Einem Weddinger Logistiklager-Mitarbeiter reicht’s

Eine Rolle hätten wir noch

Alle reden von denen, die unser Land am Laufen halten in dieser Zeit. Leider hört ihnen kaum jemand zu. Auf unserer Weddingweiser Pinnwand, der Facebookgruppe für alle Themen, die die Weddinger bewegen, hat unser Mitglied Dustin seinem Ärger jetzt einmal richtig Luft gemacht. Er arbeitet in einem Lebensmittellager, ist also durchaus „systemrelevant“. Allerdings: Obwohl er direkt „an der Quelle“ ist, bekommt er selbst kaum noch Artikel im Supermarkt. Grund sind die Hamsterkäufe, die dazu führen, dass nach Schichtende die Regale leer sind.

Alles zugeparkt

„Ich arbeite in einem großen Lebensmittellogistiklager mit vollem Ehrgeiz. Besonders in dieser Zeit ist es schön zu wissen, wie wichtig dieser Job eigentlich ist. Wir ackern momentan alle hart, um die Märkte zu füllen. Wir machen Überstunden, verzichten gerne auf freie Tage, verschieben unseren Urlaub…  Danke dafür an alle, die im Moment alles geben… natürlich auch in den anderen Branchen.

Jedoch: Wenn ich Feierabend habe und durch unser volles Lager (wo übrigens auch gaaanz viel Klopapier ist) zum Ausgang gehe und meinen Weg zurück nach Berlin mit dem PKW antrete, kommt Problem 1. In unserer Straße sowie in der Müllerstraße sind zahlreiche Baustellen. Viele Menschen verlassen das Haus nicht mehr. Das hat den Effekt, dass es keine Parkplätze mehr gibt (was ohnehin schon immer problematisch war). Heißt : Ich brauche nach der Arbeit noch circa mindestens eine Stunde , um einen Parkplatz zu finden. Nun gut. Verständlich momentan.

Abgerädert und ausgelaugt komme ich zu Hause an und trete zu Fuß den Weg zum Supermarkt an.  Und nun?! Gähnende Leere. Wie schon die Tage und die Woche zuvor.  Die Leute, die im Moment in allen Sparten hart ackern, sind total am A****! Wir liefern alles aus und gucken selber ins Leere. Als hätten wir nicht alle schon genug Stress.

Mit Klopapier kann man nicht tapezieren

Die Keller müssen doch langsam mal voll sein. Ich kann langsam keine Pizza und kein Hack (was ich alles schon vor Wochen gekauft hatte) mehr sehen. Ich würde auch gern mal was Frisches essen. Wann kommt denn endlich mal die Einsicht, dass man Klopapier nicht tapezieren kann?

Und tut mir einen Gefallen… lasst die Mitarbeiter in den Märkten in Ruhe. Was ich da wieder gelesen habe in den Medien, wo Mitarbeiter in Märkten verdroschen wurden wegen Klopapier… ich fass das alles nicht. Bleibt gesund, bleibt verdammt nochmal zu Hause und geht nur wenn zwingend nötig raus!“

Und wie reagiert die Community? Ebru schreibt: „Das hab ich jetzt schon zwei Mal von Verkäufern gehört. Das ist total ärgerlich. Aber vielleicht kann dir ja jemand helfen, der in deiner Nähe wohnt und für dich morgens mal einkaufen geht und du es dir abends abholst?“ Darauf antwortet Dustin: „Nein. Keine Kapazitäten für mich! Lieber die älteren Menschen unterstützen als mich. Irgendwann werde ich schon was kriegen.“


2 Kommentare
  1. Das ist eine Kettenreaktion. Die Medien berichten ständig von Hamsterkäufen, so dass dann die, die gar nicht hamstern würden, auch anfangen zu hamstern, weil sie denken, sie bekommen sonst nichts mehr. Wenn alle von leeren Klopapierregalen berichten, bekommt Klopapier einen ganz neuen Wert und natürlich kauft jeder, sobald er ein volles Klopapierregal sieht, Klopapier ein, weil es ja bestimmt bald keins mehr gibt, wegen der Hamsterkäufer. Das ist die Natur der Menschen …

  2. Gefällt mir nicht. Würde mich nicht wundern, wenn die Leute, die an der Quelle von Lebensmitteln oder Drogeriesachen sitzen, bald dazu übergehen, sich zuerst damit selber zu versorgen. In der DDR war das ja üblich. Da haben dann die Kunden das Nachsehen.

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