Premiere: Eine Schule aus Gold und Diamanten

25.10.2019 Am Sonn­tag (27.10.) fei­ert “Fen­ny­mo­re oder Wie man Dackel im Salz­man­tel macht” im Ball­haus Ost Pre­mie­re. Das ist ein Kin­der­thea­ter­pro­jekt, das hoch­ak­tu­el­le The­men wie Demo­kra­tie, Mit­be­stim­mung, Popu­lis­mus und Gen­tri­fi­zie­rung nach­voll­zieh­bar und in direk­ter Inter­ak­ti­on mit Schü­le­rin­nen und Schü­lern the­ma­ti­siert. Auch Wed­din­ger Kin­der waren beteiligt. 

Das Beson­de­re an der Pro­duk­ti­on: Die Kin­der als Publi­kum sind gleich­zei­tig die Haupt­fi­gur des Stü­ckes, dür­fen mit­ma­chen, mit­re­den, Vor­schlä­ge ein­brin­gen und über den Aus­gang des Stücks ent­schei­den. Die ers­te Durch­lauf­pro­be fand mit Grund­schü­lern der Vine­ta-Grund­schu­le aus dem Brun­nen­vier­tel statt, die auch gleich kon­kre­te Vor­schlä­ge für eine Schul­re­form parat haben: E‑S­coo­ter-Fah­ren, Fuß­ball und Schwim­men soll­ten auf dem Stun­den­plan ste­hen. “Eine Schu­le aus Gold und Dia­man­ten, mit gro­ßen Fens­tern und einem Fahr­stuhl, in der es eine Rut­sche aus Gold gibt und einen Swim­ming­pool”, wün­schen sich die Viert­kläss­ler aus dem Wedding.

Ein Stück aus dem Wedding

Die Autorin der Buch­vor­la­ge Kirs­ten Rein­hardt lebt selbst seit über zehn Jah­ren im Brüs­se­ler Kiez: “Als ich vor zehn Jah­ren das Buch geschrie­ben habe, kamen mir klep­to­kra­ti­sche Des­po­ten und Fami­li­en, die in Lager­hal­len woh­nen, noch etwas über­zo­gen vor. Für das Thea­ter­stück haben wir Ent­wick­lun­gen der Gesell­schaft neu über­prüft und ich bin dadurch wie­der mit ande­ren Augen durch die Stadt und den Wed­ding gegan­gen. Letzt­end­lich ist unser Stück sehr ‘Wed­ding gewor­den’, weil sich dort gera­de ver­schärft abspielt, was wir auch im Stück the­ma­ti­sie­ren: Gen­tri­fi­zie­ri­ung, Kluft zwi­schen Arm und Reich – und die Macht des Kapi­tals, das die Stadt regiert und gleichmacht!”

“Fen­ny­mo­re oder Wie man Dackel im Salz­man­tel macht” spielt in einer selt­sa­men Klein­stadt, genannt DIE­Stadt, in der es stän­dig reg­net und alle einen Regen­hut tra­gen müs­sen. Dok­tor Uhren­gut – Bür­ger­meis­ter, Arzt, Hut­mo­no­po­list und Turn­ver­eins­vor­sit­zen­der in einer Per­son – lobt sei­ne Ver­diens­te um die Stadt, besingt die schö­ne, neue Welt und möch­te Bür­ger­meis­ter auf Lebens­zeit wer­den. Fen­ny­mo­re ist die kind­li­che Haupt­fi­gur der Geschich­te und darf auch mit­wäh­len. Vor­her lernt er Fiz­zy aus dem Geträn­ke­la­ger ken­nen, Tan­te Else in ihrer Knei­pe Zum Dackel im Salz­man­tel, den Sport­leh­rer Herrn Mucken­tha­ler und das eigen­sin­ni­ge Fahr­rad Monbijou.

Was könn­ten die Wed­din­ge­rin­nen und Wed­din­ger denn im Stück wie­der­erken­nen, gibt es kon­kre­te Par­al­le­len, Ver­wei­se, Ideen aus dem Kiez, die Ein­zug ins Stück gehal­ten haben?

Kirs­ten Rein­hardt: “Eck­knei­pen wie die unse­rer Tan­te Else gibt es ja im Wed­ding zum Glück noch (!) sehr vie­le. Ich mag die More­na Bar in der Mal­plaquet­stra­ße gern, dort wird ein Bier noch schön lang gezapft und braucht sei­ne paar Minu­ten, bis fer­tig ist. Aller­dings ist die Knei­pe nicht an einer Ecke und Tan­te Else ist ein Herr im St. Pau­li-Pul­li, der Leo­nard Cohen hört…”

Und so fanden es die Schulkinder

Die Grund­schü­ler sind nach der Pro­be in jedem Fall über­zeugt, dass ihr eige­ner Kiez vie­le Vor­tei­le birgt. Hier ein paar Stimmen:

“Wed­ding ist bes­ser, da kenn’ ich mich aus und die Stra­ßen sind grö­ßer als in DIE­Stadt und es gibt das Gesundbrunnen-Center“

„Wed­ding ist bes­ser als DIE­Stadt, im Wed­ding gibt es nicht so ver­rück­te Leh­rer und auch kei­nen Bür­ger­meis­ter, der alles bestimmt.”

Nur eine Schü­le­rin wäre gern län­ger geblieben:

„Ich fin­de DIE­Stadt bes­ser als Wed­ding, weil es da mehr Fan­ta­sie gibt.“

Text: Yvonne von Dueh­ren, Fotos: Dia­na Näcke

Fen­ny­mo­re oder Wie man Dackel im Salz­man­tel macht

Ein Anti­dik­ta­to­ren­thea­ter für Kin­der ab 9 Jahren

Pre­mie­re: 27. Okto­ber 2019, 16 Uhr

28. Okto­ber 2019, 10.30 Uhr

29.–31. Okto­ber 2019, jeweils 9+11.30 Uhr

1. Novem­ber 2019, 10.30+18 Uhr

10 | 7 Euro (ermä­ßigt), Kin­der unter 14 Jah­re: 5 Euro

Dau­er: 70 Minu­ten in deut­scher Sprache

Ball­haus Ost, Pap­pel­al­lee 15, 10437 Berlin


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