Eine fröhliche Frühstücksrunde: Birsen Hamut, Mariam Fandi, Emilia Witwer-van de Loo (mit Mariams Sohn). Foto: Stephanie Esser
Eine fröh­li­che Früh­stücks­run­de: Bir­sen Hamut, Mari­am Fan­di, Emi­lia Wit­wer-van de Loo (mit Mari­ams Sohn). Foto: Ste­pha­nie Esser

Sie sind irgend­wann aus der Tür­kei, dem Liba­non, aus Polen nach Ber­lin gekom­men und leben heu­te im Brun­nen­vier­tel: Bir­sen Hamut, Mari­am Fan­di und Emi­lia Wit­wer-van de Loo. Regel­mä­ßig tref­fen sich die drei Frau­en zum Früh­stück und pfle­gen damit ihre inter­kul­tu­rel­le Freund­schaft. Wir über­neh­men den Bei­trag über die inter­kul­tu­rel­le Freund­schaft aus dem Kiez­ma­ga­zin “brun­nen”.

Begon­nen hat alles 2008 in der Kita Wol­gas­ter Stra­ße. Über ihre Kin­der kamen Bir­sen Hamut, Mari­am Fan­di und Emi­lia Wit­wer-van de Loo ins Gespräch. Bir­sen fiel auf, wie gedul­dig Emi­lia mit ihrer Toch­ter umging. ‚Die hat die Ruhe weg‘, dach­te sie bewun­dernd. Eine enge Freund­schaft ent­stand aus der Begeg­nung zwi­schen den drei Frau­en, die im Brun­nen­vier­tel leben und aus unter­schied­li­chen Kul­tur­krei­sen stammen.

Die Mut­ter­spra­che von Mari­am Fan­di, gelern­ter Zahn­arzt­hel­fe­rin, ist Ara­bisch. Die gläu­bi­ge Mus­li­ma ist im Liba­non gebo­ren und kam mit ihrer Fami­lie 1979 als Kriegs­flücht­ling nach Ber­lin. AmAn­fang war es schwer. Die deut­schen Kin­der woll­ten nichts von ihnen wis­sen, in der Schu­le wur­den die Aus­län­der von den Leh­rern igno­riert. „Ich weiß nicht, wie ich Lesen und Schrei­ben gelernt habe“, sagt sie. Ankommen im WeddingNach­barn ist es zu ver­dan­ken, dass sie Deutsch lern­te und ihren Schul­ab­schluss machen konn­te. Mari­am legt gro­ßen Wert auf die Aus­bil­dung ihrer sechs Kin­der, vor allem der Töch­ter, und enga­giert sich als Kiez­mut­ter im Brun­nen­vier­tel. „Wir stel­len vie­le Ver­an­stal­tun­gen auf die Bei­ne und kön­nen den Bewoh­nern oft schnell und unbü­ro­kra­tisch helfen.“

Emi­lia Wit­wer-van de Loo ist in Polen mit dem schwei­ze­risch-deut­schen Namen ‚Wit­wer‘ gebo­ren. Zu Hau­se hat sie nur Pol­nisch gespro­chen. 1986 konn­te sie dank eines Sti­pen­di­ums in der DDR Medi­zin stu­die­ren, nach der Wen­de been­de­te sie das Stu­di­um in Bochum. Sie hei­ra­te­te einen Deut­schen mit dem nie­der­län­di­schen Namen ‚van de Loo‘. „Ich wer­de oft für eine Hol­län­de­rin gehal­ten“, erzählt sie. Emi­lia ist Ärz­tin für Gynä­ko­lo­gie und Geburts­hil­fe in Span­dau und vor vie­len Jah­ren aus Über­zeu­gung aus der katho­li­schen Kir­che aus­ge­tre­ten. Ihre bei­den Töch­ter, neun und zehn Jah­re alt, besu­chen die Vine­ta-Grund­schu­le. Emi­lia lebt gern im Brun­nen­vier­tel. Sie fin­det, dass es offe­ner und hel­ler gewor­den ist und schätzt die neu­en klei­nen Läden, die von den jun­gen Leu­ten eröff­net wer­den. Die guten Ein­kaufs­mög­lich­kei­ten (Kaiser’s und Aldi) ver­misst sie jedoch sehr.
Bir­sen Hamut kam mit 13 Jah­ren aus der Tür­kei nach Ber­lin-Ste­glitz. „Wir waren die ein­zi­gen Aus­län­der im Kiez. Vie­le waren gegen uns und haben das auch gezeigt.“ Bir­sen jedoch ließ sich nichts gefal­len und ging ihren Weg. Seit ihrem 16. Lebens­jahr bereis­te die Tür­kin mit dem Ruck­sack allein die Welt. Sie erkun­de­te Euro­pa, Thai­land, Viet­nam, Aus­tra­li­en. Für ein paar Jah­re leb­te sie sogar in Thai­land und spricht auch die Spra­che. Als ihre Kin­der kamen, gab sie das Rei­sen auf. Heu­te ist die Mus­li­ma Eltern­spre­che­rin und kennt den Kiez in- und aus­wen­dig. Sie bedau­ert den Weg­zug der Biblio­thek und wünscht sich mehr Sport­mög­lich­kei­ten für die Kin­der. „Da könn­te man noch eine gan­ze Men­ge tun“, sagt sie.

„Wir machen alles zusam­men“, sagen Mari­am, Emi­lia und Bir­sen. „Wir fei­ern Schul­fes­te und Geburts­ta­ge, gehen zum Later­nen­um­zug und unter­stüt­zen uns bei all­täg­li­chen Pro­ble­men.“ Die drei Frau­en tref­fen sich regel­mä­ßig zum  gemein­sa­men Früh­stück, zu dem Mari­am momen­tan ihren ein­jäh­ri­gen Sohn mit­bringt. Wäh­rend Bir­sen und Mari­am sich ums Essen küm­mern, läuft Emi­lia mit dem Klei­nen durch die Woh­nung. „Bir­sen war bei sei­ner Geburt dabei“, erzählt Mari­am. „Ich habe sie gebe­ten, tür­kisch mit ihm zu spre­chen, denn er soll vie­le Spra­chen lernen.“

So erfährt auch das jüngs­te der ins­ge­samt zwölf Kin­der schon, wie berei­chernd die inter­kul­tu­rel­le Freund­schaft zwi­schen ihren Müt­tern und deren Fami­li­en ist.

Text und Fotos: Ste­pha­nie Esser/brunnen

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