Galerie Wedding: Wer bin ich und wer bist du?

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Ausstellungseröffnung I AM LARGE in der Galerie Wedding (c) Foto von Susanne Haun

Bis zum 15. Juli zeigt die Gale­rie Wed­ding im Rat­haus Wed­ding in der Mül­ler­stra­ße die Aus­stel­lung „I Am Lar­ge, I Con­tain Mul­ti­tu­des“. Sie fragt mit den Expo­na­ten nach den Din­gen, die dem Leben einen Sinn geben und wie eine erfolg­rei­che Selbst­in­sze­nie­rung gelin­gen kann. Frei über­setzt lau­tet der Titel der Aus­stel­lung „Ich bin selbst­be­wusst und besit­ze vie­le Fähigkeiten“.

Galerie Wedding – das Jahresprogramm

Die Aus­stel­lung fin­det im Rah­men des Jah­res­pro­gramms UP – Unsus­tainab­le Pri­vi­le­ges (Unhalt­ba­re Pri­vi­le­gi­en) statt. Auf der Gale­rie­sei­te kann man lesen, dass der Bevöl­ke­rungs­an­teil der Migran­ten im Wed­ding 75 Pro­zent  beträgt (Quel­le). Ziel des Pro­gramms UP ist es, her­aus­zu­fin­den, wie sich Ber­lin und die Gesell­schaft auf­grund des Ein­flus­ses der Migran­ten ver­än­dert hat und ver­än­dern wird.

Erst über die Hemmschwelle treten
Einblick in die Ausstellung I AM LARGE in der Galerie Wedding (c) Foto von Susanne Haun
Ein­blick in die Aus­stel­lung „I Am Lar­ge, I Con­tain Mul­ti­tu­des“  in der Gale­rie Wed­ding. Foto: Susan­ne Haun

Die Hemm­schwel­le durch die Tür der Gale­rie zu tre­ten  ist bei einer gro­ßen Anzahl von Wed­din­ge­rin­nen und Wed­din­gern groß. Oft­mals steckt die Angst dahin­ter, die dar­ge­bo­te­ne Kunst nicht zu ver­ste­hen und sich mit der eige­nen Unwis­sen­heit zu bla­mie­ren. Es ist rich­tig, dass die gezeig­ten Wer­ke in der kom­mu­na­len Gale­rie Wed­ding sich dem Betrach­ter und der Betrach­te­rin oft nicht intui­tiv erschlie­ßen. Jedoch sind wäh­rend der Öff­nungs­zei­ten kom­pe­ten­te Ansprech­part­ne­rin­nen zuge­gen, die ger­ne mit dem Besuch über die Inten­ti­on der Aus­stel­lung sowie die der Künst­le­rin­nen und Künst­ler reden und diskutieren.

Nadia Pilchow­ski schreibt in ihrem Papier „Leben im Beson­de­ren“, dass im mul­ti­kul­tu­rel­len Arbei­ter­be­zirk das alte mit dem neu­en, oft inter­na­tio­nal ori­en­tier­ten Publi­kum, ver­schmol­zen wer­den soll.

Die Aus­stel­lung ist von Nadia Pilchow­ski kura­tiert wor­den. Die wich­tigs­te Auf­ga­be der Kura­to­rin ist die Beglei­tung der Künst­le­rin­nen und Künst­ler wäh­rend der Vor­be­rei­tung der Aus­stel­lung. Sie schaut sich die Arbei­ten an, sucht aus, was zusam­men­ge­hö­ren könn­te, sie ist die ers­te Betrach­te­rin der Arbei­ten. Sie schreibt die Pres­se­mit­tei­lung und spricht mit der Pres­se. Sie sorgt für den rei­bungs­lo­sen Ablauf des Aus­stel­lungs­auf­baus, der Ver­nis­sa­ge und plant auch die Ver­an­stal­tun­gen wäh­rend der Aus­stel­lungs­zeit. Genau sie ist es auch, die eine kon­ti­nu­ier­li­che Gale­rie­be­treu­ung wäh­rend der Aus­stel­lung orga­ni­siert. Kura­to­rin und Gale­rie­be­treu­ung freu­en sich über vie­le Fra­gen von inter­es­sier­ten Wed­din­ge­rin­nen und Wed­din­gern. Der Wort­stamm von Kura­tor kommt übri­gens vom latei­ni­schen Wort cura­tor, „Pfle­ger“, „Ver­tre­ter“ oder „Vor­mund“, sowie von cur­a­re, „Sor­ge tra­gen“, „sor­gen um“. Das Wort ist hier also Pro­gramm. Nadia Pilchow­ski hat Arbei­ten von acht Künst­le­rin­nen und Künst­lern aus­ge­wählt, die sich mit dem The­ma der Selbst­in­sze­nie­rung beschäftigen.

Künstlerinnen, Künstler
Marco Bruzzone vor seinem Werk in der Ausstellung I AM LARGE (c) Foto von Susanne Haun
Mar­co Bruz­zo­ne vor sei­nem Werk. Foto: Susan­ne Haun

Die Aus­wahl der Kunst­wer­ke ist gelun­gen, der Besu­che­rin oder dem Besu­cher wird Kunst für alle Sin­ne gebo­ten.  Beim Betre­ten der Gale­rie fällt die 220 mal 350 Zen­ti­me­ter gro­ße Lein­wand “Lau­pip­se” von Don­na Huan­ca sofort ins Auge. Sie ist nicht nur von der Grö­ße und den Far­ben beein­dru­ckend, son­dern kom­mu­ni­ziert auch per­fekt mit ihrer plas­ti­schen Arbeit.

Eine Stim­me, die schein­bar aus dem Nichts kommt, liegt über der gesam­ten Aus­stel­lung. Spricht sie den Besu­cher an? Han­na Lip­par­ds Sound “The Sse­cret od Ssuc­ceSs iSs in the Ss-eSs” han­delt vom Erfolg, den sich jeder Mensch wünscht und sie spricht von der Mis­si­on, die ein Busi­ness am Küchen­tisch mit sich bringt. Mit Mar­co Bruz­zo­ne, dem in Ber­lin Kreuz­berg leben­den Ita­lie­ner, hat­te Autorin Susan­ne Haun die Mög­lich­keit, ein Gespräch zu füh­ren. Er beschäf­tigt sich mit natio­na­ler und indi­vi­du­el­ler Iden­ti­tät in sei­nem auch für den All­tag gebräuch­li­chen, aus­ge­stell­ten Pflan­zen­stän­der mit dem Titel „Man on Plant-Stand in Aero­cer­a­mi­ca-Style“. Die nach sei­nen Ent­wür­fen in der Drechs­le­rei Hei­der gestal­te­te Pflan­zen­säu­le beinhal­tet fünf Por­träts, die durch Dre­hung des Gesichts­pro­fils um 360 Grad ent­stan­den sind. Es erfor­dert vom Betrach­ter ein genau­es Hin­schau­en, um die Unter­schied­lich­keit der gedrech­sel­ten Ele­men­te zu erken­nen. Was auf dem ers­ten Blick iden­tisch erscheint, erweist sich als meh­re­re indi­vi­du­el­le Gestal­ten, ein­ge­bet­tet in einen Nutzgegenstand.

Ausstellungseröffnung I Am Large, I Contain Multitudes in der Galerie Wedding (c) Foto von Susanne Haun
Bei der Aus­stel­lungs­er­öff­nung herrscht reges Trei­ben. Foto: Susan­ne Haun

Des Wei­te­ren stel­len Ed For­nie­les, die Künst­le­rin­nen­grup­pe FORT, Grace Wea­ver, Lau­ryn You­den und Liping Ting ihre Wer­ke in der Aus­stel­lung vor. Die Künst­le­rin­nen und Künst­ler sind in Lon­don, New York, Nor­we­gen, Kana­da, Tai­wan, Boli­vi­en und Ita­li­en, sowie in Deutsch­land gebo­ren und spie­geln so die mul­ti­kul­tu­rel­le Mischung des Wed­dings wieder.

Begleitprogramm
Einblick in die Ausstellung I AM LARGE in der Galerie Wedding (c) Foto von Susanne Haun
Aus­stel­lung „I Am Lar­ge, I Con­tain Mul­ti­tu­des“. Foto: Susan­ne Haun
  • Per­for­mance Yuan Fang 遠方 von Liping Ting am Sonn­tag, den 24. Juni von 16 bis 17.30 Uhr
  • Rund­gang durch die Aus­stel­lung mit Kura­to­rin Nadia Pilchow­ski am Don­ners­tag, den 28. Juni von 17 bis 18 Uhr
  • Per­for­mance “You Say I For Me” von Lau­ryn You­den in Koope­ra­ti­on mit Flo­ri­an T M Zei­sig am Sonn­tag, den 8. Juli von 19 bis 20.30 Uhr
  • Son­der­öff­nungs­zei­ten wäh­rend der Aus­stel­lung: Sonn­tag, den 24. Juni, den 8. und 15. Juli

 

Gale­rie Wed­ding – Raum für zeit­ge­nös­si­sche Kunst Mül­ler­stra­ße 146/147 , Diens­tag bis Sams­tag 12–19 Uhr geöff­net, bar­rie­re­frei zugäng­lich, Ein­tritt frei

 

Als Kunst­his­to­ri­ke­rin beein­druckt Susan­ne Haun das Kon­zept, dem die Kura­to­ren Bona­ven­ture Soh Bejeng Ndi­kung und Sol­vej Hel­weg Ove­sen kon­se­quent seit 2015 nach­ge­hen. Als Wed­din­ge­rin wünscht sie sich, dass die Ver­schmel­zung vom alten und neu­en Wed­ding, von der Nadia Pilchow­ski spricht, sicht­ba­rer im Aus­stel­lungs­kon­zept zu erken­nen wäre und  das  Gale­rie­kon­zept weni­ger ver­kopft und damit zugäng­li­cher für den Wed­din­ger an sich wäre.

Susanne Haun

Susanne Haun studierte Kunstgeschichte und Philosophie an der Freien Universität Berlin. Seit 2002 ist sie als Bildende Künstlerin und Autorin in Berlin aktiv.
Von 1993-2005 arbeitete sie als Systemanalytikerin und Entwicklerin für verschiedene ARD Sendeanstalten.

Als Autorin veröffentlicht sie seit März 2009 täglich Beiträge zur eigenen Kunst und Kunstgeschichte in ihrem Blog www.susannehaun.com und interagiert dort sowie auf weiteren Social Media Plattformen mit über 12.000 Follower. Zudem unterhält Susanne Haun einen Kunstsalon in ihrem Atelier. Hier werden regelmäßig aktuelle Themen zur Kunst von geladenen Gästen referiert und diskutiert.

4 Comments

  1. Hal­lo Susan­ne, dei­ne Wün­sche an die Aus­stel­lung tei­le ich. Ich habe auch Schwel­len­angst beim Betrach­ten der lee­ren Gale­rie. Aber viel­leicht liegt das dar­an, dass der Wed­ding selbst so facet­ten­reich ist, dass ein zusätz­li­cher Kunst­raum mich ein­fach überfordert.

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