Dilekerei: Die ganze Welt auf einem Kuchenteller

Das Schaufenster der Dilekerei in der Eulerstraße. Foto: A. Oertel
Das Schau­fens­ter in der Euler­stra­ße. Foto: A. Oertel

Als ich das ers­te Mal an der Dile­ke­rei vor­bei­ging, dach­te ich: Nur ein wei­te­res Ange­bot für hei­rats­wil­li­ge Tür­ken. Die Besit­ze­rin Dilek Top­ka­ra straft mei­ne Vor­ur­tei­le Lügen und belehrt mich eines Bes­se­ren. In der Euler­stra­ße 11b gibt es seit fünf Jah­ren natür­lich vor allem Hoch­zeits­tor­ten, doch die Kun­den kom­men aus aller Her­ren Län­der. Am Wochen­en­de ist dar­über hin­aus das Café geöff­net. Hier gibt es lecke­ren Kuchen in ent­spann­ter Atmosphäre.

Auslage in der Dilekerei. Foto: A. Oertel
Aus­la­ge in der Dile­ke­rei. Foto: A. Oertel

Neben ihren tür­ki­schen Wur­zeln merkt man der Jung­un­ter­neh­me­rin Dilek Top­ka­ra ihre Aus­lands­auf­ent­hal­te in Eng­land und den Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka an. Die Tor­ten­krea­tio­nen der stu­dier­ten Lebens­mit­tel­tech­ni­ke­rin wir­ken so, als hät­te sie das Bes­te aus den ver­schie­de­nen Wel­ten auf einem Kuchen­tel­ler ver­eint. Aber Qua­li­tät hat ihren Preis! Wer sei­nen täg­li­chen Zucker­be­darf stil­len will, geht zu einer der vie­len tür­ki­schen Bäcke­rei­en. Wer sich am Wochen­en­de mal etwas Beson­de­res gön­nen möch­te, der geht zu Dilek!

Eine Frau mit Geschmack
Die Dilekerei von innen. Foto: A. Oertel
Im Geschäft. Foto: A. Oertel

Per­si­sche Tep­pi­che, Lam­pen aus Istan­bul und Tor­ten­stän­der von Chip­pen­da­le – wer die Dile­ke­rei zum ers­ten Mal besucht, merkt: Die Besit­ze­rin hat Geschmack. Nun ist das Inte­ri­eur eine Sache, eine viel wich­ti­ge­re: Schme­cken denn die Back­wa­ren in die­ser Tor­ten­werk­statt? Von mir kommt ein ganz kla­res Ja! Dilek beschreibt ihr Ange­bot als „ehr­li­che Krea­tio­nen, die gut schme­cken und gut pro­du­ziert sind.“ Hier hört man die Lebens­mit­tel­che­mi­ke­rin her­aus, die gegen die Bil­lig-Back­shops wet­tert und einen hohen Anspruch an die eige­ne Qua­li­tät hat. Trotz­dem sind die Prei­se fair. Ein Vanil­la Cheese Cake schlägt mit vier Euro zu Buche und ein Milch­kaf­fee kos­tet 3,20 Euro.

Kosmopolitin, Türkin & Cake Designerin
Besitzerin Dilek Topkara. Foto: Dilek
Besit­ze­rin Dilek Top­ka­ra. Foto: Dilek

Dilek hat mit ihren jun­gen Jah­ren bereits eine beweg­te Ver­gan­gen­heit hin­ter sich. Ein Sti­pen­di­um der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on führ­te sie nach Eng­land. In der Fol­ge sam­mel­te sie Erfah­run­gen bei ver­schie­de­nen füh­ren­den Kon­di­to­rei­en. Der klang­volls­te Name: die deutsch­stäm­mi­ge Peg­gy Por­schen, die in Lon­don unter ande­rem Elton John, Mr. Bean oder Gwy­neth Palt­row mit Tor­ten und Gebäck belie­fert. Nun will Cake Desi­gne­rin Dilek die Hoch­zeits­tor­ten in Deutsch­land aus ihrem Nischen­da­sein befreien.

Dileks Kun­den kom­men aus aller Her­ren Län­der. Sie erhält Anfra­gen von süd­afri­ka­ni­schen, indi­schen oder ame­ri­ka­ni­schen Pär­chen, die in Ber­lin hei­ra­ten wol­len. Hoch­zeits­tor­ten machen den Groß­teil ihres Geschäfts aus. Sams­tags und sonn­tags ist aber auch das Café in der Euler­stra­ße 11b geöff­net und lädt zu einem Stück Kuchen in ent­spann­ter Atmo­sphä­re ein. Dilek sagt über sich: „Mir liegt der Kiez am Her­zen und der Dia­log mit den Anwoh­nern ist mir wichtig.“

Nachhaltige Zutaten aus Schöneberg und der Türkei
Brownie in der Dilekerei. Foto: A. Oertel
Brow­nie in der Dile­ke­rei. Foto: A. Oertel

Man kann davon aus­ge­hen, dass eine Lebens­mit­tel­che­mi­ke­rin hoch­wer­ti­ge Back­wa­ren pro­du­ziert. Das unter­streicht ihr kur­zer Exkurs in die mole­ku­la­re Welt der Lebens­mit­tel. Und auch wenn sie nicht mit dem Bio-Label wirbt, so ach­tet sie auf nach­hal­ti­ge Zuta­ten. Die Pflau­men kom­men aus dem Gar­ten der Eltern in Schö­ne­berg, die Hasel­nüs­se bezieht sie von ihrer Fami­lie in der Tür­kei. Beim The­ma Qua­li­tät kommt Dilek auf die Unter­schie­de zwi­schen Lon­do­nern und Ber­li­nern zu spre­chen: „Eng­län­der begnü­gen sich mit einem hohen Anteil an unge­sun­der But­ter­creme.“ Der Ber­li­ner Gau­men sei anders. Für den Spree­athe­ner darf es nicht zu süß sein, es muss aber trotz­dem gut schme­cken. So resü­miert die Tür­kin auch: „Die Dile­ke­rei ist seit dem Start in 2015 mehr Ber­lin geworden.“

Für die Kun­den, die nicht bis zur Öff­nungs­zeit am Wochen­en­de war­ten kön­nen, hat Dilek übri­gens das Buch „Tor­ten, Tört­chen, Tar­tes“ mit 45 der belieb­tes­ten Rezep­te aus dem Café her­aus­ge­bracht. Mein Fazit: Nach dem Inter­net­ca­fé in der Euler­stra­ße sorgt die Dile­ke­rei für einen wich­ti­gen Akzent im Kiez. Oder um es mit Dileks Wor­ten zu sagen: „Der Wed­ding braucht sowas wie uns!“

Dile­ke­rei, Euler­stra­ße 11b,  Sams­tag und Sonn­tag von 12 bis 18 Uhr geöffnet

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.