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Falsches Gerücht: Lärm stoppt Schulbau nicht

Stimmt es? In einem Brief an die Wed­din­ger All­ge­mei­ne Zei­tung äußer­te ein Leser die Ver­mu­tung, dass die lau­te See­stra­ße für einen Bau­stopp bei der neu­en Grund­schu­le in der Rei­ni­cken­dor­fer Stra­ße sor­ge. Die kur­ze Ant­wort lau­tet: nein.

Brache Reinickendorfer Straße
Unter­bre­chung der Bau­ar­bei­ten in der Rei­ni­cken­dor­fer Stra­ße. Foto: And­rei Schnell 

Und hier die aus­führ­li­che Ant­wort: Zwar gab es eine drei­mo­na­ti­ge Unter­bre­chung der Bau­ar­bei­ten. Das sei „der Aus­schrei­bung eines Gene­ral­un­ter­neh­mers von­sei­ten der Senats­ver­wal­tung geschul­det‟, sagt Stadt­rä­tin Ste­fa­nie Rem­lin­ger. Doch die lau­te See­stra­ße sei kein Pro­blem für die neue Schu­le auf dem Gelän­de des 2019 abge­ris­se­nen Hau­ses der Gesundheit.

Auf den ers­ten Blick klingt die Fra­ge des Lesers para­dox, weil eine Fra­ge näher liegt: Ob nicht der Pau­sen­hof der neu­en Schu­le für die angren­zen­den Senio­ren­wohn­an­la­gen zu laut sein wür­de. Aber tat­säch­lich muss beim Neu­bau auch anders­her­um gedacht wer­den. Nicht nur der Lärm­aus­stoß zählt, auch der Lärm­emp­fang muss beach­tet wer­den. Bau­her­ren müs­sen über­le­gen, wie sie ihr neu­es Gebäu­de aus­stat­ten und gestal­ten, wenn sie es direkt neben Bahn­glei­se oder Auto­bah­nen errich­ten. Im kon­kre­ten Fall der neu­en Grund­schu­le soll die öffent­li­che Hand den „Ber­li­ner Leit­fa­den – Lärm­schutz in der ver­bind­li­chen Bau­leit­pla­nung‟ beach­ten. Dort gibt es ein Kapi­tel zum Schul­neu­bau in lau­ten Gebie­ten. Aller­dings sind dort ledig­lich Emp­feh­lun­gen auf­ge­lis­tet, kei­ne recht­lich bin­den­den Gebo­te. Als Faust­for­mel gilt laut Leit­fa­den der „stö­rungs­freie Unter­richt‟. In dem Leit­fa­den heißt es, dass bei 55 Dezi­bel Außen­lärm im Klas­sen­raum auch bei gekipp­ten Fens­tern 35 bis 40 Dezi­bel zu erwar­ten sind. Ein Wert, bei dem „ein weit­ge­hend stö­rungs­frei­es Unter­rich­ten noch mög­lich‟ ist. Zum Ver­gleich: Eine nor­ma­le Unter­hal­tung in Zim­mer­laut­stär­ke ent­spricht 50 Dezi­bel. Ab 60 wird es laut, Lärm beginnt bei 70 Dezi­bel. Die Lärm­kar­te des Lan­des Ber­lin (Stand 2017) zeigt für das Grund­stück Rei­ni­cken­dor­fer Stra­ße Ecke See­stra­ße einen Lärm auf­grund des Auto­ver­kehrs von min­des­tens 55 Dezi­bel. Der Wert steigt an auf bis zu 70 Dezi­bel. Auch des­halb sagt die Stadt­rä­tin Ste­fa­nie Rem­lin­ger, „dass die Lärm­fra­ge an der See­stra­ße, Rei­ni­cken­dor­fer Stra­ße – gera­de auch wegen der Ampel – mir durch­aus Sor­gen berei­tet‟. Der Bezirk kön­ne im klei­nen Bei­trag etwas leis­ten, denn ich „beab­sich­ti­ge, die Fra­ge von bio­lo­gi­schen Lärm­schutz­wän­den zu prü­fen bezie­hungs­wei­se zu ver­an­las­sen‟. Recht­li­che und gesetz­li­che Anfor­de­run­gen, die nicht bloß Emp­feh­lun­gen sind, gibt es in Ber­lin für Lärm auf­grund von Stra­ßen­ver­kehr nicht.

Bau­her­rin der geplan­ten vier­zü­gi­gen Grund­schu­le ist die Senats­ver­wal­tung für Bau­en. Schall­schutz­fens­ter oder ähn­li­che Din­ge lie­gen in ihrer Ver­ant­wor­tung. Die Pla­nun­gen der Schul­bau­of­fen­si­ve mit Stand Mai die­ses Jah­res gehen von einem Bau­start 2023 aus. Mit dem Schul­jahr 2024/25 soll der Unter­richt begin­nen. Die neue Schu­le soll Platz bie­ten für 576 Kin­der. Kal­ku­liert wird mit Kos­ten von 40 Mil­lio­nen Euro. Auch eine gro­ße Sport­hal­le sehen die Pla­nun­gen vor.

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Der Text stammt aus der Wed­din­ger All­ge­mei­nen Zei­tung (–> E‑Paper), der gedruck­ten Zei­tung für den Wed­ding. Geschrie­ben wur­de er von And­rei Schnell. Wir dan­ken dem RAZ-Verlag!

Andrei Schnell

Meine Feinde besitzen ein Stück der Wahrheit, das mir fehlt.

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