Fleischerei Haroun: Vertrauenssache

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Außenansicht der Fleischerei Haroun - Foto: S. Orsenne
Außen­an­sicht der Flei­sche­rei Haroun – Foto: S. Orsenne

An der unwirt­li­chen Prin­zen­al­lee, zwi­schen dem U‑Bahnhof Pankstra­ße und der Bel­ler­mann­stra­ße, gibt es eine stadt­weit bekann­te Insti­tu­ti­on: die Flei­sche­rei Haroun. Ihr Besit­zer Youcef Haroun ist der in sei­ner Fami­lie tra­di­ti­ons­rei­chen Beru­fung zum Flei­scher gefolgt. Sein nach der im Maghreb übli­chen Tra­di­ti­on ver­ar­bei­te­tes Fleisch in Halal-Qua­li­tät zau­bert Ken­nern ein Lächeln auf die Lip­pen. Und auch der freund­li­che Umgang mit den Kun­den, die fach­kun­di­ge Behand­lung von Fleisch- und Wurst­wa­ren sind Grün­de, die­sen klei­nen Laden auf­zu­su­chen, selbst wenn man nicht um die Ecke wohnt.

Fan­gen wir gleich mit einer Anek­do­te an: Mein Vater, sei­nes Zei­chens Koch aus Frank­reich, ver­brach­te mal eine geschla­ge­ne Stun­de in der Flei­sche­rei, obwohl er eigent­lich nur ein Steak kau­fen woll­te. Ein kur­zes Gespräch mit einer ande­ren Kun­din, ein Wort gab das ande­re, bis es dann in einer gro­ßen Dis­kus­si­on zwi­schen den anwe­sen­den Flei­schern und ande­ren Kun­den aus­ar­te­te. Es ging dar­um, wer das bes­te Rezept hat und wel­che Bei­la­gen das per­fek­te Menü kom­plet­tie­ren würden.

In der Fleischerei in der Prinzenallee. Foto: S. Orsenne
In der Flei­sche­rei in der Prin­zen­al­lee. Foto: S. Orsenne

Und das macht die­se Flei­sche­rei aus: Unsi­che­ren Kun­den hilft Youcef gern mit Zube­rei­tungs­tipps sowie dem pas­sen­den Gewürz aus. Der Flei­scher­be­ruf war Youcef zwar in die Wie­ge gelegt, aber bis er im Jahr 2010 sei­ne Flei­sche­rei eröff­ne­te, führ­te der Lebens­weg des aus der Haupt­stadt Algier stam­men­den Alge­ri­ers über sei­nen Mili­tär­dienst in der Saha­ra erst ein­mal in die DDR. Dort wur­den Gast­ar­bei­ter aus befreun­de­ten sozia­lis­ti­schen Staa­ten ange­wor­ben, und so kam es, dass Haroun Anfang der 1980er Jah­re im IFA-Werk Lud­wigs­fel­de als Dreh­er­lehr­ling landete.

Die Produktpalette
Youcef Haroun und seine Familie in der Fleischerei Haroun. Foto: Samuel Orsenne
Youcef Haroun und sei­ne Fami­lie in der Flei­sche­rei Haroun. Foto: Samu­el Orsenne

Youcef hat sei­ne Stamm­kun­den – er ist fest ver­an­kert in der fran­zö­sisch­spra­chi­gen, aber auch in der deut­schen und sogar der rumä­ni­schen bezie­hungs­wei­se bul­ga­ri­schen Com­mu­ni­ty. Wel­che Pro­duk­te die­se Kun­den beson­ders zu schät­zen wis­sen: Die schar­fen Mer­guez-Würst­chen (tra­di­tio­nell oder nach Art des Hau­ses) sind ers­te Klas­se, wer­den frisch zube­rei­tet und sind nicht sel­ten aus­ver­kauft, beson­ders im Som­mer.  Vor allem in der Grill­sai­son kön­nen auch gan­ze Plat­ten bestellt wer­den, wel­che dann eine Aus­wahl Grill­gut bie­ten. Auch die mari­nier­ten Hühn­chen sind groß­ar­tig, mit Zitro­nen und fei­nen Kräu­tern gewürzt. Ger­ne kann in der Flei­sche­rei auch auf ara­bisch oder fran­zö­sisch bestellt werden.

Die Flei­sche­rei nennt sich nicht ganz zu Unrecht “Bou­che­rie de con­fi­an­ce” – Flei­sche­rei des Ver­trau­ens. Ich bin jeden­falls froh, dass es so etwas bei uns im Wed­ding gibt.

Flei­sche­rei Haroun, Prin­zen­al­lee 13, Mo-Sa 8–19 Uhr geöffnet

Text: Samu­el Orsen­ne und Joa­chim Faust, Fotos: Samu­el Orsenne

 

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