Diesterweg-Gymnasium setzt auf Französisch und Latein

Diesterweg Gymnasium mit Französisch und Latein
Das Dies­ter­weg Gym­na­si­um in der Bött­ger­stra­ße Ecke Pankstra­ße. Foto: And­rei Schnell

Das Dies­ter­weg-Gym­na­si­um gibt sich nun eben­falls einen Schwer­punkt. Die Schu­le an der Pankstra­ße wählt als eige­nes Pro­fil die Spra­chen Fran­zö­sisch und Latein. Außer­dem nimmt das Gym­na­si­um ab Herbst 2021 Schü­ler auch ab Klas­se 5 auf. Damit ist das Gym­na­si­um „grund­stän­dig“. Rund 45 der mehr als 110 staat­li­chen und nicht-staat­li­chen Gym­na­si­en in Ber­lin sind grund­stän­dig und bie­ten damit den Wech­sel in der 5. Klas­se an. Unge­wöhn­lich für ein Gym­na­si­um ist, dass das Dies­ter­weg eine Ganz­tags­schu­le bis 16 Uhr ist. Wäh­rend grö­ße­re Schü­ler schon allein auf­grund des Stun­den­plans täg­lich vie­le Stun­den in der Schu­le ver­brin­gen, haben nur sie­ben Gym­na­si­en in Ber­lin einen Ganz­tags­be­trieb mit Arbeits­ge­mein­schaf­ten und Freizeitangeboten.

Schule zieht bei Profilbildung nach

Kuss an der Diesterweg-Schule. Foto Andrei Schnell.
Kuss an der Dies­ter­weg-Schu­le. Foto And­rei Schnell.

Mit dem Set­zen eines Akzents holt die Schu­le an der Pankstra­ße im Ver­gleich mit den bei­den ande­ren Gym­na­si­en im Wed­ding auf. So gehört es seit 2011 zum Pro­fil des Les­sing-Gym­na­si­ums am U‑Bahnhof Reh­ber­ge, hoch­be­gab­te Schü­ler und Schnell­ler­ner zu för­dern. Das kom­mer­zi­el­le Phorms-Gym­na­si­um (Abitur seit 2012) unter­rich­tet bilin­gu­al. Das heißt, die Leh­rer spre­chen in eini­gen Fächer wie Mathe­ma­tik oder Che­mie aus­schließ­lich Eng­lisch. Indem sich das Dies­ter­weg-Gym­na­si­um für Fran­zö­sisch als ers­te Fremd­spra­che und für ein frü­hen Start des Latein­un­ter­richts ent­schei­det, wird sie unter­scheid­bar. Gleich­zei­tig ver­klei­nert sie eine Lücke im Ber­li­ner Schul­an­ge­bot. Denn seit lan­gem wäh­len eini­ge Eltern Eng­lisch als ers­te Fremd­spra­che, wenn die Ent­schei­dung für ihre Kin­der in der 3. Klas­se ansteht. Grund ist, dass es deut­lich weni­ger Gym­na­si­en mit Fran­zö­sisch als ers­ter Fremd­spra­che gibt als sol­che mit Eng­lisch. „Das zusätz­li­che neue Ange­bot am Dies­ter­weg-Gym­na­si­um soll zur För­de­rung des Fran­zö­si­schen in Ber­lin bei­tra­gen“, sagt ein Pres­se­spre­cher der Ber­li­ner Schul­ver­wal­tung. Über den neu­en frü­hen Fran­zö­sisch­un­ter­richt freut sich auch Flo­ri­an Fang­mann, Geschäfts­füh­rer des Jugend- und Kul­tur­zen­trums Cent­re Fran­cais am nörd­li­chen Ende der Mül­ler­stra­ße: „Wir pla­nen eine enge Koope­ra­ti­on mit dem Dies­ter­weg-Gym­na­si­um und wer­den Aus­tausch­be­geg­nun­gen mit dem fran­ko­pho­nen Aus­land organisieren“.

Französisch als erste Fremdsprache

Ein kleiner Eiffelturm
Cent­re Fran­cais wird Koope­ra­ti­ons­part­ner des Dies­ter­weg Gym­na­si­ums. Foto: Weddingweiser

Die Wahl von Fran­zö­sisch als ers­ter Fremd­spra­che begrün­det Schul­lei­ter Vol­ker Leh­mann so: „Frank­reich rückt als zweit­größ­ter Mit­glieds­staat der Euro­päi­schen Uni­on wirt­schaft­lich und kul­tu­rell stär­ker in den Fokus.“ Vol­ker Leh­mann lei­tet das Gym­na­si­um seit 2017. Latein und Fran­zö­sisch als zwei­te oder drit­te Fremd­spra­che bie­tet die Schu­le bereits seit vie­len Jah­ren an. Das neue Kon­zept ken­nen ler­nen kön­nen Eltern von Schü­lern in der vier­ten Klas­se beim Tag der offe­nen Tür am 9. Janu­ar – falls Coro­na­maß­nah­men es zulas­sen. Nach­fra­gen kön­nen Inter­es­sier­te bei Mathe­ma­tik­leh­re­rin Yvonne Siecken­dieck, die „Öffent­lich­keits­be­auf­trag­te“ ist.

Schulversuch ist kein Schulexperiment

Offi­zi­ell ist das neue Pro­fil des Dies­ter­weg-Gym­na­si­ums ein Schul­ver­such. Aller­dings geht es nicht um ein Expe­ri­ment, wie das Wort den­ken lässt. Laut Schul­ge­setz sind die­se Ver­su­che „Inno­va­tio­nen“ mit den Schu­le „wei­ter­ent­wi­ckelt“ wer­den soll. “Erprobt wer­den soll, ob die sprach­bil­den­de Wir­kung des Faches Latein durch den frü­her begin­nen­den sprach­sen­si­blen Unter­richt zu der­art posi­ti­ven Effek­ten auf die Kom­pe­ten­zen im Fach Deutsch führt, dass die Leis­tun­gen der Schü­le­rin­nen und Schü­ler sich nach­hal­tig bes­ser ent­wi­ckeln als die der Ver­gleichs­grup­pen”, schreibt die Senats­ver­wal­tung für Bil­dung. Die Schul­ver­wal­tung erwar­tet, dass die Leis­tun­gen in ande­ren Fächern steigen.

Logo Weddinger Allgemeine ZeitungDer Text stammt aus der Wed­din­ger All­ge­mei­nen Zei­tung, der gedruck­ten Zei­tung für den Wed­ding. Geschrie­ben wur­de er von And­rei Schnell. Wir dan­ken dem RAZ-Ver­lag.

Andrei Schnell

Mit ostdeutschem Hintergrund bin ich im Weddingspektrum einer von vielen anderen Sonderlingen. Ich vergleiche Politik gern mit Sport, dann ist sie spannend und nicht bierernst. Wenn ich ein Buch lese, frage ich mich immer, wo ich es besprechen kann. Ich reporte ja für Weddingweiser, Weddinger Allgemeine Zeitung und Kiezmagazine. Ich mag Geschichten und Geschichte.

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