor­stel­lung von einem Park­ca­fé vehe­ment ab. Sei­ne eige­ne Knei­pe ist längst geschlossen.

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Dann ent­deck­te eine auf­merk­sa­me Spa­zier­gän­ge­rin und Wed­ding­wei­ser-Lese­rin vor dem ehe­ma­li­gen Park­ca­fé einen eilig zusam­men gestell­ten Ver­kaufs­stand, der neben Tel­lern, Besteck und Glä­sern auch Tei­le des Mobi­li­ars sowie die Spei­se­kar­ten zu güns­ti­gen Prei­sen bzw. kos­ten­los anbot. Hier­für gibt es zwei mög­li­che Erklä­run­gen: Ent­we­der, die ehe­ma­li­gen Mit­ar­bei­ter haben die Stü­cke, die sie bis zum Aus­tausch des Tür­schlos­ses mit­ge­nom­men haben, hier ange­bo­ten. Oder ein poten­ti­ell neu­er Käu­fer ent­le­digt sich der beweg­li­chen Mas­se, bevor es an die Reno­vie­rungs­maß­nah­men geht. Augen­zeu­gen berich­ten von Arbei­ten inner­halb des Gebäu­des. Auch der Lie­fer­wa­gen und der rand­voll gefüll­te Con­tai­ner vor dem Café spre­chen dafür. Oder gibt es viel­leicht noch eine drit­te Antwort?

Wer von unse­ren Lesern weiß, wie es um die Zukunft des Park­ca­fés bestellt ist? Sofern es denn über­haupt eine Zukunft gibt. Mel­det euch und teilt euer Wis­sen. Die Aus­sicht auf ein neu­es Park­ca­fé im Som­mer lie­ße den Win­ter doch gleich viel weni­ger düs­ter erscheinen.

Nach­trag: Auf Anfra­ge der Zeit­schrift “Ecke Mül­ler­stra­ße” teil­te Bau­stadt­rat Cars­ten Spal­lek mit, sein Amt prü­fe der­zeit den Sanie­rungs­be­darf des Gebäu­des, ins­be­son­de­re was die sani­tä­ren Anla­gen angeht. Sei der Auf­wand sehr hoch, müs­se man aller­dings über­le­gen, ob die Kos­ten noch im Ver­hält­nis zu einem beschei­de­nen Pach­tertrag stün­den. Die Zukunft des Park-Cafés ist also wei­ter­hin unge­wiss. (Ecke Mül­ler­stra­ße, Aus­ga­be Juni/Juli 2016)

Im Febru­ar 2017 schrieb die Ber­li­ner Woche, dass die Frak­ti­on der Links­par­tei in der BVV das Bezirks­amt auf­for­dern wird, ein Finan­zie­rungs­kon­zep­te für die Sanie­rung, zum Bei­spiel für eine inter­kul­tu­rel­le Kul­tur- und Begeg­nungs­stät­te, zu ent­wi­ckeln. Eine wirt­schaft­lich sinn­vol­le Nut­zung als rei­ne Gast­stät­te sei nicht möglich. 


Text und Bil­der (sofern nicht anders ange­ge­ben): Tobi­as Weber

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